Kommentar von Meik Brand, QSC AG

Einfach mehr Geschwindigkeit mit S/4HANA

| Autor / Redakteur: Meik Brand / Nico Litzel

Der Autor: Meik Brand ist Business Development Manager S/4HANA, SAP CP, IOT, Big Data bei der ‎QSC AG
Der Autor: Meik Brand ist Business Development Manager S/4HANA, SAP CP, IOT, Big Data bei der ‎QSC AG (Bild: QSC AG)

Mit der „SAP Business Suite 4 SAP HANA“ – kurz S/4HANA – erfindet SAP die Business Suite neu. Das ERP-System der nächsten Generation verspricht mehr Geschwindigkeit, um Prozesse zu steuern, Abläufe zu optimieren und Entscheidungen zu treffen. Dafür sollen die Systemarchitektur, das simplifizierte Datenmodell, die nutzerfreundliche Fiori-Oberfläche auf Basis von HANA-Datenbank und In-Memory-Technologie sorgen.

Verglichen mit SAP-Vorgängerversionen sind bei S/4HANA signifikant höhere Datendurchsätze zu erwarten. So lassen sich beispielsweise Prozesse in der Materialbedarfsplanung um den Faktor zwanzig beschleunigen. Davon profitieren nicht nur Anwender, die Lagerbestände kostenoptimal planen möchten. Das vollautomatische, durchgängig digitale Prozess- und Auftragsmanagement im SAP-System bietet Unternehmen aller Branchen Vorteile.

Zugegeben: Zwar ließen sich Abläufe auch bereits bei SAP ECC 6.0 übergreifend digital orchestrieren, aber eben nicht auf Basis einer Technologie, die ein Enterprise-Resource-Planning-System (ERP-System) vollständig im Arbeitsspeicher vorhält. Das Datenbankmodell von S/4HANA komprimiert Informationen und benötigt so nur ein Zehntel des Speicherplatzbedarfs klassischer Ablagesysteme.

Redundanz- und dublettenfreie Datenbank

So rechnet SAP auf der Website vor: Wo zeilenorientierte, relationale Datenbanken einen Speicherplatz von rund 590 Gigabyte benötigen, verdichtet S/4HANA die gleichen Informationen auf nur 42 Gigabyte. Redundanz- und dublettenfrei hält der RAM dann auch alle Stamm- und Bewegungsdaten des ERP-Systems vor. Da die Informationen im Arbeitsspeicher liegen, entfallen Verzögerungen, die sonst durch Lese- und Schreibprozesse entstehen, wie sie sowohl bei klassischen, mechanischen Laufwerken (HDDs), als auch bei schnellen, Flash-Speicher-basierten Festplatten (SSDs) notwendig sind. Das Ergebnis: Mitarbeiter entscheiden immer live auf Basis aktueller Auswertungen. Kennzahlen fließen direkt in die Oberflächen des SAP GUI auf dem Desktop, in die dynamischen Realtime-Ansichten auf dem Fiori-Launchpad und auf die KPI-Kacheln zahlreicher Apps. Fast 10.000 Applikationen für Smartphones und Tablets listet die Fiori App Library mittlerweile.

Rohdaten, KPIs und Prognosen in Echtzeit

Die Tage, in denen Unternehmer auf Kennzahlen warten mussten, sind vorbei. Statt Aggregate und Indizes zu bilden oder Geschäftsdaten in Batchläufen über Nacht auswerten zu lassen, macht S/4HANA Informationen unmittelbar nutzbar. So liefert das vereinfachte Datenmodell aktuelle Rohdaten, KPIs und Prognosen auch direkt auf die Monitorwände im sogenannten „Digital Boardroom“: Das Konzept, das SAP bereits 2015 vorgestellt hat, soll ein Cockpit für Firmenlenker sein. Auf den Bildschirmen im digitalen Lagezentrum laufen alle Informationen für das Top-Management zusammen. Prozesse sollen sich live abbilden, Prognosen erstellen und Entscheidungen auf einer konsolidierten Datenbasis treffen lassen, die in ihrer Aktualität jedem Papierbericht überlegen ist.

Egal ob Vorstandvorsitzender im Boardroom oder Lagerdisponent mit Fiori-App – S/4HANA bietet allen Mitarbeitern einfach mehr Geschwindigkeit, um Fragen des Geschäftsalltags zu beantworten: Welcher Lieferant bietet den besten Preis? Wie viel Kapital ist in eingelagerten Rohstoffen gebunden? Wie lassen sich Beschaffungsrisiken eliminieren? Welcher Anbieter ist am neuen Überseestandort in der Lage, die Produktion vor Ort auch Just-in-Time zu versorgen?

