Kommentar von Mathias Golombek, Exasol Datenkompetenz fördern – für eine zukunftssichere Arbeitswelt

Autor / Redakteur: Mathias Golombek / Nico Litzel

Wir befinden uns im goldenen Zeitalter der Daten. In den nächsten drei Jahren werden mehr Daten entstehen als in den vergangenen 30 Jahren zusammen. Diese rasante Entwicklung wird die gesamte Arbeitswelt nachhaltig verändern – und vor allem von Nachwuchskräften wird mehr Datenkompetenz gefordert.

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Der Autor: Mathias Golombek ist CTO von Exasol
Der Autor: Mathias Golombek ist CTO von Exasol
(Bild: Exasol)

Nicht nur die bloße Speicherung der Datenmengen, sondern auch deren Auswertung und Weiterverarbeitung gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Transformation hin zur datengetriebenen Arbeitswelt ist in vollem Gange und der sinnvolle Umgang mit Daten rückt für Unternehmen daher immer stärker in den Vordergrund.

Laut Gartner werden Daten und Informationen bis zum Jahr 2022 in 90 Prozent der Unternehmensstrategien eine Rolle spielen. Der Erfolg eines Unternehmens hängt somit maßgeblich vom Umgang mit seinen Daten ab. Hier kommt der Mensch ins Spiel: Die Datenkompetenz der Mitarbeiter ist ein treibender Faktor für die Weiterentwicklung zum datenbasierten Unternehmen. Die Fähigkeit Informationen zu sammeln, zu managen, zu analysieren und anzuwenden ist daher schon jetzt eine Schlüsselkompetenz für Nachwuchskräfte und bestehende Mitarbeiter.

Die Nachwuchskräfte der Zukunft

Für Jugendliche und junge Erwachsene, die gerade ins Berufsleben starten, stellt diese Entwicklung eine Riesenchance dar – theoretisch. Denn eine Generation, die mit Technologien und dem Handy in der Hand aufgewachsen ist, bringt die idealen Voraussetzungen für eine datengetriebene Arbeitswelt mit. Doch ist die Technologie-Affinität der sogenannten Digital Natives wirklich mit Daten-Affinität gleichzusetzen?

Infografik: Über welche Datenkompetenz verfügen Digital Natives?
Infografik: Über welche Datenkompetenz verfügen Digital Natives?
(Bild: Exasol)

Eine aktuelle Studie von Exasol zeigt, welche Eigenschaften den Nachwuchs auszeichnen: Die Mehrheit der Digital Natives erkennt die große Bedeutung von Daten und Datenkompetenz. Von den rund 3.000 Befragten im Alter zwischen 16 und 21 Jahren in der USA, Deutschland und UK glauben knapp drei Viertel, dass sich Daten und Statistiken auf ihr Leben auswirken; mehr als die Hälfte messen der Fähigkeit, Daten zu verstehen dieselbe Bedeutung zu, wie der Lese- und Schreibkompetenz.

Zwar zählen für Data Analytics wichtige Fähigkeiten wie Teamwork, Zuhören, Problemlösung, Informationsvermittlung und Computernutzung zu den Stärken der Generation, aber trotzdem macht es für die Befragten einen großen Unterschied, ob sie Technologien und Anwendungen einfach nutzen oder die zugrunde liegenden Daten in der Praxis ganz spezifisch entwickeln und mit ihnen arbeiten sollen. In Bezug auf ihre künftigen Jobs zeichnet die Digital Natives eine sehr klare Vorstellung aus: Dieser soll vor allem abwechslungsreich sein und etwas bewirken – für den Arbeitgeber wie auch die Gesellschaft.

Die Schließung der Data-Literacy-Lücke

Der Haken an der Sache: Obwohl 78 Prozent der Befragten die wichtige Rolle von Daten im Bildungswesen und bei der Arbeit erkennen, sind nur 52 Prozent der Meinung, dass sie die nötigen Kenntnisse und das erforderliche Selbstvertrauen für die Nutzung der Daten in ihrer Ausbildung erworben haben. Somit ist fast jede zweite Nachwuchskraft nicht ausreichend auf die Arbeitswelt von Morgen vorbereitet.

Diese Data-Literacy-Lücke gilt es zu schließen. Das ist auch im Sinne der Digital Natives, die durchaus Interesse sowie die Soft Skills für Daten und Data Analytics mitbringen und somit Unternehmen bei der optimalen Wertschöpfung entscheidend voranbringen können. Um den Nachwuchs fit für die Arbeitswelt von Morgen zu machen, können Unternehmen und Bildungseinrichtungen die Datenkompetenz aktiv steigern.

Daten in der Schulbildung verankern

Laut der Exasol-Studie macht die Arbeit mit Statistik und Daten 44 Prozent der Befragten Spaß; auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Daten ist vorhanden. Dennoch gibt es Vorbehalte, die es abzubauen gilt. Ein erster Schritt wäre, besser über die Themen Data und Data Analytics zu informieren. Das sollte bereits bei der allgemeinen Schulbildung beginnen und nicht nur spezifische Wahlfächer betreffen. Das fordern die Digital Natives auch selbst: Die Mehrheit ist der Meinung, dass das Erlernen von Datenkompetenz bereits in der Ausbildung eine größere Rolle spielen sollte.

