ChallengeUp Intel präsentiert die Gewinner des Start-up-Wettbewerbs

Autor / Redakteur: Robert di Marcoberardino / Nico Litzel

Zwölf Startups haben es ins Finale der ChallengeUp geschafft. In Intels Ignition Lab konnten sich sechs davon einem interessierten Fachpublikum präsentieren.

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Der SmartHub von Oort dient als Schnittstelle zwischen Geräten, Internet und Apps (Android und iOS).
Der SmartHub von Oort dient als Schnittstelle zwischen Geräten, Internet und Apps (Android und iOS).
(Bild: Oort)

Die ChallengeUp wird von Intel zusammen mit Cisco und der Deutschen Telekom ausgerichtet. Bis 25. Mai konnten sich interessierte Start-ups aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) bewerben. Der Fokus lag auf Internet-of-Things- und anderen Smart-Lösungen (Smart Home, Smart City, Smart Energy, Connected Cars, Wearables, Industrie 4.0) sowie Informationssicherheit, Big Data, Konnektivität und Cloud-Computing.

Mit den Unternehmen waylay.io (Automation), n-join (Industrie 4.0), admetsys (Medizin), Taggalo (IoT), DeviceHub (IoT), Senic (Smart Home), Comfy (Smart Home), Hi-Park (App), Ifinity (IoT), Oort (Smart Home), Sems Eye (IoT), Pro Glove (Industrie 4.0) konnten 12 Start-ups überzeugen und ins Finale einziehen. Die folgenden sechs Bewerber präsentierten ihr Produkt direkt im Ignition Lab:

Comfylight — intelligenter Einbruchschutz mit Minimalaufwand

Viele gängige Smart-Home-Systeme für den Einbruchschutz sind relativ kostspielig und aufwändig in der Installation. Das Schweizer Start-up Comfy will genau hier ansetzen: Das vorgestellte Comfylight besteht aus einer handelsüblich aussehenden LED-Birne, die einfach in jede E27-Fassung geschraubt wird — die intelligente Steuertechnik verbirgt sich unauffällig im Gehäuse.

Trotz des simplen Prinzips übernimmt das Licht mehrere Funktionen: Zum einen ermittelt es per Bewegungs- und Schaltsensor ein Profil der Hausbewohner und soll so bei Abwesenheit natürliche Licht-Schaltvorgänge simulieren. Laut Hersteller bietet das einen Vorteil gegenüber anderen Einbruchssicherungen mit starren Licht-Schaltzeiten.

Der Bewegungssensor ermittelt außerdem Bewegungen im Raum und informiert den Hausbesitzer über die zugehörige Smartphone-App. Bei einem Einbruch schaltet sich die Lampe zudem in einen Blink-Betrieb um Eindringlinge abzuschrecken.

Laut dem Comfy-CEO Marcus Koehler, der durch die Präsentation führte, liegt der Reiz von Comfylight einmal in der einfachen Installation, vor der viele Interessenten bei aufwändigeren Systemen nach wie vor zurückschrecken. Auf der anderen Seite verzichtet das System auf eine Überwachungs-Kamera im Haus — für viele potentielle Kunden ebenfalls ein rotes Tuch.

Gegenüber fest installierten Systemen hat Comfylight aber den Nachteil, dass Eindringlinge den Einbruchschutz recht einfach entfernen können, wenn er sich etwa durch den Blinkalarm verrät. Allerdings können auch mehrere Lampen zu einem System verbunden werden.

Die LED-Birne kann auch als natürliche Leuchtquelle genutzt werden (10 Watt), die Lebensdauer ist aber begrenzt (> 10.000 Stunden) — einen Preis nennt das Start-up noch nicht, allerdings soll im Herbst eine Kickstarter-Kampagne starten. Die Comfy-App wird für Android (ab Version 4.0) und iOS verfügbar sein.

