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Hannover Messe 2015 Die Digitalisierung in Unternehmen schreitet voran

Autor: Heidemarie Schuster

Der Digitalverband Bitkom hat in einer Studie herausgefunden, dass gut vier von 10 Industrie-Unternehmen bereits Industrie-4.0-Anwendungen nutzen.

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Fast 80 Prozent der befragten Betriebe halten die eigene Branche für zu zögerlich, was die Umsetzung von Industrie 4.0 angeht.
Fast 80 Prozent der befragten Betriebe halten die eigene Branche für zu zögerlich, was die Umsetzung von Industrie 4.0 angeht.
(Bild: © hainichfoto - Fotolia)

Der Bitkom hat auf der Hannover Messe 2015 eine Studie vorgestellt, die besagt, dass 44 Prozent der Unternehmen der industriellen Kernbranchen heute bereits Industrie-4.0-Anwendungen im Einsatz haben.

Befragt wurden für die repräsentative Umfrage je 100 Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau, der chemischen Industrie sowie der Elektroindustrie. Der Automobilbau hat beim Thema Industrie 4.0 mit 53 Prozent die Nase vorn. In der Elektrotechnik nutzen 48 Prozent Industrie-4.0-Anwendungen, in der chemischen Industrie sind es 42 Prozent, im Maschinen- und Anlagenbau lediglich 41 Prozent. 18 Prozent der befragten Unternehmen planen den Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen.

„Die Digitalisierung deutscher Fabriken ist in vollem Gange, aber noch lange nicht vollzogen“, sagt Winfried Holz, Mitglied des Bitkom-Präsidiums. „Angesichts der harten internationalen Konkurrenz, etwa aus China und den USA, müssen die Unternehmen jetzt massiv in die Digitalisierung ihrer Prozesse und Produkte investieren, damit Deutschland seine führende Position in der Fertigungsindustrie halten kann.“

Laut der Umfrage beschäftigt sich rund ein Viertel der Unternehmen derzeit noch nicht mit Industrie 4.0, kann sich aber vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Für rund jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) ist Industrie 4.0 aktuell kein Thema.

Social Machines und Predictive Maintenance

Unter dem Begriff Industrie 4.0 wird die durch das Internet getriebene vierte industrielle Revolution verstanden. Sie umschreibt den technologischen Wandel heutiger Produktionstechnik zur intelligenten Fabrik, in der Maschinen und Produkte untereinander vernetzt sind. Am weitesten verbreitet sind dem Bitkom zufolge derzeit die Anwendungen Social Machines und Predictive Maintenance.

Social Machines sind Maschinen, die mit anderen Maschinen und den Mitarbeitern eines Betriebs kommunizieren können, zum Beispiel zur Personaleinsatzplanung. Solche Anwendungen werden in 28 Prozent der Betriebe genutzt. Predictive Maintenance beschreibt Lösungen, die die vorausschauende Wartung von Maschinen erlauben und Funktionsausfälle verhindern. Diese kommen in 27 Prozent der Industrieunternehmen zum Einsatz.

Vorteile der Digitalisierung

Durch die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion ergeben sich aus Sicht der Unternehmen zahlreiche Vorteile: 76 Prozent sind der Ansicht, dass Industrie-4.0-Lösungen die Abläufe in ihrer Fabrik optimieren können. 72 Prozent gehen davon aus, dass sich die Produktionskosten verringern lassen, weil die Effizienz durch den Einsatz von IT steigt. 71 Prozent sagen, dass mit Hilfe von IT die Kapazitätsauslastung verbessert und 70 Prozent, dass die Arbeit flexibler organisiert werden kann.

Unternehmen, die bereits Industrie 4.0-Anwendungen nutzen oder dies planen, erwarten zudem zu 51 Prozent, dass ihr Umsatz dadurch steigt. 49 Prozent der Anwender und Planer denken, dass sie dank Industrie 4.0 ihren Umsatz künftig halten können.

Bedenken

Dennoch gibt es dem Thema Industrie 4.0 gegenüber auch noch viele Bedenken: Fast 80 Prozent der Betriebe halten die eigene Branche für zu zögerlich, was die Umsetzung von Industrie 4.0 angeht. Am höchsten ist der Wert im Maschinen- und Anlagenbau mit 83 Prozent. Ein Hindernis sind laut Umfrage die Investitionskosten. 72 Prozent der Befragten sagen, dass diese Investitionskosten gegen den Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen in ihrem Unternehmen sprechen.

„Wer seine Produktion für die Zukunft fit machen will, muss in aller Regel erst einmal investieren. Diese Investitionen sind aber genauso essenziell wie die regelmäßige Pflege und Wartung von Maschinen. Ohne sie wird es künftig keine moderne, effiziente Produktion mehr geben“, sagt Holz. 56 Prozent der Befragten führen außerdem die hohe Komplexität des Themas als Hindernis an und ebenso viele sehen den Mangel an Fachkräften als Problem.

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