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Roundtable diskutiert digitales Business IoT führt zu Kulturwandel und neuen Geschäftsmodellen

Autor / Redakteur: Martin Hensel / Nico Litzel

Unter dem Motto „Business-Case Internet der Dinge – wie Unternehmen sich für das digitale Geschäft aufstellen“ diskutierte der Presse-Roundtable „IT-meets-Press“ aktuelle Trendthemen.

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Beim Roundtable von IT-meets-Press wurde heiß diskutiert.
Beim Roundtable von IT-meets-Press wurde heiß diskutiert.
(Bild: IT-meets-Press)

Die Veranstaltung fand am 24. September in München statt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden aktuelle Entwicklungen diskutiert. Andreas Zilch, Senior Vice President von PAC, sorgte für eine erste Kontroverse: „Die CIOs konzentrieren sich auf das Aufrechterhalten des laufenden Betriebs vom Rechenzentrum bis zu den Arbeitsplätzen und vernachlässigen Innovationsthemen“, so der Analyst. Dem widersprach Thomas Endres vom VOICE-Anwenderverband: „Wenn eine Firma stillsteht oder Dinge schieflaufen, dann steht der sichere Betrieb plötzlich ganz oben auf der Agenda. Gleichwohl sollte man Innovationen immer im Blick haben und durchaus auch mal das eigene Geschäftsmodell hinterfragen“. Andere Diskussionsteilnehmer wiesen darauf hin, dass etwa im Versicherungssektor die IT durchaus die Innovationen vorantreibe und die Fokussierung auf ein Fachgebiet heute ohnehin nicht mehr ausreiche.

Hersteller und Verbraucher verbinden

Um künftig im Internet der Dinge zu bestehen, sind neue Organisationsmodell nötig. Frank Schinzel, Managing Director von Accenture Digital, schweben dazu digitale Ökosysteme vor, in denen Unternehmen über unterschiedlichste Branchen hinweg kooperieren. Als Beispiel nannte er den Reifenhersteller Michelin, der damit begonnen hat, Sensoren in Pneus zu integrieren, um auf dieser Basis Services zu verkaufen. Ökosystem-Partner sind hier unter anderem Telekommunikationsunternehmen für den Datentransport, Banken für Abrechnungsmodelle und schließlich Versicherer. Bezüglich der weiteren Entwicklung kann er sich zukünftig auch Konsumgüter wie „Connected-Waschmittel“ vorstellen: „Wenn ein Waschmittelhersteller Sensoren in seine Verpackungen einbaut und den Kunden eine entsprechende App bereit stellt, erfährt er, wann der Vorrat beim Endkunden zu Ende geht. Er hat dann die Kundendaten und kann so ohne den Umweg über den Handel Kontakt mit dem Kunden aufnehmen und ihn direkt beliefern.“

Google und Co. als Gefahr

Internet-Player wie Google, Paypal oder die jungen Vergleichsportale stellen laut der Diskussionsrunde eine große Gefahr für das angestammte Geschäft der Versicherungsbranche dar. „Versicherer kennen ihre Kunden nicht, Google hingegen weiß alles über sie. So könnte der Suchgigant schon bald die User direkt adressieren, das Kerngeschäft die Versicherer und Banken wäre massiv bedroht“, warnte Zilch. Wie sich die eher konservative Finanz- und Versicherungsbranche auf zukünftige Szenarien besser einstellen und agiler werden kann, schilderte Johannes Plenio von der Munich RE: Im Rahmen einer Big-Data-Initiative bildete sich dort ein Innovationsteam, das aus 200 Ideen fünf ausgewählte und binnen eines halben Jahres umsetzte. Eine davon war ein „Early Loss Detection System“, das selbsttätig das Internet nach weltweiten Schadensfällen durchforstet. Der Rückversicherer sammelt nun automatisiert, schnell und flächendeckend Schadensinformationen aus externen Quellen. Auf dieser Basis kann die Munich RE ihren Kunden auch diverse zusätzliche Informationsdienste anbieten.

IoT und Industrie 4.0 im Kommen

Die Teilnehmer des Roundtables waren sich am Ende einig, dass das Internet der Dinge und Industrie 4.0 zunehmend die Geschäftswelt beeinflussen werden. Dabei finde man einerseits Vertreter traditioneller Branchen, die sich mittels Vernetzung und Datenanalyse neu erfunden haben. Gleichzeitig würden sich für manche Sparten bedrohliche Szenarien abzeichnen, wenn zu zögerlich agiert oder die Themen verdrängt werden. Vieles spreche für einen fundamentalen und teilweise schmerzhaften Wandel, der möglicherweise in eine dramatische Marktbereinigung mündet. Die Menge an Informationen, die auch außerhalb der Unternehmen zur Verfügung steht, führe immer schneller zu neuen Ordnungen.

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