Ansätze zur Standardisierung im Internet of Things

Ein Wildwuchs an Standards bremst das Internet der Dinge aus

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Nico Litzel

Zahlreiche Organisationen und Industrieinitiativen versuchen sich an einer Standardisierung des Internet of Things.
Zahlreiche Organisationen und Industrieinitiativen versuchen sich an einer Standardisierung des Internet of Things. (© XtravaganT - Fotolia.com)

Um das Internet der Dinge zum erhofften großen Zukunftsmarkt zu machen, brauchen die Anbieter Standards. Einige Schwergewichte der Branche folgen dabei einem überraschenden Entwicklungsmodell.

Im Jahr 2020 soll das Internet of Things (IoT) samt entsprechender Services nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner zwei Billionen US-Dollar bewegen. Die Analysten gehen davon aus, dass es in wenigen Jahren weltweit bereits 26 Milliarden IoT-fähige Geräte geben wird. Entsprechend steht das IoT auf dem Hype-Cycle der Analysten ganz oben – und dem folgt bekanntlich die Phase der Desillusionierung.

„Bei der Heim-Automation werden uns die Zaubersprüche der Industrie schon seit 20 Jahren eingeflüstert. Am Ende reicht es nicht einmal zur billigen Illusion.“ So ärgerte sich kürzlich Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer, in „IT-BUSINESS“ 18/2014, und fuhr fort: „Das Grundproblem liegt in der mangelnden Standardisierung. Denn mit jeder guten Idee versuchen die großen Hersteller gleich einen Closed-Shop – sprich ihre proprietären Standards – zu etablieren.“

Genug Raum für proprietäre Welten

Über das Manko täuschen eine Unmenge bestehender Standards hinweg. Sie kommen vor allem aus der Telekommunikation und aus dem Bereich Computer Integrated Manufacturing (CIM). Historisch ist IT in der Produktion fest verdrahtet. Hier gibt es Standards, die ungefähr so „offen“ sind wie in der Unix-Welt, also genug Raum lassen für proprietäre Welten. Inzwischen aber wird zum Beispiel für die Überwachung von Außenanlagen das Internet als Kommunikationskanal genutzt – dessen Standards kommen ins Spiel.

Es ist ohnehin nicht genau bestimmt, wo das Internet der Dinge anfängt und wo es aufhört. Wikipedia umreißt lediglich, dass hier – im Gegensatz zur klassischen Internetnutzung – Geräte per Internettechniken miteinander kommunizieren und Aktionen auslösen können, ohne dass unbedingt Menschen eingreifen. Im allgemeinen Verständnis läuft das IoT auf kommunikationsfähige Geräte in Privatnutzung hinaus: Kühlschrank, Beleuchtung, Heizung, Kaffeemaschine, das Auto – alles kann miteinander.

Viele unterschiedliche Anforderungen

Das sind ganz andere Anwendungsbereiche als das, was mit Robotik und CIM in den Werkhallen und Distributionslagern stattfindet. Außerdem unterscheiden sich die neuen Geräte. Haushaltsgeräte, Haustechnik und Autos arbeiten mit unterschiedlichen Informationsmengen, Anwendungen und Kommunikationsumgebungen. Divergierende Anforderungen machen viele Standards naheliegend. Entsprechend dürften „Bridges“ zwischen den Techniken nötig sein.

Und schon sind alle dabei. Es gibt wohl kaum ein Standardisierungsgremium im IT-Bereich, das nicht irgendwelche Initiativen in Richtung IoT gestartet hat. ISO, IEC, ITU, IEEE ... Dazu kommen noch regionale und bedeutende nationale Standardisierungsorganisationen wie ANSI, NIST, JEITA, ECMA oder CENELEC. Die Politik will auch noch mitreden. So arbeitet die EU an einer eigenen IoT-Referenzarchitektur. Und natürlich melden sich die Internet-Schwergewichte ebenfalls zu Wort, nämlich das World Wide Web Consortium (W3C) und die Internet Engineering Task Force (IETF).

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