Nuimo — lässt das Design sprechen

Bei der Entwicklung des Nuimo, einem Universal-Controller fürs Smart-Home, standen das Design und die Ergonomie im Vordergrund. Das kreisrunde Gerät, das in Form und Größe an einen Eiskockey-Puck erinnert, kann mit verschiedenen Smart-Home-Lösungen gekoppelt werden.
Bei der Entwicklung des Nuimo, einem Universal-Controller fürs Smart-Home, standen das Design und die Ergonomie im Vordergrund. Das kreisrunde Gerät, das in Form und Größe an einen Eiskockey-Puck erinnert, kann mit verschiedenen Smart-Home-Lösungen gekoppelt werden.
(Bild: Senic)

Beim Berliner Start-up Senic dreht sich alles um Design. Laut Mitgründer Tobias Eichenwald mangelt es vielen IoT-Lösungen, die oft rein durch technische Aspekte erdacht werden, an Bedienfreundlichkeit. Bei der Entwicklung des Nuimo, einem Universal-Controller fürs Smart-Home, standen deshalb das Design und die Ergonomie im Vordergrund.

Das kreisrunde Gerät, das in Form und Größe an einen Eiskockey-Puck erinnert, kann mit verschiedenen Smart-Home-Lösungen gekoppelt werden. Momentan werden etwa Sonos-Lautsprecher, Belkin-WeMo-Produkte oder Philips-Hue-Lampen unterstützt.

Da die Verbindung auf Bluetooth setzt, sollen zukünftig viele weitere Produkt-Linien bedienbar werden. Senic gibt die typische Akku-Nutzungsdauer mit rund vier Monaten an.

Die Flexibilität erhält der Nuimo durch die verschiedenen Bedienmöglichkeiten: So bietet das Gerät etwa eine mechanische Button-Funktion, einen drehbaren Bedienring und ein Touchpad für Streichbewegungen. Dank integrierter Sensoren sind auch berührungslose Gesten möglich.

Der Nuimo lässt sich bereits für 159 US-Dollar (ca. 140 Euro) vorbestellen.

Senic arbeitet daneben auch mit Möbeldesignern an gemeinsamen Lösungen von Bedienelementen, die direkt in Möbel integriert werden sollen. So wären Bedienelemente in Tischoberflächen oder Armlehnen denkbar. Ziel ist ein möglichst natürliches und unauffälliges Design.

Hi-Park – Parkplatzsuche in Echtzeit

Das israelische Startup Hi-Park vereinfacht die Parkplatzsuche.
Das israelische Startup Hi-Park vereinfacht die Parkplatzsuche.
(Bild: Hi-Park)

Das aus Tel Aviv stammende Unternehmen Hi-Park überzeugte in der Präsentation mit einer großen Vision: Die gleichnamige App — die sich noch in Entwicklung befindet — soll zukünftig nichts andere als eine Echtzeit-Parkplatzsuche mit automatischer Navigation zum Zielort liefern.

Dazu filmt die App per Smartphone-Kamera im Auto ständig den Straßenverlauf und erkennt freie Parkplätze, deren Position dann sofort an den Server weitergereicht werden. Andere Nutzer erhalten die Informationen zu den vakanten Stellplätze auf ihre Hi-Park-App.

Damit dieses System global funktioniert, benötigt es allerdings einer großen Masse an Usern, die bereit sind, das Smartphone während der Fahrt filmen zu lassen. Um diese kritische Masse schneller zu erreichen, kooperiert Hi-Park in Ballungszentren mit Taxi-Unternehmern, die das Smartphone samt App während ihre Fahrten auf dem Armaturenbrett positionieren.

Neben der Vermarktung der App verspricht sich Hi-Park auf lange Sicht auch noch andere Erlösmöglichkeiten. So könnte die App etwa auch Straßenschäden erkennen und diese Infos automatisch an die zuständigen Ämter weiterleiten.

In der Präsentation wurde nicht ganz klar, ob die App tatsächlich Bilder oder Videofragmente überträgt oder lediglich per Algorithmus nach Parklücken sucht. Würden tatsächlich Bilder übertragen, wäre das wohl nicht im Einklang mit deutschem Recht.

Hierzulande ist die ständige Nutzung sogenannter Dashboard-Kameras etwa verboten, weil das unerlaubte Filmen öffentlicher Flächen stark eingeschränkt ist. Auch unbeabsichtigt gefilmte Passanten haben in Deutschland das Recht an ihrem eigenen Bild.

Oort — erweiterbares Smart Home

Der SmartHub von Oort dient als Schnittstelle zwischen Geräten, Internet und Apps (Android und iOS).
Der SmartHub von Oort dient als Schnittstelle zwischen Geräten, Internet und Apps (Android und iOS).
(Bild: Oort)

Das Internet der Dinge besteht aus einer Vielzahl verschiedener Funktechniken und nirgends ist der Standard-Dschungel dabei größer als bei Smart-Home-Systemen. Das Fehlen eines universellen Standards stellt Industrie und Kunden vor große Probleme.

