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Deutsche Hybrid-Cloud Hyperscale-Multi-Cloud-Broker hilft Helpium

Autor / Redakteur: Ulrike Ostler / Rainer Graefen

Das Darmstädter Rechenzentrum, kurz DARZ, Netapp und Helpium sind die Partner, die für Kunden ein Compute-Sourcing in multiple Hyperscale-Clouds ermöglichen. Die eigene IT mit privater Cloud und den Dimensionen von AWS, Azure und Softlayer verheiraten, das soll nun möglich sein. Helpium ist der erste Kunde.

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Hier soll die erste richtige Hybrid Cloud wohnen - im DARZ.
Hier soll die erste richtige Hybrid Cloud wohnen - im DARZ.
(Bild: DARZ)

Nein, eigentlich ist Helpium kein Netapp-Kunde. Das Startup, das im November 2014 online ging, ist ein Cloud-Native und will keine IT im Haus. Und eigentlich ist die Storage-Infrastruktur egal. Das Unternehmen vermittelt Privat-Kunden und kleinen Unternehmen, die ohne IT-Service-Verträge auskommen wollen, Support für ihre Alltagsprobleme.

Helpium ist der erste Kunde des Hybrid-Cloud-Angebots vom DARZ via "Netapp Private Storage as a Service".
Helpium ist der erste Kunde des Hybrid-Cloud-Angebots vom DARZ via "Netapp Private Storage as a Service".
(Bild: DARZ)

Dafür vermittelt Helpium unabhängige Experten, die sich auf der von dem Unternehmen entwickelten Internet-Plattform registrieren, mit Hilfesuchenden. Falls ein Problem den Zugriff auf den Computer des Anwenders erfordert, lassen sich die Computer des Experten und des Hilfesuchenden mithilfe einer eigens von Helpium entwickelten Software verbinden.

Klar, dass sobald sich die Spezialisten über die Plattform auf die Computer ihrer Kunden einloggen, hochsensible Kundendaten übertragen und gespeichert werden. Helpium zeichnet etwa die Sreenshots auf, um nachvollziehen zu können, dass tatsächlich Hilfe geleistet und kein Unfug betrieben wurde. Für die Vermittlung kassiert das Unternehmen 20 Prozent der erfolgten Dienstleistung.

Die Anforderungen des Kunden an eine hybride Infrastruktur

Ein Public-Cloud-Angebot kommt für Holger Kärcher, den Gründer und Geschäftsführer von Helpium, nicht in Frage. Er braucht den Schutz und die Sicherheit einer Private Cloud, beziehungsweise das Hosting seiner Server auf dedizierten Kapazitäten in einem deutschen Rechenzentrum. Denn selbst wenn etwa US-Unternehmen hierzulande eigene Rechenzentrumsinfrastrukturen aufbauten oder mieteten, unterlägen sie dem Patriot Act, der sie gegebenenfalls zur Weitergabe von Kundeninformationen an die US-Behörden verpflichte, macht Sebastian Zilch aufmerksam, Initiator von „Freunde der Cloud“ und zwischen 2012-2015 als Head of Business Development maßgeblich für die Konzeption und Entwicklung des Marktplatzes der Deutsche Börse Cloud Exchange zuständig.

Unterschiedliche Anforedrungen an eine Cloud: Wichtig für die Investoren ist etwa eine hoher Grad an Datenmobilität, für die Kunden zählen etwa SLAs und Enterprise Storage Features.
Unterschiedliche Anforedrungen an eine Cloud: Wichtig für die Investoren ist etwa eine hoher Grad an Datenmobilität, für die Kunden zählen etwa SLAs und Enterprise Storage Features.
(Bild: DARZ)

Das DARZ wiederum liefert Shared und Dedicated Hybrid-Cloud-Services und war unter anderem mit Netapp Teilnehmer des internationalen Early Adopter Programm dieses Marktplatzes, für das Zilch verantwortlich war. Er berät derzeit das DARZ bei der Konzeption und Umsetzung von Netapp Private Storage as a Service. Das „Feature-Set“ dieses Angebots, wie Helpium-Chef Kärcher es nennt, sei für ihn ausschlaggebend gewesen, um das DARZ als Geschäftspartner zu wählen.

