IPv6 fürs IoT und die Industrie 4.0

HPI berät über Fortschritte der IPv6-Umstellung in Deutschland

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Nico Litzel

Experten vom Hasso Plattner Institut beraten über Stand der IPv6-Einführung
Experten vom Hasso Plattner Institut beraten über Stand der IPv6-Einführung (Bild: HPI)

Der „Deutsche IPv6 Rat“ berät gemeinsam mit den Informatikwissenschaftlern am Hasso-Plattner-Institut (HPI) über die Fortschritte beim Übergang zu neuen Datenverkehrsregeln im Internet.

In Deutschland werden bereits knapp 20 Prozent des Datentransfers von Unternehmen über den neuen Internetstandard IPv6 abgewickelt, so HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel. Deutschland stehe damit nach Belgien (41 Prozent) und den USA (22 Prozent) an dritter Stelle in der Welt. Meinel wörtlich: „Für das Internet der Dinge und insbesondere die Vernetzung von Produktionsanlagen zur Industrie 4.0 ist einzig und allein der neue Standard eine vernünftige und effiziente Lösung.“

IPv6 und Internet der Dinge

IPv6 sei die einzige vernünftige und effiziente Lösung für künftige Anforderungen in der Heimvernetzung, der Telemedizin und generell im Internet der Dinge – etwa bei der Kommunikation mit und zwischen Autos sowie bei der Vernetzung von Produktionsanlagen zur Industrie 4.0 mit ihrem Adressbedarf für Sensornetzwerke.

IPv6 stellt 340 Sextillionen (2^128) IP-Adressen für Netzanschlüsse bereit, ein praktisch unerschöpfliches Potenzial. Der derzeit noch verwendete Internetprotokollstandard IPv4 (Version 5 kam nicht zum Einsatz) begrenzt diese Zahl auf 2^32 und damit rund vier Milliarden Adressen. Zudem stammt das rund 30 Jahre alte IPv4 noch aus der Pionierzeit des Internets und weist damit etliche Schwachstellen auf, etwa bei der Sicherheit.

Riesiger Bedarf

Das HPI will daher primär auf den riesigen Bedarf an Internet-Anschlussadressen für Sensor-Netzwerke aufmerksam machen, der nach dem bisherigen Stand mit IPv4 nicht zu decken ist. Zudem erfordere das Nebeneinander des Einsatzes von IPv4 und IPv6 einen erhöhten Installations- und Wartungsaufwand. Daher sei eine zügige, flächendeckende Umsetzung von IPv6 unbedingt nötig, so Meinel. Im Gegensatz zu asiatischen und ozeanischen Ländern, in denen aufgrund der Adressknappheit schon länger das neue Protokoll eingesetzt wird, hinkten westliche Länder noch hinterher.

Vorreiter

Der Potsdamer Informatikwissenschaftler hebt besonders den Beitrag der Telekommunikationsanbieter Kabel Deutschland, Kabel BW und Deutsche Telekom hervor. Diese nutzten schon heute für rund ein Viertel ihrer Dienste und Systeme IPv6. Bei SAP selbst liege die potenzielle Verwendungsquote bereits bei 57 Prozent; bei Merck sogar bei 98 Prozent, sagt Meinel.

„IPv6 als genutzten Standard zu etablieren, muss auch in den kommenden Jahren unser Ziel bleiben“, betonte Meinel. Und die Uhr tickt: Der Vorsitzende des IPv6-Expertengremiums verwies darauf, dass die für Nordamerika zuständige Vergabestelle für Internetadressen ARIN in der vergangenen Woche erstmals eine Anforderung von Adressen nach dem alten Protokoll IPv4 nicht mehr habe erfüllen können.

Der deutsche IPv6-Rat

Der von HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel ins Leben gerufene Deutsche IPv6 Rat ist der deutsche Landesverband des internationalen IPv6-Forums, dem mehr als 50 nationale Gremien angehören. Aufgabe des Deutschen IPv6 Rats ist es, Entscheidungsträger aus Industrie, Wirtschaft und Regierung zu mobilisieren, ausreichend IPv6-Expertise und Kapazitäten aufzubauen. Ziel ist zudem, sämtliche mit den verbesserten technischen Regeln für die Datenübermittlung im Internet der nächsten Generation befassten nationalen Akteure aus Industrie, Forschung, Politik und Verwaltung zusammenzubringen und die Einführung des neuen Internet-Protokolls voranzutreiben.

Das soll durch die Sensibilisierung von Endnutzern und der Industrie für ein ausgereiftes und sicheres Internet sowie durch Verbesserungen in Technik und Vermarktung erreicht werden. Dem Gremium gehören rund 30 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an.

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