Arbeitswelten 4.0

Maschinenbau und Gewerkschaft im Digitalisierungsdialog

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Nico Litzel

Die Gastgeber der Fachtagung Arbeitswelten 4.0: Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen (li.), und Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost
Die Gastgeber der Fachtagung Arbeitswelten 4.0: Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen (li.), und Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost (Bild: Wolfgang Zeyen)

Dass die Digitalisierung für einen Effizienzschub in der Wirtschaft sorgen wird, steht außer Frage. Doch welche Auswirkungen hat das alles auf die Arbeitswelt? Antworten darauf suchten Maschinenbauer und Gewerkschafter bei der Fachkonferenz Arbeitswelten 4.0 in Schkeuditz.

Die digitalisierte und vernetzte Produktion wird nicht nur die Wirtschaftsabläufe und Produktionsprozesse effizienter gestalten, sondern auch die Arbeitswelt und Unternehmenskultur nachhaltig verändern. Welche Folgen das für Jobs und Beschäftigten haben wird, wurde am 8. November 2017 bei der Fachtagung Arbeitswelten 4.0 diskutiert.

Organisiert hatten das Event der VDMA Ost und der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Vor allem der Maschinen- und Anlagenbau befindet sich bereits mitten in dieser digitalen Transformation. Berufsbilder wandeln sich, mit ihnen die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung sowie die innerbetriebliche Zusammenarbeit. Außerdem werden neue Qualifikationen benötigt.

Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost: „Industrie 4.0 ist kein Selbstzweck, sondern steht und fällt mit dem wirtschaftlichen Nutzen.“
Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost: „Industrie 4.0 ist kein Selbstzweck, sondern steht und fällt mit dem wirtschaftlichen Nutzen.“ (Bild: VDMA Ost)

Auch in der Smart Factory dreht sich alles um den Menschen

Auch in der Fabrik der Zukunft wird und muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Darin sind sich Industrie und Gewerkschaften einig. Jedoch werden sich die Kernanforderungen verändern. Für Soziologin Sabine Pfeiffer ist deshalb die entscheidende Frage, ob die Beschäftigten in den Unternehmen ausreichend Qualifikationen für die Gestaltung von Industrie 4.0 mitbringen. „Gefragt sind sowohl Fachkompetenzen als auch Querkompetenzen wie die Fähigkeit zu interdisziplinärem Arbeiten und der Umgang mit Big Data und Datenschutz“, erklärte die Professorin an der Universität Hohenheim.

Einen allgemeingültigen Ansatz für die neuen Arbeitswelten gebe es aber nicht. Vielmehr müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf betrieblicher Ebene gemeinsam unternehmensspezifisch passende Lösungen und Konzepte finden. So ließen sich Risiken eingrenzen und Chancen gestalten – beispielsweise die Facharbeit aufwerten oder körperliche Arbeit erleichtern.

Herausforderungen vom Arbeiten 4.0 sind nur im Dialog zu meistern

„Industrie 4.0 ist kein Selbstzweck, sondern steht und fällt mit dem wirtschaftlichen Nutzen“, erklärte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost bei der Tagung. Die Digitalisierung stärke die Wettbewerbsfähigkeit und trage zur Arbeitsplatz- und Standortsicherung bei. Dabei geht es laut Pätz nicht allein um Technik und Technologien. „Für uns spielen die Aspekte Mensch und Organisation eine genauso wichtige Rolle.“

Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen: "Die Chancen von Produktivität und Zufriedenheit der Beschäftigten werden sich nicht von allein realisieren. Entscheidend wird sein, den Beteiligungsprozess zu organisieren."
Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen: "Die Chancen von Produktivität und Zufriedenheit der Beschäftigten werden sich nicht von allein realisieren. Entscheidend wird sein, den Beteiligungsprozess zu organisieren." (Bild: IG Metall BBS)

Notwendige Anforderungen wie eine höhere Flexibilität von Unternehmen und Beschäftigten, fachübergreifendes Arbeiten, Innovationsfähigkeit und die Kompetenzerweiterung der Beschäftigten lassen sich nur im Dialog zwischen Führungskräften und Belegschaften, Betriebsräten und Gewerkschaften bewältigen.

„Dabei ist ein notwendiger Rahmen gesetzlicher und tariflicher Regelungen unverzichtbar. Die Chancen von Produktivität und Zufriedenheit der Beschäftigten werden sich nicht von allein realisieren“, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Entscheidend wird sein, den Beteiligungsprozess zu organisieren. Die heutige Tagung hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.“

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