Hannover-Messe Industrie 4.0 auf der Pole Position

Autor / Redakteur: Reinhold Schäfer / Nico Litzel

Mehr als je zuvor wird es in diesem Jahr auf der Hannover-Messe um revolutionäre Produkte der Industrie-4.0-Welt gehen – Produkte, die Ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen. Einige Beispiele aus der Leitmesse Industrial Automation zeigt dieser Beitrag.

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Die Innovationskraft deutscher Unternehmen wird auf der Hannover-Messe durch die Verelihung des Hermes-Awards belohnt. Für die Besucher ist aber viel wichtiger, dass auf der Messe die Proukte ausgestellt werden , die sie benötigen, um ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.
Die Innovationskraft deutscher Unternehmen wird auf der Hannover-Messe durch die Verelihung des Hermes-Awards belohnt. Für die Besucher ist aber viel wichtiger, dass auf der Messe die Proukte ausgestellt werden , die sie benötigen, um ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.
(Bild:Deutsche Messe/Juergen Schmidt-Lohmann)

Ist mein Unternehmen fit für die vierte industrielle Revolution? – Das ist die Kernfrage, die sich Geschäftsführer und Fabrikleiter der Industrie aktuell stellen“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG. Und die Frage des Messeverantwortlichen sollte in der Industrie ernst genommen werden, denn die industrielle Massenproduktion und die Energiesysteme der Zukunft werden sich dramatisch verändern. Der Trend geht zu individualisierter Massenproduktion.

In den Fabriken geht es zukünftig immer weniger darum, identische Produkte tausendfach herzustellen. Die Kunden von morgen wollen individuell auf sie zugeschnittene Ware. Jedoch zu den niedrigen Kosten, die sonst für Massenware fällig wären.

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Energie: Intelligente Netze sind gefragt

Auch bei der Versorgung mit Energie sind zukünftig intelligente Netze gefragt. Es gilt in Zukunft Strom, Gas und Wärme aus den verschiedenen Energiequellen so aufeinander abzustimmen, dass die vorhandenen Kapazitäten optimal genutzt werden. Die Antwort auf diese Herausforderungen ist die digitale Vernetzung in der Industrie.

In den USA sieht man dies aus Sicht der Informationstechnik und bezeichnet es mit Internet der Dinge. In Deutschland hat man 2011 begonnen, den Begriff Industrie 4.0 einzuführen. So soll unsere vom Maschinenbau geprägte Industrie, die im Vergleich zu den USA ja noch vorhanden ist, aufgerüttelt und daran erinnert werden, dass die Fabriken durchgängig digital abzubilden sind, um den Datenfluss zu beschleunigen und das Time-to-market zu verbessern.

Ein weiterer Vorteil: Wenn Maschinen und Bauteile untereinander kommunizieren, können sich ganze Produktionsstraßen eigenständig und dynamisch umbauen. So werden auch kleinste Losgrößen bezahlbar. „Die Industrie steht am Anfang einer Revolution, genannt Industrie 4.0. Das Thema ist in den vergangenen zwei Jahren kometenhaft in das Zentrum der Diskussionen geschossen. Der Informationsbedarf ist enorm. Die Mehrheit der Unternehmen weiß noch nicht, wie sie sich auf Industrie 4.0 einstellen soll“, sagt der Hannoveraner Messechef. Dabei hänge die eigene Wettbewerbskraft künftig von der Fähigkeit ab, sich mit allen am Produktionsprozess beteiligten Akteuren eng zu vernetzen. Das Leitthema der Hannover-Messe 2015 „Integrated Industry – Join the Network!“ zeige die Richtung, in die es gehe, so Köckler

Machine-to-Machine-Kommunikation

Die wesentlichen Herausforderungen von Industrie 4.0 – wie etwa allgemeine Standards für die Machine-to-Machine-Kommunikation, die Frage der Datensicherheit oder die Suche nach dem Geschäftsmodell der Zukunft – seien nur im Netzwerk zu bewältigen. Dafür müssten sich der Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie die IT austauschen und kooperieren. Welches enorme Potenzial dies biete und wozu die Branchen dadurch fähig würden, könnten die Besucher in Hannover erleben.

Digital vernetzte Fertigungsanlagen, Techniken für intelligente Energienetze, neue Produktionsverfahren, wie etwa der 3D-Druck, und spezifische Industrieroboter werden zu sehen sein: Roboter mit ausgefeilter Sensorik, die ohne Schutzzaun und Sicherheitsabstand direkt mit dem Menschen zusammenarbeiten. IT-gestützte Automationslösungen, die sämtliche Abläufe einer Fabrik verändern werden. Technik für sogenannte Smart Grids, die Strom-, Gas- und Wärmenetze so aufeinander abstimmen, dass die vorhandenen Kapazitäten optimal genutzt werden. Additive Fertigungs- beziehungsweise 3D-Druck-Verfahren, mit denen auf der Messe individualisierte Produkte live hergestellt werden. Diese zentralen Themen werden auch Schwerpunkte der mehr als 1000 Foren und Besucherführungen sein, die während der Messe in Hannover angeboten werden.