Laut IDC wächst die Relevanz hybrider Clouds, allerdings gab es bisher noch nicht wirklich gute Möglichkeiten, multiple Clouds zu nutzen, sagen Netapp, DARZ und Helpium.
Laut IDC wächst die Relevanz hybrider Clouds, allerdings gab es bisher noch nicht wirklich gute Möglichkeiten, multiple Clouds zu nutzen, sagen Netapp, DARZ und Helpium.
(Bild: DARZ/IDC)

Netapp Private Storage as a Service erlaubt Kunden eine hybride-Storage-Architektur und damit eine simultane Nutzung von sicherem (Private) Enterprise Storage und Public-Cloud-Ressourcen. Dank einheitlicher Schnittstellen können versierte Anwender das Netapp-Management-Tool nutzen, um übergreifend on- und off-premise ein Storage-Tiering zur betreiben, um beispielsweise verschiedene Sicherheitsstufen einzuziehen oder für bestimmte Bereiche All-Flash-Umgebungen zu nutzen. DARZ bietet seinen Kunden aber auch einen Vollservice an, der sie von der Einarbeitung ins Netapp-Tuning entbindet.

Das DARZ und Netapp

Zu den DARZ-Angeboten gehört somit ein Self Managed Service mit Netapp Private Storage as a Service: Das Unternehmen stellt dafür in seinem Rechenzentrum Racks für das unternehmenseigene Storage-System zur Verfügung. Außerdem kümmert sich der Datacenter-Betreiber um die Anbindung an alle Cloud-Provider, die der Kunde wünscht.

Lars Göbel, Leiter Vertrieb und IT-Services beim DARZ, befasst sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit IT-Services und Cloud. Der Wirtschaftsinformatiker begann seine berufliche Laufbahn bei einem IT-Dienstleister aus dem Bankenumfeld, bevor er als IT-Projekt-Manager & Consultant die erste VMware basierte Public-Cloud-Infrastruktur Deutschlands aufbaute, weiterentwickelte und vermarktete.
Lars Göbel, Leiter Vertrieb und IT-Services beim DARZ, befasst sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit IT-Services und Cloud. Der Wirtschaftsinformatiker begann seine berufliche Laufbahn bei einem IT-Dienstleister aus dem Bankenumfeld, bevor er als IT-Projekt-Manager & Consultant die erste VMware basierte Public-Cloud-Infrastruktur Deutschlands aufbaute, weiterentwickelte und vermarktete.
(Bild: DARZ)

Lars Göbel, Leiter Vertrieb und IT Services bei der DARZ GmbH, erläutert: „Bisher war es ein Qualitätskriterium für Co-Locator, wenn sie Carrier-neutral waren, also viele Anbindungen an verschiedene Kommunikations- beziehungsweise Internet-Provider bieten konnten. Wir bieten neutral den Zugang zu verschiedenen Cloud-Providern.“

Beim Self Managed Service übernehmen die Kunden selbst den Betrieb und die Verwaltung sämtlicher Ressourcen sowie der Storage-Systeme.

Daneben gibt es die Möglichkeit zum Managed Netapp Private Storage as a Service. Je nach Wunsch beziehen die Kunden von DARZ ein dediziertes oder shared Storage-System. Während der Dienstleister dabei die Anbindung an alle am Standort Frankfurt verfügbaren Hyperscaler übernimmt, kümmern sie sich um Konfiguration und Betrieb des Storage-Systems und den Bezug der Ressourcen bei den Hyperscalern.

Unendliche Skalierbarkeit

Die dritte Möglichkeit ist ein Full Service. Hierbei erhalten die Kunden den kompletten Service aus einer Hand. Auf Wunsch kümmern sich DARZ-Mitarbeiter um die Bereitstellung der benötigten Ressourcen von den Hyperscalern. Dies schließt auch den Abrechnungsprozess der Drittanbieter ein, so dass der Dienstleister als alleiniger Lieferant des Services agiert, als einziger Kontaktpunkt in allen Belangen der Hybrid-Cloud.