Migrieren oder neu implementieren

Die Funktionalität ist die eine Seite, die Infrastruktur die andere. Denn wer aus S/4HANA Kapital schlagen möchte, steht vor einer Entscheidung: Migrieren oder neu implementieren? Eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Denn wo vorangehende SAP-Installationen davon lebten, individuell ausgeprägt wie ein Maßanzug zu sein, lebt S/4HANA davon, den Weg beschreiten zu wollen, den es von der Stange weg bietet.

Warum? Weil sich beispielsweise ein nah am Standardumfang ausgeprägtes ERP von SAP einfacher mit anderen Systemen integrieren und leichter aktualisieren lässt. Wer S/4HANA im eigenen Serverraum installiert, erhält alle zwölf Monate ein neues Release. Unternehmen, die auf die Cloud-Variante setzen, können alle drei Monate mit Updates rechnen. Auch das sorgt für Schnelligkeit, wo sich Feature Requests bei Vorgänger-Suites gelegentlich über Jahre hinziehen konnten.

Stabilere Installationen

Zudem verspricht das Konzept stabilere SAP-Installationen: Statt On-Premise-Anpassungen im Kern der ERP Central Component vorzunehmen, beziehen Unternehmen Zusatzfunktionen bei S/4HANA über die Cloud: Ob Concur für die Reisekostenabrechnung, Success Factors für die Personalentwicklung oder Hybris für den E-Commerce – Anwendungen stellt SAP über sein Partnerökosystem bereit. Alle weiterhin notwendigen Anpassungen, um die Applikationen auf die eigenen Geschäftsprozesse hin auszurichten, nehmen die Unternehmen dabei nur noch in der Cloud vor – und nicht mehr im eigenen Serverraum.

Ob es dann am Ende eine Migration oder Neuinstallation wird, bleibt im Einzelfall zu prüfen. Ausschlaggebend kann aber ein Soll-Ist-Vergleich sein: Welche Funktionen sind im Alt-System vorhanden? Welche bietet S/4HANA im jeweiligen Release-Stand bereits? Wie weit weichen bestehende Prozesse vom Standardpfad ab? Vorhandene Individualentwicklungen im Altsystem müssen geprüft, Dubletten konsolidiert und die Komplexität der bestehenden SAP-Landschaft evaluiert werden. Hilfestellung bietet die Simplification List [PDF], ein Konversions-Leitfaden, den SAP auf seiner Website zur Orientierung anbietet. Außerdem bietet SAP einen kostenlosen Analyse-Service: Wer sich auf der S/4HANA-Website registriert, erhält binnen fünf Werktagen einen individuellen Bericht, der zeigt, wie S/4HANA die Performanz des eigenen Unternehmens steigert.

Migrationspfad mit Process Mining

Ebenfalls lohnenswert ist der Einsatz von Analysesoftware wie etwa Celonis Process Mining: Auf Basis von Rohdaten aus dem SAP-System lassen sich Transaktionen und Aktivitäten in Echtzeit visualisieren und evaluieren – ob Purchase-to-Pay (P2P), Order-to-Cash (O2C) oder Master Data Management (MDM). Wie weit individuelle Anpassungen von den Standardabläufen abweichen, lässt sich leicht erkennen, um Handlungsbedarf zu bestimmen.

Eine Studie der Marktforscher von Pierre Audoin Consultants zeigt, welche Ziele mehr als zwei von drei Unternehmen mit der Umstellung auf S/4HANA verfolgen: Sie wollen Prozesse und Datenanalysen beschleunigen, die SAP-Anwendungslandschaft modernisieren und Echtzeitinformationen für unternehmerische Entscheidungen nutzen. Dass Unternehmen diesen Plan auch in Angriff nehmen, belegen aktuelle Quartalsergebnisse des Walldorfer Softwareunternehmens vom Oktober 2017: Die Zahl der weltweiten SAP S/4HANA-Kunden stieg gegenüber der Vorjahresperiode um etwa 70 Prozent auf über 6.900. Im dritten Quartal entschieden sich etwa 600 Kunden für dieses Produkt – über 40 Prozent davon als Neukunden.

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