Suchen

Neue Wege für Bauern

Die Landwirtschaft geht in die Luft – und in die Cloud

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Landwirtschaftliche Datenseen gehören in die Cloud

Zusammen mit dem kanadischen Drohnen-Spezialisten PrecisionHawk hat das US-Unternehmen Agri-Trend ein Konzept speziell für Landwirte entwickelt.
Zusammen mit dem kanadischen Drohnen-Spezialisten PrecisionHawk hat das US-Unternehmen Agri-Trend ein Konzept speziell für Landwirte entwickelt.
(Bild: Agri-Trend)

Speziell an Landwirte richtet sich ein Angebot, für das sich der kanadische UAV-Spezialist PrecisionHawk mit dem US-Unternehmen Agri-Trend zusammengetan hat. Gemeinsam wollen sie Landwirte mit mehr und besseren Daten über ihre Anbauflächen beliefern. Laut Warren Bills, Vice President of Geo Solutions bei Agri-Trend, will man den Farmern Nordamerikas ab 2016 entsprechende Dienste anbieten.

„Drone as a Service“-Modell mit Potential

Dabei dürfte sich das „Drone as a Service“-Modell weitgehend durchsetzen, denn dabei liegt die rechtliche Verantwortung für die Drohne und ihre Aktivitäten beim Anbieter und nicht beim einsetzenden Unternehmen, so Kara. Auch die so gewonnenen Daten liegen dann in der Obhut des Service-Anbieters und nicht auf dem Server der Firma – gerade in Deutschland wären damit datenschutzrechtliche Aspekte verbunden, ganz wie von der Anwaltskanzlei Wilde, Beuger und Solmecke angeführt.

Der Einsatz hängt natürlich auch von künftigen rechtlichen Regulierungen und dem Aussehen von Drohnen in wenigen Jahren ab. Unabhängig davon kann sich die Landwirtschaft gar nicht früh genug auf den Umgang mit den so gewonnenen Big Data-Bergen vorbereiten. Nach einem Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) soll er weltweit von aktuell 4,9 Milliarden Dollar bis 2019 auf 11,5 Milliarden Dollar oder sogar 16 Milliarden Dollar jährlich anwachsen. Der Markt für nichtmilitärische Drohnen wird von aktuell ungefähr 652 Millionen Dollar auf 8,4 Milliarden Dollar ansteigen, so ABI Research. Das belegt, dass sich Agrarkonzerne und Landwirte schnellstmöglich auf den Einsatz von Drohnen vorbereiten sollten – und auf die vielen Daten, die diese sammeln. Einen Server werden sich die wenigsten in den Kuhstall stellen wollen, schnell würde daraus auch eine „Server-Farm“.

Deutsche Telekom: Landmaschinensteuerung via Mobilfunk

Das Problem hat sogar die Deutsche Telekom schon erkannt. Gemeinsam mit Leica Geosystems und Sensor-Technik Wiedemann (STW) hat sie eine Nachrüstlösung entwickelt, die GPS-Daten direkt über das Mobilfunknetz in das Lenksystem von Landmaschinen einsteuert. Die Maschine sendet ihre Position dazu über das Mobilfunknetz in die Telekom Cloud. Ein Korrekturdatensystem errechnet die präzisen Positionsdaten und schickt sie sofort zurück an die Maschine. Die wiederum passt Fahrspur, Düngemittel- oder Saatguteinsatz automatisch an und optimiert zusätzlich den Spritverbrauch.

Auf der Agritechnica 2015 vorgestellt und ausgezeichnet: Connected Crop Protection mit Pflanzenschutz-Anwendungs-Manager von John Deere.
Auf der Agritechnica 2015 vorgestellt und ausgezeichnet: Connected Crop Protection mit Pflanzenschutz-Anwendungs-Manager von John Deere.
(Bild: Agritechnica / John Deere)

STW hat zudem auf der in Hannover jüngst zu Ende gegangenen Agritechnika im November 2015 eine Hardware-Lösung für Telematikdienste, die für die „Cloud der Dinge“ der Telekom zertifiziert ist, präsentiert. Zustandsinformationen aller angeschlossenen Landmaschinen lassen sich damit in Echtzeit in die Cloud übertragen und auf einem zentralen Web-Portal logisch verknüpfen.

Auch das bereits genannte Unternehmen PrecisionHawk offeriert eine Cloud-Plattform für Speicherung und Analyse von Daten, die seine Drohnen liefern. Gerne schickt man die Daten aber auch direkt an die IT des Auftraggebers. „Allerdings können die Schiere Größe der Daten – zumeist im GIF-Format – und das Vorhalten passender Analysetools das Vorhaben zu einem logistischen Albtraum machen“, so PrecisionHawk-Mitbegründer Dr. Ernest Earon. Aus diesem Grund würden die meisten Kunden seiner Firma die Auswertung überlassen.

Fragen zur Datenhaftung, zu Urheberrechten, zu Schutzrechten und mehr

Beschäftigen müssen sich die Bauern dennoch mit allen Aspekten des Cloud-Einsatzes. Die DLG rät dringend dazu, dass sich die Landwirte vor dem kaum mehr aufzuhaltenden Schritt in die Cloud umfassend über die Datenschutzrichtlinien der Anbieter informieren. Zu klären sind wie von Earon angesprochen die Fragen zur Datenhaftung, zu Urheberrechten, zu Schutzrechten und ob die Daten verschlüsselt übertragen werden.

Zwar gelten in Deutschland strenge Regeln für den Schutz Personen bezogener Daten, allerdings gilt bei Big Data-Dienstleistern oft internationales Recht mit weniger umfassendem Schutzstatus. Per Bestätigung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) durch Mausklick akzeptieren Anwender die Datenschutzstandards nach ausländischem Recht - die AGB müssten deshalb vor Vertragsabschluss genau geprüft werden. Das kostet viel Zeit – auf unsere Landwirte werden Überstunden zukommen. Nicht auf dem Trecker, sondern auch in Kanzleien und Büros von IT-Unternehmen.

(ID:43728203)