Abbildung 1: Der Aufbau von Hybrid-Cloud-Services
Abbildung 1: Der Aufbau von Hybrid-Cloud-Services
(Bild: Netapp)

Darüber hinaus lässt sich Netapp Private Storage as a Service auch in bestehende Co-Location- und Private- sowie Shared-Cloud-Lösungen integrieren. Zudem ist die Migration auf ein dediziertes oder Shared Netapp Storage-System möglich. Für Backup-Szenarien bietet DARZ beispielsweise die Unterbringung der Storage-Systeme in einem anderen Brandabschnitt oder Partnerrechenzentrum in Frankfurt an, etwa bei euNetworks, Global Switch und Equinix. Frankfurt ist etwa 30 Kilometer entfernt und DARZ besitzt eine eigene Glasfaserleitung zu dem dortigen Hochgeschwindigkeitsring.

Peter Wüst ist Director Cloud & Alliances CEMA bei Netapp für die Regionen Deutschland, Österreich, Schweiz, Osteuropa, Russland und die GUS sowie den Mittleren Osten und Afrika: „Aus unserer Sicht entwickelt sich die hybride Cloud zum führenden Ansatz für die IT-Leistungserbringung. Wer unternehmenskritische Daten außerhalb der Firmengrenzen nutzt, benötigt jedoch eine angepasste Strategie für das Daten-Management.“
Peter Wüst ist Director Cloud & Alliances CEMA bei Netapp für die Regionen Deutschland, Österreich, Schweiz, Osteuropa, Russland und die GUS sowie den Mittleren Osten und Afrika: „Aus unserer Sicht entwickelt sich die hybride Cloud zum führenden Ansatz für die IT-Leistungserbringung. Wer unternehmenskritische Daten außerhalb der Firmengrenzen nutzt, benötigt jedoch eine angepasste Strategie für das Daten-Management.“
(Bild: Netapp)

Doch zu einer „echten Hybrid Cloud“ wird das DARZ–Spektrum erst durch die Direct-Connect-Partnerschaften mit den so genannten Hyperscalern, wie AWS, Softlayer und VMware. So können Kunden beispielsweise für eine Datenverteilung über mehrere Standorte auf die Schnittstellen-Anbindung S3 as a Service zugreifen. Das gilt auch dann, wenn die Lösung global sein soll.

Die Public-Cloud-Geißel

DARZ-Vertriebsleiter Göbel erläutert: „Wie sprechen mit den Kunden darüber, welchen Hyperscaler sie bevorzugen. Denn tatsächlich unterscheiden sich die Angebote von AWS, Azure, Softlayer … stark voneinander. Die Vergleichbarkeit aber Restriktionen und die tatsächlichen Kosten sind für die Kunden oftmals völlig intransparent.“ Zudem seien in den Angeboten Computing-Power und Storage nicht voneinander getrennt, so dass nur komplette Pakete eingekauft werden könnten.

Anfang 2001 gründete Sebastian Zilch sein eigenes Start-up, erwarb 2004 in Frankfurt am Main den Abschluss zum Dipl. Informatik-Betriebswirt (VWA) und arbeitete anschließend unter anderem bei McKinsey & Company und Siemens Global Procurement Services.
Anfang 2001 gründete Sebastian Zilch sein eigenes Start-up, erwarb 2004 in Frankfurt am Main den Abschluss zum Dipl. Informatik-Betriebswirt (VWA) und arbeitete anschließend unter anderem bei McKinsey & Company und Siemens Global Procurement Services.
(Bild: Zilch)

Berater Zilch bezeichnet die Kunden von Hyperscalern gar als „gegeißelt“; wenn einmal die eigene IT und die Daten mit einem der Angebote verknüpft seien, bekämen die Kunden ihre Daten aus der jeweiligen Cloud einfach nicht mehr hinaus. Peter Wüst, Director Cloud & Alliances CEMA bei Netapp, erläutert das wie folgt: „Die Partnerschaft mit DARZ ist ein echter Gewinn für unsere Kunden. Diese beziehen nun alle Leistungen zum Aufbau und Betrieb einer hybriden Cloud-Infrastruktur aus einer Hand. Gleichzeitig behalten unsere Kunden weiterhin die volle Kontrolle über ihre Daten, können diese also beliebig zwischen den Cloud-Plattformen und ihrer On-Premise-Umgebung hin- und herschieben.“

Die Partner räumen jedoch auch ein, dass es noch zu den absoluten Ausnahmen gehört, die Hyperscale-Anbieter schneller als die Unterwäsche zu wechseln. Im Prinzip wäre das mit einem Angebotsmodell a la DARZ möglich; Kunden könnten etwa Tagespreise ausnutzen oder für einzelne Aufgaben andere Ressourcen dazu schalten. Zilch sagt: „ Heute gehört das noch nicht zum Tagesgeschäft eines IT-Einkäufers. Doch die Aufgaben und die Position der Einkäufer wird sich schon in den kommenden drei Jahren ändern.“

