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Rätsel KI Die Deutschen wissen wenig über Künstliche Intelligenz

Redakteur: Jürgen Schreier

In Sachen KI haben die Deutschen große Wissenslücken. Das zeigt eine Umfrage des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation. Dennoch sehen die Befragten Künstliche Intelligenz eher als Chance denn als Gefahr. Eine Expertenbefragung der Bertelsmann Stiftung kommt zu einer ähnlichen Einschätzung.

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Die meisten Bundesbürger haben von Künstlicher Intelligenz schon gehört. Die wenigsten aber wissen, was das genau ist.
Die meisten Bundesbürger haben von Künstlicher Intelligenz schon gehört. Die wenigsten aber wissen, was das genau ist.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig in der Diskussion um neue Technologien und ihre Bedeutung für die Gesellschaft. Doch wie die Bevölkerung darüber denkt oder was sie sich unter KI überhaupt vorstellt, war bis dato kaum bekannt.

Eine Befragung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) unter erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzern in Deutschland zeigt: Künstliche Intelligenz ist vielen ein Rätsel.

Das bidt hat in einer Onlinebefragung im November 2019 Wissen über und Einschätzungen der Potenziale von KI erhoben. An der Befragung nahmen mehr als 1.000 erwachsene Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland teil. Die Ergebnisse sind in der Publikation „KI verstehen und gestalten“ veröffentlicht.

Entwicklung der KI betrifft alle Lebensbereiche

Gefragt, ihr Wissen über KI einzuschätzen, gaben rund drei Viertel der Teilnehmer zu, nur „in etwa“ oder gar nicht darüber Bescheid zu wissen oder erklären zu können, was KI ist. Bei der Frage, welche Nation bei Künstlicher Intelligenz weltweit führend ist, geht die Unwissenheit weiter: Ein Viertel traut sich ein Urteil nicht zu.

Dennoch ist unter den Befragten die Angst weit verbreitet, Deutschland könne im weltweiten Wettlauf um KI abgehängt werden: 53 Prozent stimmten dieser Befürchtung zu. Zugleich bejahten jedoch auch knapp die Hälfte die Aussage, dass es mehr staatlicher Kontrolle bedarf, um unerwünschte Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz zu verhindern.

Bei der Frage, ob KI eher Chance oder Risiko sei, zeigten sich 30 Prozent unentschlossen, während sich 28 Prozent für die optimistische Sicht entschieden. Knapp 20 Prozent sehen KI als Gefahr.

„Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz betrifft alle Lebensbereiche. Sie wird bestimmen, wie wir leben, lernen und arbeiten“, sagt Professorin Ute Schmid, Mitglied im bidt-Direktorium. „Die Umfrage des bidt zeigt, dass das Wissen über KI in der deutschen Gesellschaft ausbaufähig ist. Dabei sind alle gefragt, wenn es darum geht, zu entscheiden, wie wir als Gesellschaft mit KI leben wollen.“

Dr. Roland Stürz, Mitverfasser der Studie ergänzt: „Damit das enorme Potenzial von KI gesellschaftlich verträglich genutzt werden kann, ist eine qualifizierte Urteilsfähigkeit in der Bevölkerung darüber notwendig. Unsere Studie legt nahe, Möglichkeiten der Weiterbildung für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um einen aufgeklärten Umgang mit KI zu erreichen.“

Gesellschaft und Politik als prägende Akteure

Das ist nicht zuletzt deshalb unerlässlich, weil KI nach der jüngste Zukunftsstudie „Leben, Arbeit, Bildung 2035+“ von Bertelsmann Stiftung und Münchner Kreis in den kommenden Jahren die Bereiche Leben, Arbeit und Bildung spürbar verändern dürfte. So wird der gesellschaftliche und politische Einfluss auf die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren wachsen. Dabei werden sich die Kräfteverhältnisse auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz verschieben.

Während die meisten der 500 befragten Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft (31 Prozent) der Auffassung sind, dass derzeit noch die Wirtschaft den KI-Diskurs dominiert, erwarten sie, dass in Zukunft die Gesellschaft (34 Prozent) sowie die Politik (20 Prozent) die größte Gestaltungskraft ausüben werden. Die Wirtschaft sehen künftig nur noch 15 Prozent als den prägendsten Akteur.

