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Interview mit Sergio Galindo, GFI Software, zum IoT „Das Internet der Dinge ist längst keine Utopie mehr“

| Autor / Redakteur: Heather Stewart / Nico Litzel

Beim Internet of Things, kurz IoT, sind alle Gegenstände des Alltags miteinander vernetzt, um autonom untereinander zu kommunizieren. Für den Austausch von Daten ist eine bewusste, vom Menschen gesteuerte Bedienung nicht länger erforderlich. Im Gespräch mit BigData-Insider äußert sich Sergio Galindo, General Manager bei GFI Software, über die wichtigsten Vorteile, Nachteile und Trends rund um dieses Topthema.

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Sergio Galindo, General Manager bei GFI Software
Sergio Galindo, General Manager bei GFI Software
(Bild: GFI Software)

Das IoT deckt weitaus mehr ab als nur die Vernetzung von PCs, Laptops, Smartphones oder Tablets – es umfasst sämtliche eindeutig identifizierbaren Objekte, die in Kontakt mit anderen Objekten stehen. Und da das IoT unzählige neue Möglichkeiten eröffnet, Umsätze zu generieren, Daten zu übertragen, Abläufe effizienter zu gestalten und Kosten zu senken, kommen Unternehmen nicht mehr daran vorbei. Doch zugleich führt das IoT dazu, dass Unternehmen sowohl der Sicherheit physischer IT-Infrastrukturen als auch dem Schutz digitaler Daten noch mehr Aufmerksamkeit schenken müssen.

BigData-Insider: Warum gewinnt das Internet of Things auf einmal so an Bedeutung? Warum gerade jetzt?

Galindo: Lassen Sie mich zuerst auf Ihre zweite Frage eingehen. Technologie ist auch weiterhin die treibende Kraft hinter Innovationen. Prozessoren sind inzwischen so kompakt, ihr Energiebedarf ist gesunken. Außerdem ist die Vernetzung von nicht computergestützten Systemen samt Verwaltung aus der Ferne inzwischen mit all ihrem Potenzial Wirklichkeit geworden. Denken Sie nur an den Thermostat des US-amerikanischen Heimautomatisierers Nest. Das Internet der Dinge hat an Bedeutung gewonnen, da sich uns nun genau die erforderlichen Gegebenheiten bieten, die eine Interaktion mit unzähligen verschiedenen Systemen und Endgeräten sowie deren Verwaltung und den Empfang ausgegebener Daten überhaupt erst möglich machen. Prozessor, Internetverbindung und Vernetzung mit anderen Geräten reichen aus, um Einsatzmöglichkeiten ins Unermessliche steigen zu lassen. Das IoT überzeugt aber auch mit Vorteilen wie einem besseren Gerätemanagement, Kosteneinsparungen oder höherem Bedienkomfort.

Was kann das Internet der Dinge für Unternehmen bewirken? Welche Chancen eröffnen sich?

Galindo: Mithilfe des IoT können Unternehmer das Wesen einer Organisation auf Mikroebene verstehen lernen. Einsparungen und Wachstum durch technologischen Fortschritt, darauf kommt es in Unternehmen an.

Wie werden für das Internet der Dinge konzipierte Applikationen Unternehmen stärken? Welche neuen Geschäftsmodelle sind zu erwarten?

Galindo: Datenströme und Datenmanagement stehen beim IoT im Mittelpunkt. In geschäftlicher Hinsicht wird entscheidend sein, diese Daten richtig deuten zu können. Meines Erachtens wird daher die Bedeutung von Business-Analysten umso mehr zunehmen. Ungeachtet dessen ist es nicht einfach damit getan, Daten auszuwerten. Es kommt natürlich auch darauf an, Maßnahmen daraus abzuleiten, die zum Vorteil eines Unternehmens sind und sein Wachstum fördern.

Welche größeren Probleme sehen Sie im Zusammenhang mit der neuen Technologie?

Galindo: Jede neue Innovation erfordert eine Anpassung an bislang unbekannte Technologien. Und zwar nicht nur, um alle neuen Möglichkeiten auszuschöpfen, sondern auch, um sich auf neue Probleme einzustellen, die zwangsläufig eine Begleiterscheinung sind. So verhält es sich auch beim Internet der Dinge. Laut einer kürzlich von GFI Software durchgeführten Umfrage erwarten über 75 Prozent der befragten IT-Administratoren eine durch das IoT erforderliche Anpassung ihrer Sicherheitsprozesse und -maßnahmen. Nahezu ein Drittel geht davon aus, dass Richtlinien für den Netzwerkzugriff am Arbeitsplatz überarbeitet werden müssen. Darüber hinaus gaben 30 Prozent der Befragten an, dass das IoT zu höheren IT-Ausgaben führen wird. Fast 27 Prozent erwarten, dass das Gerätemanagement durch die zunehmende IoT-Durchdringung aus dem Ruder laufen wird. Als besondere Herausforderung sehen 14 Prozent der IT-Experten, Patches künftig für unterschiedlichste Plattformen bereitstellen zu müssen. Und vor allem wird rund um das IoT zwei Hauptpersonen eine zentrale Rolle zukommen: dem IT-Manager und dem Business-Analysten.

Wie sieht das Zusammenspiel zwischen dem Internet der Dinge und anderen Technologien wie der Cloud, Big Data, sozialen Netzwerken und Mobilgeräten aus?

Galindo: Das Internet der Dinge ergänzt die Vorteile der Cloud, fördert die Nutzung sozialer Netzwerke und stärkt insbesondere die Interaktion mit Mobilgeräten. Durch diese begleitende Funktion erhalten wir Zugang zu unterschiedlichsten Daten und können künftig auch aus der Ferne reagieren.

Welche Regulierungsmaßnahmen sind vonseiten des Gesetzgebers geplant? Wie werden bereits bestehende Rechtsvorschriften auf das Internet der Dinge angewendet?

Galindo: Es haben sich auf Seiten der Tech-Branche gleich mehrere Interessengruppen mit einigen Big Playern an der Spitze formiert. Beispielsweise das Open Interconnect Consortium, die Thread Group oder auch die Allseen Alliance.

Wie wird es bei der Regulierung bzw. Standardisierung des Internets der Dinge weitergehen?

Galindo: Für die Zukunft wird entscheidend sein, sich auf feste Standards zu einigen. Auch der Markt wird die Standardisierung vorantreiben. Endverbraucher verlieren schnell an Geduld und wollen sich nicht mit unterschiedlichen Plattformen oder Standards abgeben müssen. Zudem hängt die erfolgreiche Vernetzung der Endgeräte untereinander ebenfalls von einer Standardisierung ab. Ich bin der Auffassung, dass sich das IoT bis zu einem gewissen Grad innerhalb der Grenzen, die von anderen ausgereiften und akzeptierten Regulierungen wie beispielsweise im Sicherheitsbereich bereits gesteckt sind, von selbst regulieren wird.

Wie sieht es mit aktuellen und kommenden Trends rund um das IoT aus? In welche Richtung wird es sich Ihrer Meinung nach in den kommenden eineinhalb Jahren weiterentwickeln?

Galindo: Fakt ist: Das Internet der Dinge ist längst keine Utopie mehr und es wird sich unaufhaltsam in seinen Möglichkeiten entfalten. Einzig die ausbleibende Akzeptanz durch Endkunden und der fehlende Weitblick von Unternehmen, welch großer Mehrwert sich durch die allumspannende Vernetzung bietet, könnten das Wachstum ausbremsen.

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