Auch die polnische Smart-Home-Company Oort kann das zwar nicht ändern, setzt bei seinen Produkten mit Bluetooth Smart aber auf einen verfügbaren und leicht erweiterbaren Standard.

Wie CEO Radek Tadajewski erklärt, produziert Oort nicht nur eigene Smart-Home-Systeme, sondern steht als Dienstleister und Entwickler auch anderen Unternehmen offen.

Momentan bietet Oort den SmartHub, der als Schnittstelle zwischen Geräten, Internet und App (Android und iOS) fungiert, sowie weitere Produkte wie eine farbig regelbare SmartLED, eine schaltbare Steckdose und Finder-Beacons. Mit letzterem lassen sich etwa Schlüssel oder Haustiere orten.

Besonders interessant ist das verfügbare Prototyping Kit, das aus einem SmartHub und vier Bluetooth-Controllern besteht. Damit lassen sich Smart-Home-Eigenschaften in bestehende Geräte nachrüsten.

Die Beacons können etwa An-Aus-Zustände erkennen und managen, bieten eine Spannungsmessung und verfügen über einen Temperatursensor. Die Steuerung erfolgt über die zugehörige App.

n-join – Industrie 4.0 zum Nachrüsten

Das israelische Start-up n-join spezialisiert sich auf die unterbrechungsfreie Nachrüstung von smarten Industrie-4.0-Lösungen in bestehende Betriebe. CEO Haim Piratinskiy erläutert zu Beginn der Präsentation, warum das Internet der Dinge und Industrie-4.0-Lösungen häufig auf wenig Gegenliebe stoßen.

Die meisten Betriebe, die einen reibungslosen Produktionsablauf besitzen, bestehen demnach schon seit vielen Jahren und scheuen einen Umbau nach dem Motto „Never touch a running system“. Sie wissen zwar, dass das Potenzial beim Einsatz smarter Technik hoch sein kann, fürchten aber Komplikationen bei der Umrüstung.

Hier setzt n-join an, die ihre Data-Mining-Technik per Sensoren an Produktionsanlagen und Schaltschränken nachrüsten und dabei ein Plug-And-Play-Verfahren versprechen. N-join bietet dabei nicht nur die Technik, sondern kümmert sich später auch um die Aufbereitung der gewonnenen Daten.

Das Nutzer-Interface im Betrieb stellt die n-join-Software entweder auf PCs, Tablets oder Smartphones zur Verfügung. Das Kundenfeld von n-join umfasst momentan etwa Coca Cola oder das Green-Power-Programm des italienischen Stromversorgers ENEL.

n-join verspricht dabei Einsparungen beim Stromverbrauch, den Betriebsausgaben und bei Produktionszeiten.

Pro-Glove – smarter Industrie-Handschuh

Der intelligente Handschuh ProGlove soll Fabrikarbeitern helfen schneller, effizienter und fehlerfreier zu arbeiten.
Der intelligente Handschuh ProGlove soll Fabrikarbeitern helfen schneller, effizienter und fehlerfreier zu arbeiten.
(Bild: ProGlove)

Auch das in München ansässige Unternehmen Pro-Glove präsentierte eine Lösung aus dem Bereich Industrie 4.0. Der intelligente Handschuh soll Fabrikarbeitern helfen schneller, effizienter und fehlerfreier zu arbeiten.

So ist der Handschuh mit einem RFID-Sensor ausgestattet, der etwa das automatische Scannnen von Bauteilen erlaubt. Außerdem besitzt der Pro-Glove einen Temperatur- und Bewegungssensor sowie eine optische Feedback-Anzeige, die den Träger etwa über erfolgreich ausgeführte Tätigkeiten informiert.

An einem Beispiel wurde gezeigt, wie der Handschuh den Träger darüber informiert, wenn er bei einer Arbeitsschritt-Abfolge einen Handgriff auslässt oder in falscher Reihenfolge vorgeht. Alle gemessenen Daten des Handschuh werden zentral gespeichert und erlauben eine spätere Auswertung.

Momentan wird der Pro-Glove in verschiedenen Test-Szenerien, etwa bei BMW, weiter entwickelt.

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