Ansätze zur Standardisierung im Internet of Things

Ein Wildwuchs an Standards bremst das Internet der Dinge aus

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Etwas jünger ist die AllSeen Alliance, gegründet im Dezember vergangenen Jahres. Ihre Gründung ging darauf zurück, dass Qualcomm sein Framework „AllJoin“ als Open Source freigab, worauf sich LG, Panasonic, Sharp, HTC, Cisco – und inzwischen auch Microsoft – zur Allianz gesellten. Gleichzeitig wurde AllSeen ein Projekt der Linux Foundation. Über mehrere Transport-Layer sollen Geräte trotz unterschiedlicher Kommunikationsmedien miteinander kommunizieren können. Der offene Ansatz und eine ausgeprägte Orientierung auf Consumer-Produkte haben der Gruppe viel Publizität gebracht. Allerdings gab es Kritik, mit der Offenheit von Qualcomm sei es nicht so weit her.

Das Open Interconnect Consortium

Deshalb gründete sich Anfang Juli 2014 das Open Interconnect Consortium (OIC). Hinter dem stehen Intel, Dell, Samsung, Atmel, Windriver und Broadcom. Diese Vereinigung möchte erklärtermaßen von Beginn an in einem offenen Prozess ein Protokoll für die Kommunikation erarbeiten, statt sich wie die AllSeen Alliance auf ein vorgegebenes Framework zu stützen. Ansonsten sind alle Ziele identisch. Es könnte durchaus sein, dass das OIC nur gegründet wurde, um die Dominanz von Qualcomm in der AllSeenAlliance zu beenden und zu einer gemeinsamen offenen Standardisierungsinitiative zu kommen.

Darauf könnte ein bemerkenswerter Vorgang bei der OIC-Gründung hindeuten. Denn da ließ sich Jim Zemlin, immerhin Executive Director der Linux Foundation, zu der die AllSeen Alliance gehört, so zitieren: „Bei Open Source geht es um Zusammenarbeit und um Wahlfreiheit. Das Open Interconnect Consortium ist ein weiterer Beweis dafür, wie Open Source dazu beiträgt, Innovationen voranzutreiben. Wir freuen und auf den Beitrag des OIC, eine offene Umgebung zu fördern, um die Milliarden vernetzten Geräte zu unterstützen, die online gehen werden.“

Das Google-Betriebssystem Android

Nur eine Woche nach der OIC-Gründung entstand noch eine Initiative, die Thread Group. Hier sind ARM, Samsung, Freescale, Silicon Labs, Yale (Hersteller von Schließsystemen) und Big Ass Fans dabei. Aber auch Nest, eine Tochter von Google, wirkt kräftig mit und stellt den Vorsitzenden. Zum einen geht es technisch um ein Netzwerk für Strom sparende Devices und um deren Sicherheit. Zum anderen versteht sich die Gruppe aber auch als Marketing-Initiative. Es ist unklar, ob und welche Rolle dem Google-Betriebssystem Android in diesem Kontext zukommen könnte.

Keiner der vier jüngeren Initiativen hat bisher Spezifikationen für Systeme vorgestellt, sodass sich konkrete Hinweise auf technische Grundausrichtungen für einen künftigen IoT-Standard noch nicht ausmachen lassen. Nach verschiedenen Ankündigungen ist damit auch nicht vor Ende 2014 zu rechnen. Erst danach dürfte der Standardisierungsprozess richtig Fahrt aufnehmen, zumindest dürften die Gruppen neue Mitglieder gewinnen und die Fronten sich klären.

Ist Open Source ein geeignetes Modell?

Auffallend ist, dass diesmal bei der Entwicklung eines Standards, der in vielleicht zehn Jahren massiven Einfluss auf einen potenziell riesigen Markt für neue Produkte haben wird, Open Source ein strategisches Moment ist. Sowohl die AllSeen Alliance als auch das Open Interconnect Consortium wollen ihre Spezifikationen, die überaus wichtigen Referenzimplementierungen und das Zertifizierungsprogramm als Open Source freigeben. Etliche Hersteller scheinen zu der Ansicht gekommen zu sein, dass Open Source ein geeignetes Modell für die Entwicklung von Standards und von Produkten ist – sowie für die Entfaltung von Marktmacht.

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