Große Nachfrage nach B2B-IoT-Lösungen

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Nico Litzel

Next big Thing: Schon in drei Jahren wird das B2B-Geschäft mit IoT-Unternehmenslösungen rund 331 Mrd. Dollar erlösen.
Next big Thing: Schon in drei Jahren wird das B2B-Geschäft mit IoT-Unternehmenslösungen rund 331 Mrd. Dollar erlösen. (Bild: clipdealer)

Gute Nachrichten für deutsche IoT-Akteure: Sie gelten als besonders aktiv und technologisch führend im globalen Markt für B2B-Lösungen. Gefragt sind integrierte Plattformen, die das Netzwerk organisieren, Daten intelligent auswerten, vor Cybergefahren schützen und entwickelt werden können.

Das Internet der Dinge (IoT) boomt. In immer neuen Bereichen entstehen Applikationen, die Sensoren und Aktoren verknüpfen und neue Dienstleistungen ermöglichen. Dabei findet längst eine Spezialisierung statt, zum Beispiel für Anwendungen im Automobil-, Industrie-, Logistik-, Agrar-, Health- oder Smart-Home-Sektor.

In den kommenden drei Jahren wird der IoT-Gesamtmarkt weltweit auf ein Volumen von rund 470 Milliarden US-Dollar wachsen, prognostiziert die internationale Managementberatung Bain & Company. Besonders stark wird sich demnach das IoT-Geschäft im Unternehmensumfeld entwickeln. Dort erwartet Bain für 2020 Umsätze von 331 Milliarden US-Dollar. Der Bereich Industrie 4.0 – also Anwendungen im verarbeitenden Gewerbe – macht dabei allein 85 Milliarden US-Dollar aus.

Rennen um die Vorherrschaft ist eröffnet

Schon in naher Zukunft wird sich laut Bain entscheiden, welche der vielen IoT-Anbieter von der rasanten Entwicklung am meisten profitieren. Noch haben sich laut der aktuellen Bain-Studie „Choosing the Right Platform for the Industrial IoT“ die meisten der an IoT-Lösungen interessierten Unternehmen nicht für einen Partner entschieden. Der Befragung von rund 500 Industriekunden und 150 Technologielieferanten zufolge diskutieren mehr als 60 Prozent der Interessenten derzeit ihre Planungen in diesem Zukunftsfeld.

Doch das Zeitfenster für die Auswahl eines Anbieters ist eng: Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, werden 2020 bereits über 60 Prozent der Firmen mit ersten Implementierungen von IoT-Lösungen begonnen haben, rund 20 Prozent installieren dann die Systeme unternehmensweit. Spätestens 2025 sind demnach fast alle Investitionsentscheidungen gefallen.

Harter Wettbewerb im Wachstumsmarkt

Derzeit tobt ein intensiver Konkurrenzkampf um die Gunst der Firmenkunden. Nicht nur die großen US-amerikanischen Cloud- und Netzwerkanbieter Amazon, Microsoft oder IBM buhlen um sie, sondern auch Softwarekonzerne wie Oracle, der Mischkonzern GE oder der Automatisierungsspezialist Rockwell Automation. Die deutschen Industriekonzerne Siemens und Bosch, der Softwareriese SAP und Maschinenbauer wie Dürr, Trumpf und DMG Mori oder die französische Schneider Electric befinden sich ebenfalls im harten Wettbewerb um die Investitionsbudgets von Industrie, Logistik, Handel oder Gesundheitswesen. Hinzu kommen unzählige Start-ups, die mit innovativen Lösungen überzeugen wollen.

„Industrielle IoT-Anwendungen eröffnen Unternehmen große Chancen für integrierte Lösungen aus Software und Services“, erklärt Michael Schertler, Partner und Industrieexperte bei Bain. „Allerdings müssen sie die Anbieter sorgfältig prüfen, um in diesem extrem fragmentierten Markt den richtigen Technologiepartner für ihr strategisch wichtiges Investment zu finden.“ Die Qualität der Plattform spiele dabei eine entscheidende Rolle. Sie soll nicht nur Sensoren und Geräte vernetzen, sondern muss auch Cybersicherheit garantieren, Daten aggregieren und analysieren sowie externe und interne Weiterentwicklungen ermöglichen.

Deutsche Anbieter haben im globalen Wettbewerb sehr gute Chancen, hatte Bain bereits in einer früheren Studie „Finding Europe's Edge in the Internet of Things“ herausgearbeitet. Demnach treiben europäische Entscheider das IoT vehementer voran als ihre US-amerikanischen Kollegen. Zudem würden deutsche Unternehmen überdurchschnittlich in digitale Innovationen investieren. Allerdings warnt Bain Vorreiter auch davor, sich auf ihrem erlangten Vorsprung in dieser Zukunftstechnologie auszuruhen.

Sicherheitsaspekte haben eine zentrale Bedeutung

Noch müssen die Unternehmen etliche Hürden auf ihrem Weg ins Internet der Dinge nehmen. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Systeme und fürchten den Einbau der neuen Software in ihre bestehenden Technik-Ökosysteme. Tatsächlich sei der Sicherheitsaspekt für viele Investitionsentscheidungen von zentraler Bedeutung, zeigt die etwas ältere Befragung von Bain. Zudem bestätigt sich die Erfahrung, dass europäische Führungskräfte grundsätzlich mehr auf Sicherheit bedacht sind als US-amerikanische. Viele fragen sich zudem, ob ihnen das aufwendige und letztlich auch teure Projekt tatsächlich geschäftliche Vorteile bringt.

Angesichts dieser Bedenken haben gerade die großen IoT-Pioniere Probleme, ihre Kunden mit umfassenden Lösungen zufriedenzustellen. „Alle Anbieter kündigen umfassende IoT-Plattformen an, aber die Resonanz potenzieller Kunden fällt sehr unterschiedlich aus“, stellt Bain-Technologieexperte Dr. Hans Joachim Heider fest. Kleinere Nischenanbieter mit spezialisierten Anwendungen seien häufig erfolgreicher als große Konzerne, die Milliarden in ihre IoT-Lösungen investieren.

Dennoch haben gerade die Industriegiganten gute Chancen, im boomenden IoT-Markt Fuß zu fassen. Denn Unternehmen wie Siemens, Bosch oder GE genießen das Vertrauen ihrer Kunden. Daher gelte es nun für sie, sich mit passenden Partnern zusammenzuschließen, die ihnen Cloud-Dienste, Netzwerkservices oder Datenanalysesoftware zuliefern, erklärt Heider. Dabei sollten sie auch kleinere Anbieter oder Start-ups in Betracht ziehen. Zugleich müssten sie klare Prioritäten setzen und ihre Angebote aggressiv vermarkten.

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