Pizza oder asiatisch – Talend gibt Antworten Delivery Hero betreibt Marktforschung mit Big Data

Autor / Redakteur: Thomas Schumacher / Nico Litzel

„Dein Hunger. Unsere Mission!“ – so lautet das Motto des 2010 in Berlin gegründeten Unternehmens Delivery Hero, das Kunden hilft, über eine Online-Bestellplattform von ihrem Rechner aus oder mobil ihr Essen zu ordern. Die Daten, die dabei anfallen, spielen eine zentrale Rolle: Nur, wer weiß, was Kunden mögen, kann schnell auf Bedürfnisse eingehen und sich so vom Wettbewerb absetzen.

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Mithilfe von Talend stehen heute Delivery Hero spätestens nach 15 Minuten alle notwendigen Daten für Analysen zur Verfügung.
Mithilfe von Talend stehen heute Delivery Hero spätestens nach 15 Minuten alle notwendigen Daten für Analysen zur Verfügung.
(Grafik: Delivery Hero)

Heute ist Delivery Hero eine der weltweit größten Plattformen für Online-Bestellungen von Essen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 650 Mitarbeiter in 21 Ländern auf vier Kontinenten und hat mehr als 60.000 Restaurants als Partner. In den verschiedenen Ländern tritt Delivery Hero dabei unter den den dort bekannten lokalen Marken auf. In Deutschland ist das die Lieferheld GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der global agierenden Delivery Hero Holding ist.

Die tagesaktuelle Integration der weltweit anfallenden Kunden- und Bestelldaten – und vor allem die Analyse dieser Daten – sind eine wichtige Basis für die Zukunft des Unternehmens. Hier spielt Integrationstechnologie eine tragende Rolle.

Jeder Markt ist anders

Warum sind in einem Land Pizzerien besonders erfolgreich und in einem anderen asiatische Restaurants? Wieso kann man in fast allen Ländern zwischen 22 und 23 Uhr einen hohen Umsatz erzielen – in einigen Ländern hingegen fast gar keinen? Wie sieht der optimale Mix an teilnehmenden Restaurants aus? Das sind nur einige Fragen, die sich die Business-Analysten von Delivery Hero täglich stellen. Einerseits, um die Erfolge aus einem Land auf ein anderes übertragen zu können. Andererseits, um den angeschlossenen Restaurants Tipps zu geben, wie sie mehr Umsatz erzielen können.

„Für unseren Unternehmenserfolg ist neben vielen Restaurants und schnellem Service vor allem die Auswertung der überall anfallenden Daten verantwortlich“, erklärt Brian Leonard, Head of Data Warehouse bei Delivery Hero. „Die Daten an sich haben wir natürlich, aber sie liegen verstreut in 21 Ländern und haben die unterschiedlichsten Formate. Wir standen daher vor der Herausforderung, uns diese Big Data zunutze zu machen.“

Die Business-Analysten konnten zwar schon früher Analysen erstellen, hatten dabei jedoch nur Zugriff auf lokal vorliegende Daten. Ein Blick über den Tellerrand in andere Länder war nicht möglich. Grund dafür war das Fehlen eines zentralen Data-Warehouses und vor allem, dass die unterschiedlichsten Tabellenverarbeitungen und Datenbanken genutzt wurden und werden. Die Palette reicht dabei von MySQL über PostgreSQL bis hin zu Excel.

Unterschiedliche Datenquellen unter einen Hut bringen

Benötigt wurde eine Lösung, die sicher und flexibel die lokalen Daten weltweit einsammelt, transformiert und in einem zentralen Data-Warehouse ablegt – möglichst binnen weniger Minuten, damit man auf aktuellsten Daten aufsetzen kann. Darüber hinaus wurde eine Integration zwischen Salesforce, dem eingesetzten System für Vertrieb und Kundenservice, und der Backend-Datenbank benötigt.

Auch ein API für die Analyse von Big Data stand auf der Wunschliste sowie die Unterstützung von Tools wie Excel, BIME und GoodData. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass nicht nur Business-Analysten, sondern auch Anwender aus anderen Fachabteilungen Berichte erstellen und abrufen können.

Der Versuch, die Anforderungen mit Pentaho und Shell-Scripts zu lösen, schlug aus Performance- und Flexibilitätsgründen fehl, sodass sich das Data-Warehouse Team auf die Suche nach einer Datenintegrationslösung begab. Dabei evaluierte das Team zuerst die Lösung des Open-Source-Anbieters Talend. Einer der Manager aus dem Data-Warehouse Team hatte bereits in der Vergangenheit erfolgreich mit der Plattform gearbeitet.

Demo vor Ort beim Kunden

Um zu sehen, ob die Lösung den Anforderungen gewachsen ist, wurde ein Consultant engagiert, der vor Ort beim Kunden demonstrieren sollte, wie sich die Software in die bestehende IT-Umgebung einfügen und nutzen lässt. Dazu verknüpfte dieser Datenbanken aus drei Ländern, lud deren Daten herunter und transformierte diese „live“ in eine lokale Datenbank in Berlin.

Aus diesem Datenbestand wurden dann testweise Analysen erstellt, die den Erfolg des Proof of Concept (PoC) bestätigten. „Der Test war so erfolgreich, dass wir keine weiteren Marktstudien benötigten. Zumal Open Source nahe beim für uns wichtigen Thema Java angesiedelt ist“, blickt Brian Leonard zurück.

Seit Anfang 2014 integriert Delivery Hero mittlerweile Daten aus allen Märkten, in denen man vertreten ist, und transformiert diese in das Data-Warehouse in Berlin. Spätestens nach 15 Minuten hat Delivery Hero heute alle notwendigen Daten für Analysen zur Verfügung. Pro Monat fallen dabei circa 20 Gigabyte geänderte beziehungsweise neue Daten an – Tendenz steigend. Mit diesem zentralen Datenmaterial können die Business-Analysten alle nur erdenklichen Anfragen starten und, basierend auf den Ergebnissen, den Kurs des Unternehmens festlegen. Aber nicht nur die Analysten, sondern auch die anderen Mitarbeiter nutzen immer mehr die Chance, sich Fragen basierend auf dem Datenmaterial beantworten zu lassen.

Entwicklung per Drag-and-drop

„Das Tolle für uns war und ist, dass man die Entwicklung von Datenintegrationsjobs per Drag-and-drop durchführen kann und keine Notwendigkeit für klassische Programmierung besteht“, freut sich Brian Leonard. „Und wenn einmal Programmierung gefragt ist, lässt sich alles, was man mit Java realisieren kann, auch mit Talend umsetzen. Ein großes Plus für uns, denn Java-Know-how haben wir im Hause.“

Neue Jobs können die Mitarbeiter von Brian Leonard heute binnen 30 Minuten erstellen. Hinzu kommt, dass die Datenintegrationslösung dem Unternehmen jede Menge Zeit spart. Das ist auch notwendig, denn die Datenmengen (Stichwort „Big Data“), die Datenvielfalt und die unterschiedlichen Datenquellen werden immer größer. „Ein neues Land zu integrieren, ist heute kinderleicht“, so Brian Leonard. „Wir können bestehende Jobs und Prozesse einfach anpassen und wieder verwenden. Das erleichtert uns die weitere Expansion.“

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