Big Data ohne Data Scientists IBMs Project Neo: Datenanalyse für Fragesteller

Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Florian Karlstetter

Noch hat „Project Neo“ die Big-Blue-Labore nicht verlassen. Auf der IoD in Las Vegas zeigte der Konzern aber, wie man sich bei IBM Big-Data-Analytics der Zukunft vorstellt: Semantische Analysen der gestellten Frage sollen schnell zum Ergebnis führen. Das klingt nach Science-Fiction. Der Praxistest kommt im Jahr 2014.

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Project Neo: Bei Big Data geht IBM neue Wege.
Project Neo: Bei Big Data geht IBM neue Wege.
( © carlos castilla - Fotolia.com)

Star-Trek-Fans kennen die Szene aus Star Trek IV – „Zurück in die Gegenwart“. In einer Szene soll Bordingenieur Scotty nach einer Zeitreise ins vergangene 1986 einen PC bedienen. Er spricht erfolglos in eine Computer-Maus.

Aus heutiger Sicht sind schon einige technische Hürden aus dem Weg geräumt, die die Figur Scotty aus seiner fiktiven Zukunft her kennt: Insbesondere bei Auto-Navis wird verstärkt auf Sprachinteraktion gesetzt. Eine hohe Hürde sind hierbei die komplizierten semantischen Zusammenhänge bei menschlicher Sprache.

Sprechen mit Watson

IBM leistete hier mit „Watson“, dem Nachfolger des Schachweltmeisterbesiegers „Deep-Blue“, Pionierarbeit. Mit Zugriff auf eine rund 100 Gigabyte große Offline-Datenbank mit Texten in Form von Millionen von Dokumenten konnte Watson öffentlichkeitswirksam gegen ehemalige Jeopardy-Champions in diesem Spiel gewinnen. Von echtem „Denken“ sprach man bei IBM damals, weil hier eine semantische Dimension bei der Aufgabenbewältigung hinzukam. Immerhin gilt es bei Jeopardy, zu einer gegebenen Antwort eine sinnvolle Frage zu formulieren. Das Gerät faszinierte die Zuschauer. Beispielsweise als es einen Betrag von genau 6.435 US-Dollar setzte. Das Publikum lachte wegen der Exaktheit des Einsatzes.

Noch in den IBM Labs

Auf einer Nachbesprechung zur IBM-Veranstaltung in Las Vegas, dem „Information On Demand & Business Analytics Forum 2013“, kurz „IoD“, zog kein Big-Blue-Mitarbeiter derlei Parallelen. Deutlich wurde dennoch, dass neue Nutzerinteraktionsformen mit Anwendungen auch in der Datenanalyse aus dem Hause IBM eine große Rolle spielen werden.

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Project Neo

„Project Neo“ ist eine Tool-Sammlung, welche sich noch im Lab-Stadium befindet und voraussichtlich Anfang 2014 in die Beta-Testphase kommt. Damit will das Unternehmen neue Akzente im Segment „Data Discovery“ setzen. Die Marktforscher von Gartner haben dieses Wording für Werkzeuge eingeführt, mit denen für Analysezwecke einfach auf Daten zugegriffen werden kann, um darin Muster und Antworten zu entdecken. Keine starre Herangehensweise, sondern der Entdeckungs-Charakter steht hierbei im Vordergrund.

Keine IT-Kenntnisse nötig?

Einen der auf dem Arbeitsmarkt raren Data Scientists oder Statistiker brauche man bei dieser Herangehensweise für Analysen nicht mehr, wenn das System einmal laufe, hieß es auf der Vorstellung. Mit den neuen Data-Discovery- und Visualisierungs-Anwendungen würden Anwender „ohne spezifische IT-Kenntnisse in eigener Regie und in Minutenschnelle Rohdaten unterschiedlichster Herkunft auswerten, analysieren und versteckte Muster erkennen können. „Just ask a question!“, lautet die Devise.

Einfach fragen

Project Neo mache es möglich, eine Frage in natürlicher Sprache zu stellen. Nachdem die Rohdaten in die Software überführt wurden, liefere sie die passenden Antworten und Analysen, visuell aufbereitet. Die Datenmodellierung, die zur Antwort führt, erfolge hochgradig automatisiert. Ob künftige Anwender diese vollmundige Ankündigung so bestätigen werden, wird die Zukunft zeigen.

Beispiele

Eine mögliche Frage an das System könnte lauten, welche Einflussfaktoren sich positiv auf den Erfolg einer Marketing-Mailing-Aktion auswirken. Das System spuckt dann beispielsweise anhand von Korrelationsanalysen aus, dass hauptsächlich die Anzahl der verschickten Mailings, die Übereinstimmung zwischen der definierten Zielgruppen-Altersklasse und dem Alter des Empfängers ausschlaggebend sind, sowie weitere, unwichtigere Faktoren, die man sich jeweils aufschlüsseln lassen kann.

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Big Data für Fragesteller

Ähnliche Fragestellungen wären beispielsweise:

  • „Was treibt die Kundenzufriedenheit voran?“
  • „Was treibt die Verkaufszahlen voran?“
  • „Was treibt die Ausfallwahrscheinlichkeit des Bauteils X voran?“

Die Technologie dahinter, die automatisiert so genannte „Key-Driver“ identifiziert, sei ähnlich wie beim Produkt der IBM-Tochter SPSS namens Analytic Catalyst. Allerdings würde bei Project Neo die semantische Analyse-Komponente eine größere Rolle spielen.

Analytics wird Standard

Ist Big Data ein IT-Buzzword? Nach Einschätzung von IBM werden Analytics-Technologien in bereits fünf Jahren in den meisten Unternehmen zur Standard-Ausstattung der IT gehören. Das gelte nicht nur für große, sondern auch für mittelständische Betriebe. Drei Gründe nennt Big Blue, die dafür ausschlaggebend seien:

  • Erstens werden immer mehr Daten produziert, die mit den neuen Analytics-Werkzeugen schnell ausgewertet werden können.
  • Zweitens wird die Technologie zunehmend preiswerter – der Return-on-Investment ist vielfach schon nach wenigen Monaten erreicht.
  • Drittens bietet das Analytics-Instrumentarium immer bessere Möglichkeiten, Geschäftsabläufe und Entscheidungsprozesse gezielt zu unterstützen.

Neben dem klassischen Einsatz im Finanzreporting würden laut IBM Analyse-Instrumente im Marketing, in der Produktions-Steuerung oder bei der Entwicklung von Produkten eine immer größere Rolle spielen. Besonders im produzierenden Gewerbe im Allgemeinen, der Automobilindustrie im Besonderen und dem Marktsegment Handel rechnet der IBM-Konzern mit großem Marktpotenzial. □

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