Ein wichtiger Punkt ist hier auch, eine Karriere in der Datenwissenschaft für beide Geschlechter erstrebenswert zu machen. Besonders Frauen benötigen hier mehr Förderung und Aufklärung. Denn während fast ein Viertel der männlichen Befragten glauben, mit Data Analytics vertraut zu sein, trifft dies nur auf 13 Prozent der weiblichen Befragten zu. Auch die Bedeutung von Daten beurteilen die Geschlechter unterschiedlich. 27 Prozent der männlichen Befragten nehmen an, dass Daten einen erheblichen Einfluss auf ihr Leben haben; bei den weiblichen Befragten liegt die Zahl bei nur 18 Prozent.

Unternehmen und Data-Professionals können auch in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen. Die Vernetzung mit örtlichen Schulen und Universitäten und die Gründung von Initiativen zur Frühförderung von Datenkompetenz sind eine gute Möglichkeit, um die jüngeren Generationen richtig und frühzeitig auszubilden. Programme, die Frauen gezielt mit der Thematik vertraut machen, sind genauso wichtig, wie die Aufklärung über das große Potenzial der Daten-Branche für alle Geschlechter. Eine weitere Möglichkeit ist die aktive Teilnahme an Kooperationen, welche die Aufnahme der Datenkompetenz in die Lehrpläne vorantreiben wollen.

Datenkompetenz im Unternehmen fördern

Während jüngere Generationen von der Integration der Datenthematik in die Lehrpläne profitieren, besteht weiterhin Nachholbedarf bei den jungen Erwachsenen. Eine entsprechende Weiterbildung nach dem Berufseinstieg ist deshalb essenziell. Die Verankerung von Datenkompetenz in Unternehmen betrifft jedoch nicht nur Berufseinsteiger: Eine Studie von Accenture hat ergeben, dass lediglich 32 Prozent der Führungskräfte in der Lage sind, aus Daten einen messbaren Mehrwert zu schöpfen, während nur 27 Prozent der Befragten angaben, dass ihre Daten- und Analyseprojekte zu entscheidungsrelevanten Erkenntnissen führen.

Unternehmen, die Daten nutzen wollen, um ihren Erfolg zu steigern, sollten demnach sowohl Berufseinsteiger als auch bestehende Mitarbeiter entsprechend schulen. Dabei ist jedoch auch ein weiterer Wandel zu beachten, auf den Unternehmen vorbereitet sein sollten: Das Mindset der jüngeren Generationen hat sich verändert. Die Übernahme von Führungspositionen oder entscheidenden Rollen auf Entscheider-Ebene scheint für diese Generation nicht besonders erstrebenswert zu sein. Das Erlernen neuer Fähigkeiten, Erfahrungen sammeln oder Data Analytics im Rahmen von Experimenten und Tests zu nutzen sowie „Out-of-the-box“-Denken sind hingegen sehr attraktiv für die Befragten.

Profil zeigen ist entscheidend

Anscheinend bringen die Digital Natives die nötigen Kompetenzen für die Arbeitswelt von Morgen schon mit, auch wenn sie das selbst noch nicht erkennen. Das fehlende Bewusstsein ist auch auf fehlende Kenntnisse der Business-Terminologie zurückzuführen. Begriffe im Datenumfeld – wie Big Data, Data Scientist oder Data Literacy – und deren Bedeutung scheinen unklar, wie auch eine Studentin der Wirtschaftswissenschaften in den USA im Gespräch mit Exasol bestätigt: „Ich finde nicht, dass uns wirklich gezeigt wird, was eine berufliche Tätigkeit im Datenumfeld überhaupt bedeutet, sofern man dieses Thema nicht gerade im Hauptfach studiert. Im Alter von 15 Jahren hatte ich daher überhaupt keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Ich glaube, man geht in dem Alter ganz einfach davon aus, dass es irgendetwas mit Zahlen zu tun hat und somit langweilig ist.“

Der Mangel an Aufklärung führt allerdings auch zu einem Mangel an Interesse. Menschen, die mit Daten arbeiten sind deshalb wichtige Vorbilder und sollten hier Aufklärung leisten. Das Ziel ist es, junge Menschen zu inspirieren, sodass diese einen Einstieg in Daten-Berufe anstreben. Wichtige Aspekte sind dabei Transparenz und das Abbauen von Vorurteilen. Aufklärung über Berufsfelder wie Data Scientist oder Chief Data Officer sind dabei genauso wichtig wie die allgemeine Aufklärung über die Bedeutung von Daten – und zwar berufs- und branchenübergreifend. Das Potenzial dieser Generation sollte auf jeden Fall nicht ungenutzt bleiben.

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