Flashback, EdgeRank, Social Graph - Big Data anschaulich erklärt Facebook: 10 Jahre Big Data!

Autor / Redakteur: Yves de Montcheuil / Florian Karlstetter

Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums gab Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit, einen Film zu sehen und diesen mit Freunden zu teilen. In dem Film kann man seine Aktivitäten im sozialen Netzwerk bis hin zum Tag der Registrierung zurückverfolgen. Dieser „Flashback“ symbolisiert die Möglichkeiten der Nutzung von Big Data.

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Big Data in der Praxis: Ein Blick hinter die Kulissen von Facebook.
Big Data in der Praxis: Ein Blick hinter die Kulissen von Facebook.
(© Sergey Nivens - Fotolia.com)

Dieses einminütige Video auf Facebook namens “Flashback” ist eine Zusammenstellung von Beiträgen und Fotos, die die meisten “Likes” oder Kommentare bekommen haben, alles mit nostalgischer Hintergrundmusik unterlegt. Während die Daten, die verwendet werden, um dieses Erinnerungsvideo zu erzeugen, nicht Gegenstand einer komplexen Analyse sind, symbolisiert der Mini-Film dennoch die Möglichkeiten der Nutzung von Big Data.

Mark Zuckerberg erkannte lange vor jedem anderen, dass digitale Daten das Gold des 21. Jahrhunderts sein würden. Er kann also als Pionier und Visionär angesehen werden, wie die Gründer von Google und Amazon.

Seit seiner Gründung ist das Wachstum von Facebook teilweise auf Big Data zurückzuführen. Es ist zu einem Erzeuger von Big Data geworden und wird sein Wachstum weiterhin mit Big Data verstärken. Während der Hauptzweck von Facebook die Kommunikation zwischen Menschen ist, beruht das soziale Netzwerk auf Algorithmen - einschließlich dem berühmten EdgeRank - die eine Identifikation von Verbindungen erlauben und Arten von Beiträgen auswählen, die im Newsfeed am meisten sichtbar sein werden.

Im Wesentlichen verwendet Facebook Informationen, die es von jedem seiner Mitglieder hat, um Verbindungen anzubieten, die von Interesse sein könnten, um die Präsentation von Informationen den Interessen jeder Person entsprechend zu lenken (Posts von Freunden, mit denen eine Person am meisten interagiert, erscheinen zuerst) und natürlich um Werbung zu platzieren.

Die, die immer noch daran zweifeln, dass Facebook ein Big Data-Spezialist ist, werden auf der nächsten Seite eines Besseren belehrt.

Nadel im Heuhaufen - die Suche im Social Graph

Die, die immer noch daran zweifeln, dass Facebook ein Big Data-Spezialist ist, könnten an der erweiterten Suche mit mehreren Kriterien interessiert sein, die durch das soziale Netzwerk angeboten wird - ein Service namens “Suche im Social Graph”, der Nutzern seit 2013 zur Verfügung steht. Man kann beispielsweise nach Personen suchen, die “jünger als 30 sind, in San Francisco leben und Katzen lieben”.

Um die Suche zu verfeinern bietet Facebook zunächst Vorschläge in Echtzeit an, ähnlich wie Google, und dann ein Filtersystem um die Suche weiter zu verfeinern (Geschlecht, Stadt, Schule, politische oder religiöse Überzeugungen, etc.). Genauso kann man auch nach einem Restaurant, Film oder Foto suchen.

Des Weiteren bietet Facebook einen Anzeigenservice (oder “Empfohlener Beitrag, Gesponsert”), der auf sehr spezifischen Kriterien basiert, nämlich auf Interessen oder Merkmalen in Nutzerprofilen.

Monetarisierung von Daten

Facebook ist einer der weltgrößten Speicher persönlicher Daten geworden, mit einer stetig wachsenden Zahl Nutzer. Darum rückt die Monetisierung von Daten im sozialen Netzwerk immer mehr in den Vordergrund. Es kann diese Daten einerseits kollektiv vermarkten, um zum Beispiel Vorhersageanalysen für das Nutzerverhalten zur Verfügung zu stellen.

Da die Daten konsolidiert und anonym sind, wirft das System keine Datenschutz-Probleme auf. Wie auch immer, wenn sie wollten, könnte Facebook im Prinzip auch Daten zu einer bestimmten Person verkaufen, was sicherlich viele Fragen und Probleme aufwerfen würde, da das soziale Netzwerk von vielen Nutzern als Teil ihrer “Privatsphäre” betrachtet wird.

Big Brother

Was würde passieren, wenn Regierungsbehörden Zugang zu Facebook-Daten hätten, um zum Beispiel Versicherungs- oder Steuerbetrug aufzudecken? In einer Gesellschaft, die auf Demokratie basiert, dachten wir, wenigstens bis zum Snowden / NSA-Skandal, dass wir gegen solche Praktiken immun wären. Aber wir realisieren gerade, dass all das schon mehr oder weniger der Fall ist. Wie andere bedeutende Größen in der digitalen Welt, einschließlich Google und Apple, veröffentlicht Facebook jetzt Transparenzberichte, die die Details von Datenanfragen von Regierungen in der ganzen Welt beschreiben.

Yves de Montcheuil ist Vice President Marketing bei Talend.
Yves de Montcheuil ist Vice President Marketing bei Talend.
(Bild: Talend)

Internet der Dinge

In einer Zeit, in der die Zusammenlegung sozialer Netzwerke zunimmt (der Aufkauf von WhatsApp ist nur der Anfang), wird die Bandbreite gespeicherter, verarbeiteter und monetisierter Daten alles tun außer zurückzugehen. Folglich werden sich auch neue Horizonte für das Internet der Dinge eröffnen. Es ist unwahrscheinlich, dass Facebook diesen Markt seinen Konkurrenten überlässt, und es könnte uns genauso überraschen, wie Google es mit der Übernahme von Nest getan hat. Wer weiß, vielleicht nehmen wir eines Tages unsere Kaffeemaschine oder unser Auto in unsere Freundesliste auf.

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