Große Einigkeit herrscht in der Frage, welche gesellschaftlichen Bereiche bis zum Jahr 2035 am stärksten von KI-Technologie beeinflusst werden: Mobilität, Arbeit, Gesundheit, Pflege und Medien.

„Digitale Technologien kommen in immer größerem Tempo in noch mehr Lebensbereichen zum Einsatz. Daher ist es umso wichtiger, dass wir in eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über die Konsequenzen einer intensiveren KI-Nutzung einsteigen. Unternehmen wie staatliche Institutionen sind beispielsweise gefordert, Fragen von Führung und Arbeitsmodellen neu zu denken und ihre Prozesse so zu verändern, dass KI sowohl für die Organisation als auch die Beschäftigten einen Mehrwert bringt“, sagt Ole Wintermann, Projektmanager und Arbeitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung.

KI hat mehr positive als negative Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft

Insgesamt gehen die Befragten davon aus, dass ein verstärkter Einsatz von KI-Anwendungen mit mehr positiven als negativen Folgen sowohl für Unternehmen als auch für das Gemeinwesen verbunden sein wird. Das gilt etwa für die Verbrechensbekämpfung, die Erschließung neuer Beschäftigungsfelder sowie die wachsenden Möglichkeiten für Ausbildung und lebenslanges Lernen. Ebenso rechnen sie mit wachsenden Chancen für kreatives Arbeiten und die individuelle Weiterentwicklung menschlicher Stärken.

Um die Potenziale von Künstlicher Intelligenz im Sinne möglichst vieler Menschen sinnvoll zu nutzen, braucht es nach Meinung der Befragten vor allem neue Bildungsinhalte sowie passende Lern- und Lehrmethoden. Die KI-Technologien werden der Mehrheit zufolge zu einem Bedeutungsanstieg des bestehenden Bildungssystems führen, nicht jedoch zu dessen Auflösung.

Judith Gerlach, Schirrmherrin der Studie und Bayerische Staatsministerin für Digitales, betont: „Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass KI mehr denn je neben Investitionen in neue Technologien auch Investitionen in kluge Köpfe und einen bewussten Umgang mit Daten erfordert. Hier liegen die besonderen Stärken von Deutschland und Europa.“

Gemeinwohlorientierung als wichtigste Anforderung an KI

Dazu passt, dass die TeilnehmerInnen der Studie eine stärkere Gemeinwohlorientierung mehrheitlich als wichtigste Anforderung an zukünftige KI-Technologien betrachten. Zudem schätzen die Befragten einige Entwicklungen, die als wirtschaftlich vorteilhaft angesehen werden, in sozialer Hinsicht als eher kritisch ein.

Zu einem solch geteilten Meinungsbild kommt es etwa hinsichtlich des Datenschutzes, der Einflussnahme von KI auf private Entscheidungsprozesse, der Auflösung klassischer Beschäftigungsverhältnisse und einer höheren Transparenz der Arbeitsleistung. Die Notwendigkeit einer staatlichen Regulierung und Kontrolle von KI-basierten Produkten und Dienstleistungen wird hingegen mit positiveren Effekten für das Gemeinwohl als für die Unternehmen in Verbindung gebracht.

Darüber hinaus haben sich in der Wahrnehmung der Befragten die Diskussionen zu Künstlicher Intelligenz zu wandeln begonnen: Die technische Betrachtungsweise wird zunehmend um eine nutzerorientierte Perspektive ergänzt.

Corona beschleunigt Entwicklung von KI

Im Rahmen einer Sondererhebung mit mehr als 200 Befragten gingen die Studienautoren den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz nach. Die Covid-19-Krise, so die einhellige Meinung der Befragten, werde die Bedeutung und Entwicklung von KI-Technologien deutlich steigern, sowohl in der Wirtschaft als auch im Bildungswesen.

Mehr KI-Anwendungen werden vor allem im Gesundheitssektor erwartet. Insgesamt wird mit einem deutlich wachsenden Anteil digitaler Dienstleitungen gerechnet, verbunden mit nachhaltigen Veränderungen der Arbeitswelt. Die ExpertInnen gehen davon aus, dass KI nun noch schneller zum elementaren Wettbewerbsfaktor wird und dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz spürbar beschleunigt.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal Industry of Things.

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