Kommentar von Andy Walsky, Overland Storage Das Comeback von Tape

Autor / Redakteur: Andy Walsky / Nico Litzel

Zur Überraschung Vieler ist Tape nicht nur nicht vom Markt verschwunden, sondern erfreut sich in letzter Zeit ungeahnter Wachstumsraten. Gründe hierfür gibt es viele: Die Datenexplosion, Big Data und neue Tape-Techniken verhelfen dem Band zu einem Comeback.

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Andy Walsky, VP of EMEA Sales & Marketing bei Overland Storage
Andy Walsky, VP of EMEA Sales & Marketing bei Overland Storage
(Foto: Overland Storage)

Falls es der eine oder andere noch nicht mitbekommen haben sollte: Die Daten unserer Welt explodieren! Diese aus der englischen Sprache entlehnte Analogie der Datenexplosion klingt im Deutschen natürlich viel langweiliger: Eine exponentiell ansteigende Datenmenge klingt nun mal einfach nicht so dramatisch wie eine „Data Explosion“ wenn man bedenkt, dass 90 Prozent aller Daten auf der Welt erst in den vergangenen beiden Jahren erzeugt wurden.

Die Schuldigen sind schnell identifiziert: Facebook, Videos allerorten, Smartphones, Online-Banking, Twitter, WhatsApp und GPS-Systeme spielen hierbei alle ihre Rolle und generieren weiter fleißig Daten, die in den immer größer werdenden Mega-Datenzentren der Welt gespeichert werden.

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Aber auch viele normale Unternehmen stehen vor der Herausforderung, mehr und mehr Daten speichern zu wollen oder zu müssen, auch um Gesetze zur Datenspeicherung einzuhalten. Damit betrifft die Datenexplosion nicht nur die Facebooks, Googles und Amazons dieser Welt, sondern so gut wie jedes Unternehmen, das Daten generiert und speichert.

Wie jedoch sichert man Daten auf lange Zeit sicher und effizient, um darauf später bei Bedarf wieder zugreifen zu können? Immerhin ist einer der propagierten Nutzen von Big Data, Schlüsse aus alten Daten ziehen zu können.

Tape als Teil der Lösung von Big Data?

Eine Lösung, die dieses Problem adressiert, ist tatsächlich der Tape-Speicher. Obwohl sich in den vergangenen Jahren die meisten Neuentwicklungen um Festplatten-Speicher drehten, blieb der Tape-Speicher weiterhin ein wichtiger Bestandteil der IT-Infrastruktur. Bei einer Befragung von 1.000 Unternehmen in Großbritannien durch das Marktforschungsinstitut Vanson Bourne zeigte sich, dass 83 Prozent der Unternehmen noch immer auf Tape setzen, um ihre Daten zu sichern. Und mehr als die Hälfte dieser Unternehmen plant weitere Investitionen in Tape noch vor dem Jahr 2015.

Dass Tape noch lange nicht zum alten Eisen gehört, ist also nichts wirklich Neues. Dass Tape allerdings eine wichtige Rolle bei Big Data und Cloud Computing spielt, dürfte so manchen überraschen, der ob des Geschwindigkeitsvorteils eher auf SSDs getippt hatte.

Eine Studie von Intersect360, die Big-Data-Anwendungen untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass 35 Prozent der Befragten Unternehmen Tape als Teil ihrer Speicherinfrastruktur für Big Data nutzen. Ganz offenbar ist Tape also eine Realität, nicht nur bei der normalen Speicherung von Daten, sondern auch bei Big Data.

Kosten, Ausfallsicherheit und Innovation sprechen für Tape

Im Mai 2012 gaben zwölf Tape-Hersteller eine gemeinsame Erklärung ab, die die Bedeutung von Tape für Big Data bekräftigte. Darin wurden eine Reihe großer Unternehmen genannt, die Tape als Teil ihrer Speicherinfrastruktur einsetzen und die Vorteile dieser Technik nutzen, um besonders große Datensätze zu sichern.

Auch die Langlebigkeit des Mediums und seine geringen Kosten wurden genannt, genauso wie eine hohe Datenintegrität und zahlreiche Schnittstellen zu unterschiedlichen Dateisystemen. Mit diesen positiven Eigenschaften spielt Tape in Sachen Kosten, Ausfallsicherheit und Innovation in der ersten Liga der Speichermedien mit.

Gerade wenn es um die Kosten geht, so ist es Dank der Standardisierung der LTO-Technik gelungen, höchste Kapazität, eine hohe Geschwindigkeit, eine energieeffiziente Performance und ein effizientes Datenmanagement unter einen Hut zu bringen. Forscher der Clipper Group berichten von Ergebnissen, die belegen, dass die Energiekosten für Festplatten im Vergleich zu Tape über einen Zeitraum von fünf Jahren gesehen 290-mal höher lagen.

Im Lauf der vergangenen zehn Jahre hat sich Tape-Technik enorm entwickelt. So stiegen die Transferraten von nur sechs Megabyte pro Sekunde auf 1,3 Terabyte pro Stunde und die Kapazität erhöhte sich von 40 Gigabyte auf 6,25 Terabyte pro Cartridge. Abgesehen davon können diese haltbaren Kassetten einfach transportiert werden, was Vorteile bei der Auslagerung von Daten an einen anderen Ort oder den Transport von sehr großen Datenmengen bedeutet.

Tape-Speicher ist also bereits jetzt eine starke Lösung für Unternehmen, die Daten auf lange Sicht speichern wollen und die auf den idealen Mix aus Kapazität, Energieeffizienz und Mobilität setzen wollen. Und seitdem LTFS mit neuen Funktionen wie Drag-and-drop aufwartet, sehen Storage-Experten eine neue Welle von Tape in den Datenzentren der Welt.

Disk, Flash, Cloud oder Tape – die Mischung macht’s!

Die meisten Unternehmen werden gezwungen sein, verschiedenen Speichermedien und -plattformen zu mischen, um sowohl kurz- als auch langfristige Ziele zu erreichen. Disk-, Tape- und Cloud-Speicher werden in unterschiedlicher Mischung mit dabei sein, um in den Unternehmen eine effektive und nahtlose Lösung zu erreichen. Beim anhaltenden Anstieg der Datenmenge scheint es tatsächlich utopisch zu sein, auf Tape verzichten zu wollen.

Auch in der Cloud spielt Tape eine wichtige Rolle. Das White Paper des Information Storage Industry Consortium „International Magnetic Tape Storage Roadmap“ von Ende 2011 argumentierte, dass die Beständigkeit und die Möglichkeiten zur Verschlüsselung das Tape ideal für den Einsatz im Hintergrund von Cloud-Speichern machen würde. Auch dass Tape-Speicher analog zu Cloud-Speichern weiter wachsen würden, wurde prognostiziert – immerhin mit einer Wachstumsrate von 45 Prozent bis 2015.

Heute ist Tape ein Markt, der 2,3 Milliarden US-Dollar schwer ist und der seine Heimat in der Backup- und Archivierungsindustrie hat. Wenn Hersteller und ihre Partner im Channel ihren Kunden die am besten gemischte Speicherplattform anbieten wollen, um für Big Data und Cloud gewappnet zu sein, so sollten sie sicher gehen, dass Tape auch weiterhin ein Bestandteil ihres Portfolios ist.

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