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PwC-Studie KI bringt mehr Transparenz in die Supply Chain

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Nico Litzel

Digital Champions nutzen KI basierend auf simultaner Verfügbarkeit von Informationen für alle Partner zur Erhöhung der Transparenz ihrer Supply Chains. Ein wesentlicher Vorteil liegt im wirksameren Risikomanagement. Zudem können die Supply-Chain-Kosten und Mehrumsätze generiert werden

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Supply Chains müssen krisenfester werden. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen.
Supply Chains müssen krisenfester werden. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Supply Chains sind zunehmend mit Disruptionen wie extremen Wetterbedingungen, Pandemien oder Versorgungsengpässen konfrontiert. Dafür zu sorgen, dass globale Supply Chains in solchen Situationen reibungslos funktionieren, ist für viele Unternehmen eine besonders schwierige Herausforderung. Beispielsweise sind etliche Supply Chains vom Ausbruch von Covid-19 (Coronavirus) betroffen, sei es durch unerwartete Bedarfsspitzen, eine signifikante Reduktion der Nachfrage oder durch Lieferengpässe.

Studie enthält diverse Fallstudien

Doch einige Unternehmen können sich an diese neue Situation besser anpassen als andere. Digital Champions haben in Supply Chain Exzellenz investiert und sind dadurch in der Lage ihre Supply Chains flexibel und agil an neue Gegebenheiten anzupassen.

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Diese Unternehmen berichten, dass einer der wesentlichen Vorteile im wirksameren Risikomanagement liegt. Sie gaben zudem an, dass sie im letzten Jahr ihre Supply-Chain-Kosten um 6,8 Prozent senken und den Umsatz um 7,7 Prozent steigern konnten. Bei allen Unternehmen, die im Rahmen der Studie Studie „Connected and autonomous supply chain ecosystems 2025“ befragt wurden, lagen diese Werte bei 5,9 bzw. 6,3 Prozent.

Digitale Champions können nicht nur auf, sondern auch auf eine verbesserte Nutzung der vorhandenen Assets und ein effektiveres Risikomanagement verweisen.

Für die Studie wurden von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) mehr als 1.600 Unternehmen aus sieben Branchen sowie aus 33 Ländern zum Status quo und zur Zukunft ihres Supply Chain Managements befragt.

Ziel war es auch, herausfinden, was digitale Champions beim Management und bei der Steuerung ihrer Supply Chains besser machen als andere Unternehmen. Die Studie enthält dazu Fallstudien zu den Supply Chains einzelner Unternehmen, darunter IKEA, Bayer Crop Science Division, Nokia, Continental, Trumpf und Advantest.

KI und Data Analytics werden im SCM bereits genutzt

Ein weiteres wichtiges Studienergebnis lautet: Bei der Organisation ihrer Supply Chain setzt die überwiegende Mehrheit der Unternehmen bereits auf KI und Data Analytics in einzelnen Bereichen, um bessere Entscheidungen zu treffen und Supply Chains zu optimieren. 70 Prozent der Befragten nutzen KI zumindest in einem Bereich, etwa zur Transparenzsteigerung entlang der Supply Chain, zur Cost-to-Serve-Optimierung, Supply-Chain-Segmentierung oder für die integrierte Planung.

Allerdings haben die digitalen Champions in puncto KI-Einsatz einen deutlichen Vorsprung vor anderen Unternehmen. Heute setzen bereits 43 Prozent der Digital Champions KI für eine bessere Supply-Chain-Transparenz ein, gegenüber lediglich 23 Prozent der Gesamtheit der befragten Unternehmen.

Dr. Reinhard Geissbauer, Partner und globaler Leiter für Digital Operations bei PwC, sagt: „Auffällig ist, dass die Digital Champions schon sehr weit sind bei der Nutzung aller internen und externer Daten zur Steuerung der Supply Chain. Sie greifen mehr und mehr auch auf unstrukturierte externe Daten zurück, etwa aus IoT- und Social-Media-Anwendungen sowie auf externe Kundendaten.“

Smart Logistics - großes Potenzial für Kostenoptimierungen

Für 59 Prozent der digitalen Vorreiter hat das Thema Smart Logistics eine hohe oder sogar die höchste Priorität. „Das wundert mich nicht“, kommentiert Reinhard Geissbauer. „Schließlich gehen 50 Prozent der Einsparungen der Supply Chain Kosten auf das Konto von Smart Logistics.“ Auch hier ist der Vorsprung der Digital Champions deutlich: Branchen- und länderübergreifend nannte nicht einmal jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) das Thema Smart Logistics als hohe oder sogar höchste Priorität.

Die Implementierung von Smart-Logistics-Fähigkeiten ist auch ein Frage der Unternehmensgröße ab. So haben 42 Prozent der Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Dollar Jahresumsatz Smart Logistics bereits eingeführt. Bei den Unternehmen mit drei bis unter fünf Milliarden Dollar Umsatz waren es hingegen nur 25 Prozent.

„Kleinere Unternehmen scheuen oftmals die hohen Investitionskosten“, sagt Stefan Schrauf, Partner und Leiter Operations und Supply Chain Europa bei PwC. „Diese Sorge ist allerdings in vielen Fällen unbegründet, denn die Investitionen in Supply-Chain-Exzellenz haben sich oft schon nach kurzer Zeit amortisiert.“

Mehr Nachhaltigkeit mit transparenten Supply Chains

Auch die Transparenz von Supply Chains hat für die befragten Unternehmen einen hohen Stellenwert: Für 55 Prozent der Digital Champions hat das Thema oberste Priorität. „Die Unternehmen bewegen sich immer stärker in Richtung holistischer Supply Chain

Ökosysteme, die auch Kunden, Zulieferer, Transportdienstleister und andere Supply-Chain-Partner einschließen“, so Stefan Schrauf. Mit 62 Prozent haben bereits fast zwei Drittel der Digital Champions Transparenz über ihre Supply Chains erreicht. Demgegenüber sind es bei der Gesamtheit der befragten Unternehmen nur 33 Prozent.

Zu den wichtigsten Aspekten transparenter Supply Chains gehört die Visibilität zu Produkt-, Finanz- und Logistikinformationen in nahezu Echtzeit. So können Unternehmen ein fast zeitgleiches digitales Abbild ihrer Supply Chain (eine Art digitalen Zwilling) sicherstellen und KI nutzen, um Abweichungen, Risiken oder Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen und automatisiert zu lösen.

„Mehr Transparenz trägt auch dazu bei, die eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen“, erläutert Studienleiterin Judith Schneider, Senior Manager bei PwC und ergänzt: „Kunden wollen heute immer häufiger wissen, wo Rohstoffe, Materialien und Produkte herkommen. Und Unternehmen mit transparenteren Supply Chain können diese Informationen bereitstellen. Zugleich erhöht sich die Qualität, wenn die Rückverfolgbarkeit der eigenen Produkte gewährleistet wird, denn so können Unternehmen beispielsweise nachvollziehen, zu welchem Zeitpunkt einer Lieferung Schäden an Produkten oder Waren aufgetreten sind. Und auch hier punkten die digitalen Champions in besonderer Weise.“

Supply Chains nach einer Krise erfolgreich steuern

Die Studie gibt zudem Empfehlungen dazu, wie man Supply Chains nach einer Krise erfolgreich steuern kann. „Frühere Krisen haben gezeigt, dass es für viele Unternehmen schwierig ist, ihre Supply Chain zu steuern, wenn es wieder aufwärts geht und die Konjunktur wieder anzieht, erklärt Stefan Schrauf.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal Industry of Things.

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