„Die Revolution beginnt in Hannover. Alle beteiligten Branchen von der Industrieautomation über die Energie und Zulieferung bis hin zur Antriebstechnik sowie Forschung und Entwicklung stellen in Hannover aus“, ergänzt Köckler. Das sei weltweit einzigartig. Nur auf der Hannover-Messe bekomme der Besucher einen so tiefen Einblick in die Zukunft der vernetzten Fabriken und Energiesysteme – von der einzelnen Industrie-4.0-fähigen Komponente bis hin zur Gesamtlösung für seinen Automationsbedarf.

Deutsche Industrie will 4.0-Pole Position

Auf der Hannover-Messe wird die deutsche Bundesregierung gemeinsam mit den Industrieverbänden VDMA, ZVEI und Bitkom ihre Strategie zur vernetzten Produktion vorstellen. Köckler: „In den vergangenen zwei Jahren haben die Unternehmen aus Deutschland die Industrie-4.0-Forschung im hohen Tempo vorangetrieben. Jetzt geht es in die konkrete Umsetzung.“ Am Messedienstag werde deshalb Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die rund 250 geladenen Gäste aus Deutschland, Europa, den USA und Asien über die Pläne der deutschen Industrie informieren und zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einladen. „Aus Industrie 4.0 ist eine nationale Bewegung entstanden. Die deutschen Unternehmen rücken näher zusammen und werden sich auf der weltweit wichtigsten Industriemesse als globale Anbieter von Technologien für die Fabriken der Zukunft positionieren“, sagt Köckler.

Und viele Unternehmen bieten dazu bereits Lösungen an. Zum Beispiel zeigt Bosch Rexroth auf seinem Stand C19 in Halle 23 auf der Hannover-Messe vernetzbare Lösungen für hydraulische Systeme und Schweißsteuerungen. Darüber hinaus stellt der Automatisierungsspezialist skalierbare Online-Dienstleistungspakete für die vorausschauende Wartung von Anlagen vor. Mit der neuen Aggregate-Baureihe ABPAC treibt Rexroth zum Beispiel die Industrie-4.0-Fähigkeit der Hydraulik massiv voran: Hydraulikaggregate können aus Standardkomponenten online konfiguriert werden und mit der Kombination von dezentraler Intelligenz und integrierter Sensorik den Hydraulikkreislauf kontinuierlich überwachen, so der Hersteller.

Industrie-4.0-Forum

Im Industrie-4.0-Forum von Beckhoff wird am Stand F06 in Halle 9 gezeigt, dass bereits heute alle wesentlichen Techniken für Industrie 4.0 vorhanden sind. Beckhoff präsentiert den Stand der Technik in einer Live-Demonstration mit zahlreichen Neuerungen. Die komplette Anlage wird mit einem leistungsfähigen Many-Core-Rechner C6670 gesteuert, heißt es weiter. Neben der reinen Steuerungsfunktionalität werden das lineare Transportsystem XTS (Extended Transport System) und der Roboter direkt angesteuert. Integriert sind weiterhin Messtechnikfunktionen und Condition Monitoring.

Produktionstechnik im Wandel

Viele kleine und mittlere Unternehmen fragen sich, wie sie mit dem Wandel in der Produktionstechnik Schritt halten können. Der Spitzencluster it‘s OWL – Intelligente Technische Systeme Ost-Westfalen-Lippe – will dabei konkrete Hilfestellungen bieten: Mit einer einzigartigen Technologieplattform für die intelligente Produktion. Über 30 KMU aus Ost-Westfalen-Lippe haben davon bereits profitiert. Gemeinsam mit 35 weiteren Unternehmen und Forschungseinrichtungen präsentieren zum Beispiel Topocare, Maschinenhersteller für den Deichbau, und Krause Dimatec, Lösungsanbieter für additive Fertigungstechniken, ihre Lösungen für intelligente Produkte und Produktionsverfahren auf dem OWL-Gemeinschaftsstand A04 in Halle 16 der Hannover-Messe.

Der Stuttgarter Kabelhersteller U. I. Lapp präsentiert in Halle 11 am Stand C03 für eine Vielzahl von industriellen Anwendungen neue Lösungen. Entsprechend dem Messethema „Innovationen für vernetzte Technologie“ stellt der führende Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnik seine Neuheiten für Industrie 4.0 vor. Sogar für Temperaturen bis –30 °C ist die neue kälteflexible Steuerleitung Ölflex Classic 110 LT ausgelegt. Sie eigne sich für die Verbindungstechnik in Kühlhäusern, Gefriergutanlagen oder anderen technischen Anlagen, wo sehr niedrige Temperaturen vorherrschen können, wie zum Beispiel auch in Windkraftanlagen.

Die weltweit wichtigste Industriemesse wird vom 13. bis 17. April 2015 in Hannover ausgerichtet. Indien ist 2015 das Partnerland der Hannover-Messe.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unserem Schwesterportal Maschinenmarkt. Verantwortlicher Redakteur: Reinhold Schäfer

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