Security

Konferenz für Sicherheitsforschung diskutiert intelligente Sensorsysteme

| Redakteur: Jan Vollmuth

Sensoriksystem für mehr Sicherheit: Mit der Millimeterwellenkamera des Fraunhofer IAF könnten z. B. Feuerwehren bei Waldbränden künftig präzise Bilder des Einsatzortes erhalten.
Sensoriksystem für mehr Sicherheit: Mit der Millimeterwellenkamera des Fraunhofer IAF könnten z. B. Feuerwehren bei Waldbränden künftig präzise Bilder des Einsatzortes erhalten. (Bild: Fraunhofer IAF)

Wie können intelligente Sensorsysteme genutzt werden, um mögliche Gefahren für den Einzelnen und die Gesellschaft zu erkennen und abzuwehren – ohne die Privatsphäre zu verletzen? Darüber diskutieren über 200 Experten auf der 11. Future Security Konferenz für Sicherheitsforschung vom 13. bis 14. September 2016 in Berlin.

„Sensorsysteme für Schutz und Sicherheit“ lautet das Motto der diesjährigen Future Security. Die Konferenz besteht seit 2006 unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und hat sich seitdem als wichtiges internationales Forum für Sicherheitsforschung etabliert. Dabei bietet sie nicht nur ein breites Themenspektrum – von Grenz- und Flughafensicherheit über Datenschutz und Cyber Security bis hin zum Schutz von Smart Factories und sicherem autonomen Fahren: Durch die Interaktion von Ingenieurs-, Natur-, Rechts- und Sozialwissenschaftlern fördert die Future Security die Entwicklung von Sicherheitstechnik unter Berücksichtigung ethischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte wie der Freiheit des Einzelnen, des Freihandels und Warenverkehrs oder der Reisefreiheit und Mobilität.

Neue Herausforderungen und Risiken

Neue Technologien werden immer auch von neuen Herausforderungen und Risiken begleitet. So führt die Umsetzung innovativer Logistiklösungen für die Industrie 4.0 zu neuem Gefahrenpotenzial in der Betriebssicherheit – beispielsweise in der Mensch-Maschine-Interaktion. Beim Thema autonomes Fahren oder unbemannte Luftfahrzeuge müssen viele rechtliche Fragestellungen geklärt und Sicherheitsrisiken bewältigt werden. Hier leistet Sensorik einen wichtigen Beitrag: „Innovative Sensortechnologien und -netzwerke bieten ein hohes Potential, wenn es darum geht, Systeme noch sicherer zu machen, Risiken frühzeitig zu erkennen oder Gefahren aus der Ferne zu analysieren, um Einsatzkräfte zu schützen“, erläutert Prof. Oliver Ambacher, Vorsitzender der Future Security 2016 und Leiter des Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF.

Topthema der Future Security 2016 ist das autonome Fahren. Ob Daimler, GM, Peugeot, Tesla, Valeo oder VW: Beim Entwickeln von Autos, die ganz ohne den Menschen oder halbautonom via Autopilot fahren, steuern oder parken, sind nicht nur zahllose Automobilhersteller, sondern auch Internet-Giganten wie Google ganz vorne mit dabei. Sicherheit ist dabei das zentrale Thema: Denn autonomes Fahren könnte einem Bericht der Boston Consulting Group (BCG) und des Weltwirtschaftsforum zufolge 90 Prozent aller Unfälle verhindern. Da die Zahl der Verkehrstoten 2015 gestiegen ist – deutschlandweit auf 3475 und europaweit auf 26.000, spielt das fahrerlose Auto eine bedeutende Rolle beim EU-Plan, die Todeszahlen auf der Straße bis 2020 im Vergleich zu 2010 um 50 Prozent zu senken.

Sicherheitsanalysen und Testszenarien sind wichtig

Rückschläge bei teilautonomen Fahrassistenzsysteme wie beispielsweise der tödliche Unfall eines Nutzers des Tesla-Autopiloten im Juni 2016 zeigen auf, wie wichtig ausgefeilte Sicherheitsanalysen und Testszenarien sind, um sowohl die Sicherheit als auch die gesellschaftliche Befürwortung autonomer Fahrtechnik zu fördern. Eine hohe soziale Akzeptanz ist die Voraussetzung für die großflächige Einführung selbsttätig fahrender Autos im Straßenverkehr, die BCG für 2035 prognostiziert.

Wie man Nutzer selbstfahrender Autos durch erprobte Sicherheitsstrategien noch besser schützen kann, ist auch Thema der diesjährigen Future Security: Thomas Raste von Continental wird in seinem Vortrag darauf eingehen, wie autonome Fahrkonzepte oder Autopiloten durch Fahrsicherheitsanalysen und Risiko-Assessments noch sicherer werden. Das Gesamtziel ist dabei die „Vision Zero“: Bis 2050 sollen Straßen und Verkehrsmittel so sicher werden, dass es keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr gibt. Holger Meinel erläutert als langjähriger Fachexperte und ehemaliger Manager Technologie Monitoring bei Daimler aktuelle Herausforderungen in der Zugangskontrolle selbstfahrender Autos. Mit den Sicherheitsvorteilen und dem technischen Nutzen hochintegrierter Mikrowellen-Radarsensoren für das autonome Fahren befasst sich Dietmar Kissinger vom Leibniz-Institut Innovations for High Performance Microelectronics IHP.

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