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PwC-Prognose Fachkräftemangel spitzt sich zu

| Autor: Heidemarie Schuster

Der Fachkräftemangel im Bereich Technologie, Medien und Telekommunikation droht sich in den kommenden Jahren dramatisch zu verschärfen.

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Fachkräfte sollen künftig genauso schwierig zu finden sein, wie die Nadel im Heuhaufen.
Fachkräfte sollen künftig genauso schwierig zu finden sein, wie die Nadel im Heuhaufen.
(Bild: www.pixabay.com)

Bis 2030 könnten in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) bis zu 290.000 Arbeitskräfte fehlen, zeigt eine Studie von PwC und Wifor-Institut. Angesichts eines für das Ende des nächsten Jahrzehnts prognostizierten Bedarfs von insgesamt rund 1,5 Millionen Arbeitskräften in der TMT-Industrie ergäbe das einen relativen Engpass von gut 19 Prozent.

Die Unternehmen zeigen sich entsprechend alarmiert. So befragte PwC für die Studie die Vorstandschefs deutscher Technologie, Medien- und Telekommunikationsfirmen, worin aus ihrer Sicht die zentrale unternehmerische Herausforderung in den kommenden Jahren besteht. Dabei kam heraus, dass je nach Teilbranche 80 bis 83 Prozent der CEOs den zunehmend schwierigen Wettbewerb um Fachkräfte als drängendstes Problem ansehen, um auf Wachstumskurs bleiben zu können.

120.000 fehlende IKT-Fachkräfte

Was die Situation für die TMT-Unternehmen besonders erschwert, ist der im branchenübergreifenden Vergleich extrem hohe Bedarf an überdurchschnittlich gut ausgebildeten Mitarbeitern. So könnten den Prognosen von PwC und Wifor zufolge bis 2030 allein 120.000 akademische Fachkräfte mit IKT-Hintergrund (Informations- und Kommunikationstechnologie) fehlen. Zwar wird die Lage dadurch entschärft, dass die entsprechenden Fachbereiche in den kommenden Jahren bei Studenten weiter an Beliebtheit gewinnen dürften – das Arbeitskräftepotenzial also steigt. Laut der Studie wird die steigende Nachfrage dadurch aber nur zum Teil kompensiert.

„Die Technologiebranche wird in gewisser Weise zum Opfer ihres eigenen Erfolgs“, sagt Werner Ballhaus, Leiter des TMT-Bereichs bei PwC in Deutschland. „Die digitale Transformation ist ja nicht nur eine Sache der klassischen Tech-Firmen, sondern sie erfasst momentan praktisch jede Industrie – seien es die Energieversorger, die Banken oder die Autobauer. Experten für IT und Kommunikationstechnologie sind mittlerweile in allen Branchen begehrt. Dementsprechend wird der Wettbewerb um die besten Leute immer härter.“ Dieses Phänomen lasse sich bereits seit Jahren auch innerhalb der TMT-Branche beobachten, so Ballhaus: „Früher waren die IKT-Fachkräfte fast ausschließlich in den Technologie- und den Telekommunikationsunternehmen zu finden. Längst ist ihr spezifisches Know-how jedoch auch und gerade in der Medienindustrie gefragt.“

Auch Naturwissenschaftler gesucht

Wie stark der künftige Erfolg der TMT-Branche von der Lösung des Fachkräfteproblems abhängt, zeigen drei weitere Zahlen aus der Studie von PwC und Wifor:

  • So dürfte sich die Nachfrage nach IKT-Akademikern in der deutschen Wirtschaft bis 2030 gemessen an den Ausgangswerten von 2008 fast verdoppeln.
  • Zudem kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass die Technologie-, Medien und Telekommunikationsunternehmen bis 2030 theoretisch rund 57 Prozent aller am deutschen Arbeitsmarkt verfügbaren IKT-Kräfte bräuchten, um ihren eigenen Bedarf zu decken.
  • Neben den klassischen Spezialisten aus der IT und der Kommunikationstechnologie benötigt die TMT-Branche auch immer mehr Akademiker aus den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Allein aus diesem Bereich dürfte bis 2030 noch einmal ein zusätzlicher Bedarf von fast 20.000 Fachkräften entstehen, prognostiziert PwC.

Die PwC-Experten kommen in der Studie zu dem Schluss, dass der Fachkräftemangel in erster Linie eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung bedeutet. So ließe sich die für 2030 prognostizierte Lücken zum Beispiel durch eine auf qualifizierte Arbeitskräfte ausgerichtete Zuwanderungspolitik teilweise schließen. Als eine weitere Stellschraube bietet sich die Erhöhung des Renteneintrittsalters an. Auch durch eine Steigerung der Erwerbsquote von Frauen ließe sich das Problem deutlich eindämmen, erlärt PwC. Für die TMT-Branche gelte dies in besonders eklatantem Maße. So liegen die Frauenquoten bei IKT- und MINT-Fachkräften momentan bei lediglich 11 Prozent beziehungsweise 23 Prozent, zeigt die Studie.

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