Schutz und Kontrolle trotz Flexibilität

Dem Anwender Helpium ist zu diesem Zeitpunkt wichtig, dass der Vertragspartner DARZ die Anforderungen an Sicherheit, Flexibilität und Skalierbarkeit erfüllt, die der Umgang mit sensiblen Daten erfordert, bestätigt Helium-Chef Kärcher, und das trotz eines Shared-Hybrid-Cloud-Modells, allerdings mit den Qualitätsklassen eines dedizierten Enterprise-Storage-Systems und skalierbarer Rechenleistung.

Bevor das Rechenzentrum einzog, stand das Gebäude zirka 6 Jahre leer.
Bevor das Rechenzentrum einzog, stand das Gebäude zirka 6 Jahre leer.
(Bild: DARZ)

Das DARZ wurde im August des vergangenen Jahres eröffnet, Baukosten rund 35 Millionen Euro. Das Rechenzentrum befindet sich im ehemaligen Tresorgebäude der Hessischen Landeszentralbank und kann damit vermutlich als das sicherstes Datacenter in Deutschland gelten – „mit Panzerglas, Auffahrschutzrampe und allem Pi-Pa-Po“, so Göbel. Das Rechenzentrum in Darmstadt hat die höchste Sicherheitsstufe, die derzeit nur vergleichbar ist mit Hochsicherheitsrechenzentren wie in der Schweiz.

Derzeit befinden sich 150 Racks auf 2.400 Quadratmetern IT-Fläche, die etwa 1.000 Server-Schränke fassen würde. „Bei einem Füllstand von 75 Prozent“, so DARZ-Vertriebsmann Göbel, „würden wir ein zweites Rechenzentrum bauen.“

Neben dem Angebot einer Hybrid-Storage-Architektur, das eine simultane Nutzung von Private Enterprise Storage und Public-Cloud-Ressourcen erlaubt, offeriert das DARZ auch Co-Location und bietet dem Marktplatz Deutsche Börse Cloud Exchange eine Heimat. Während hier die Public-Cloud-Infrastruktur aus einem Fujitsu-Paket aus Hardware („Eternus CD10000“) und Software besteht, das sich mithilfe der Open-Source-Software „Ceph“ zentral managen lässt , ist die Grundlage für das Hybrid-Modell Netapp Private Storage as a Service. Realisiert wurde das Projekt in gut fünf Monaten.

Cloud-Brokerage

Nutzen Kunden dieses DARZ-Angebot, wird der Dienstleister quasi zum Cloud-Broker. Die Kunden können anders als bislang gleichzeitig an verschiedene Anbieter angebunden sein. Denn bisherige Lösungen bestehen nur aus verschiedenen Private- und Public-Cloud-Angeboten, die einem die Nutzung der einen oder anderen Welt ermöglicht, aber nicht simultan. Darüber hinaus berücksichtigen aktuelle Markt-Angebote nicht den möglichen Co-Location-Anteil eines Unternehmens.

Offenbar zeugt die Umfrage gute Chancen für den Infrastruktur-Service „Netapp Private Storage as a Service“ beim DARZ ...
Offenbar zeugt die Umfrage gute Chancen für den Infrastruktur-Service „Netapp Private Storage as a Service“ beim DARZ ...
(Bild: DARZ)

Trotzdem sind die Services schnell, manchmal schneller als direkt beim Hyperscaler. „Unser Storage-System“, erläutert FARZ-Mann Göbel, antwortet unter 0,1 Millisekunden. Bei AWS direkt ist keine Antwort unter 0,2 Millisekunden möglich. Die Round-Trip-Zeit beläuft sich auf 0,4 Millisekunden. Die Abrechnung erfolgt nutzungs- und leistungsabhängig.

Trotz der Verknüpfung mit verschiedenen Public-Cloud-Anbietern befinden sich alle Daten in einem ausschließlich vom Kunden kontrollierten Bereich. Außerdem unterliegt das DARZ dem deutschen Datenschutz. Im Unterschied zu Anbietern mit Hauptsitz in den USA greift für das DARZ daher auch kein Patriot Act.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider