Kommentar von Joe Morrissey, Hortonworks

Ist Big Data nur eine Frage der Technik?

| Autor / Redakteur: Joe Morrissey / Nico Litzel

Der Autor: Joe Morrissey ist VP International bei Hortonworks
Der Autor: Joe Morrissey ist VP International bei Hortonworks (Bild: Hortonworks)

Viele Unternehmen erwägen den Einsatz von Big-Data-Lösungen, um die Erkenntnis aus ihren bestehenden Daten zu maximieren. Daran ist generell nichts falsch. Oft geht aber der erste Schritt in die Richtung, wie die Einführung solcher Massendatensysteme technisch zu bewerkstelligen ist – das wäre ein Denkfehler. Denn der Big-Data-Ansatz ist erstmal nicht wirklich technologisch, sondern eine Herangehens- und Denkweise, um neue und fundierte Kenntnisse aus großen Datenmengen zu gewinnen. Welche Faktoren sind nun für die Einführung von Big Data wichtig?

Da der Umgang mit einer großen Menge an bereits existierenden oder noch zu erhebenden Daten von der Geschäftstätigkeit abhängt, spielt die IT eine wichtige unterstützende Rolle. Daher sollten Unternehmen in einem ersten Schritt in Richtung Big Data unbedingt ihre Struktur und den Umgang mit Informationen sowie ihre generelle Arbeitsweise prüfen. Denn eine zu technische Erörterung des Themas führt dazu, dass bei Abschluss des Projekts die Lösung zwar verfügbar ist, die einzelnen Mitarbeiter sie aber nicht ausreichend nutzen.

Daher gilt es zunächst, den zu erreichenden Zielzustand unabhängig von den möglichen technischen Umsetzungen zu definieren. Dabei steht die Frage nach dem gewünschten Geschäftsergebnis an zentraler Stelle. Diese kann beispielsweise eine Kosteneinsparung, bessere Kundenbindung, eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen oder die Erhöhung des Marktanteils sein. Dieses Ziel sollte dann sorgfältig, klar und im Nachhinein nachvollziehbar dokumentiert werden und dient in den folgenden Projektschritten als Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung.

Ein Unternehmen, dass sich einem komplexen Projekt wie der Einführung einer Big-Data-Infrastruktur widmet, sollte ferner offen für die Veränderung seiner Kultur sein. In vielen Fällen verhindern tradierte Handlungsweisen die effiziente Umsetzung der aus gewonnenen Daten erzielten Erkenntnisse. Auch stehen veraltete Strukturen der optimalen Nutzung von Daten aus verschiedenen Datenquellen oftmals im Weg. Die Veränderung der eigenen Kultur sollte – so sie denn erfolgreich umgesetzt werden will – aus der Führungsschicht initiiert und auch aktiv gelebt werden. Dies hat den Vorteil, dass der Prozess strukturiert und ohne Reibungsverluste ablaufen kann.

Wandel hin zu einer offenen Unternehmenskultur

Warum aber ist ein Kulturwandel in diesem Bezug wichtig? Häufig verstehen einzelne Abteilungen „ihre“ Daten als Herrschaftswissen. Sie werden als zu wichtig oder sensibel erachtet. Mit diesem Wissen positionieren sie sich intern und treten so in einen innerbetrieblichen Wettbewerb. Wird der Wandel hin zu einer offenen Unternehmenskultur von oberster Stelle aktiv vorgelebt, ist mit weit weniger Widerstand in den einzelnen Entitäten zu rechnen. Dies sollte – da es lokale und individuelle Befindlichkeiten trifft – in einem dialogorientierten Diskurs erfolgen und nicht den Eindruck erwecken, von oberster Stelle angeordnet worden zu sein. Schließlich sind Geschäftsdaten geistiges Eigentum des gesamten Unternehmens und nicht nur eines Teils davon.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um Big-Data-Strukturen einzuführen, ist ein geradezu spielerischer Umgang mit der Materie. Plattformen wie Hadoop bieten eine offene und modulare Infrastruktur, die sich für viele Branchen und Anwendungsfälle eignet. Diese sollte man ohne Angst vor dem Risiko implementieren. Bei einem experimentellen Ansatz ergeben sich oftmals Möglichkeiten der Datenauswertung, die anfangs so von den Projektbeteiligten nicht gesehen werden. Daher ist es der beste Weg, die Werkzeuge und Technologien, mit denen die Daten ausgewertet werden können auszutesten. Ein anfängliches Scheitern ist dabei kein Problem, da hier der Erkenntnisgewinn und die darauffolgende Veränderung der Vorgehensweise zu besseren Ergebnissen führt, als sich starr an ein „Skript“ zu halten. Organisationen sollten hierzu ihre Mitarbeiter ermuntern, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und ihnen gleichzeitig eine sichere und skalierbare Plattform dafür bieten.

Dabei sollte jedem der Wert der eigenen Daten bewusst sein. Jahrelang haben Unternehmen sich von ihren wertvollen Daten, die sie in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen haben, getrennt, weil sie ihre Bedeutung nicht rechtzeitig erkannt haben.

Augen auf bei der Personalauswahl

Nicht zuletzt ist eine der Grundbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung die richtige Auswahl der betrauten Mitarbeiter. Oftmals sind bei der Personalauswahl Faktoren wie erworbene Qualifikationen oder der passende Lebenslauf ausschlaggebend. Jedoch ist bei Big Data etwas anderes ausschlaggebend – die richtige Mentalität. Unternehmen verfügen in aller Regel über passende Mitarbeiter. Sie zu identifizieren und rechtzeitig in das Projekt einzubinden, sollte eines der Hauptaugenmerke sein. Die benötigten technischen Fähigkeiten können bei Bedarf entweder intern oder extern rekrutiert werden. Die Einführung und Nutzung von Big Data entspricht einem sich entwickelnden Prozess, bei dem Unternehmen offen für Mitstreiter sein sollten. Kandidaten hierfür können neben externen Experten auch Open-Source-Anbieter sein, die Unternehmen kompetent begleiten und durch das Projekt führen.

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