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Fehlende Standards bremsen das Internet der Dinge – noch

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Gartners Hype-Zyklus: Der Begriff „Internet of Things“ ist derzeit auf dem Zenit seiner Aufmerksamkeitskarriere angelangt. Auf breiter Front produktiv wird die Technikwelle allerdings erst in etwa fünf bis zehn Jahren, schätzen die Gartner-Analysten.
Gartners Hype-Zyklus: Der Begriff „Internet of Things“ ist derzeit auf dem Zenit seiner Aufmerksamkeitskarriere angelangt. Auf breiter Front produktiv wird die Technikwelle allerdings erst in etwa fünf bis zehn Jahren, schätzen die Gartner-Analysten.
(Bild: Gartner)

Standardisierung, Datenschutz und Datensicherheit

Die zweite große Herausforderung kann mit den Begriffen Datenschutz und Datensicherheit beschrieben werden. Das Problembewusstsein dafür im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge ist sowohl in Wirtschaft und Wissenschaft als auch bei den Verbrauchern sehr ausgeprägt. Ein Beispiel: die Ankündigung des Bekleidungsherstellers Benetton, seine Kleidungsstücke mit insgesamt 15 Millionen Funketiketten auszustatten. Die Folgen waren massive Kritik bis hin zu Boykottaufrufen im Netz.

Zweifellos stellt der Datenschutz ein Problem dar im IoT. Hier lautet der Anspruch, dass der Einzelne die Kontrolle darüber haben muss, welche persönlichen Daten gesammelt werden, wer sie sammelt und wann das geschieht. Zudem sollten die Daten nur für bestimmte Zwecke durch die dafür autorisierten Stellen erfasst werden. Und zuletzt sollten die Daten nur so lange gespeichert werden, wie es zur Erfüllung dieser Zwecke unbedingt nötig erscheint. Hier ist dringender technischer und juristischer Forschungsbedarf gegeben, zumal das Bundesverfassungsgericht 1983 in seinem „Volkszählungsurteil“ das Recht auf informationelle Selbstbestimmung als Grundrecht in Deutschland anerkannt hat.

Ein ähnliches Bild ergibt sich aus dem Blickwinkel der Datensicherheit: Die Komponenten sind lange Zeit unbewacht, die Kommunikation erfolgt über Funk und die Sensoren und Funketiketten haben nicht die Kapazität, komplexere Sicherheitssysteme zu unterstützen. So genügt etwa die Passwortlänge, die von den meisten Funketiketten unterstützt wird, nicht den Sicherheitsanforderungen, wie Atzori schon in seinem 2010 erschienen Aufsatz „The Internet of Things: A survey“ erläutert.

Künstliche Intelligenz wird IoT langfristig prägen

Während Forschung und Industrie danach streben, diese Herausforderungen in den Griff zu bekommen, entwickeln sich Konzepte und Ansätze des IoT weiter, die dann wieder in neue Anforderungen münden. Ein solcher Trend ist die Integration sozialer Netzwerke in IoT-Lösungen. Der Leitgedanke dabei ist, die Kommunikation zwischen den Dingen im IoT zu verbessern. Demnach können Social Media dafür sorgen, dass IoT-Objekte zu Akteuren und Peers im Internet werden. Auch das Thema Energiesparen wird bei der Entwicklung von IoT-Endgeräten wie Sensoren in den Vordergrund treten.

Ebenso wenig kann sich das IoT dem Vormarsch der künstlichen Intelligenz entziehen. Forderungen, das IoT zum Internet der intelligenten Dinge weiter zu entwickeln, werden in der Wissenschaft bereits erhoben. Intelligenz in Dingen und Kommunikationsnetzen bedeutet Selbst-Konfiguration, Selbst-Optimierung, Selbstschutz und Selbstheilung.

Intelligenz heißt auch: Umgebungsintelligenz oder Kontextbewusstsein. Gerade im IoT mit Milliarden von Sensoren ist es unabdingbar, dass Systeme, vor allem Middleware-Systeme, die anfallenden Daten besser verstehen und die Entscheidung unterstützen, welche Daten weiterverarbeitet werden müssen. Und auch im IoT wird die Cloud zu neuen Ansätzen führen. Dass sich Dinge und Systeme darüber vernetzen, ist nicht neu. Wohl aber der Ansatz, über die Cloud IoT-Dienste anzubieten, so etwa „Sensing as a Service“, wie es Xu nennt.

Dr. Mike Heidrich
Dr. Mike Heidrich
(Bild: Fraunhofer ESK)

Über den Autor

Dr. Mike Heidrich ist Leiter des Geschäftsfelds Industrial Communication am Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK.

Dieser Beitrag stammt von unserer Schwesterpublikation ELEKTRONIKPRAXIS

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