Kommentar von Frank Cappel, Coupa Software Community Intelligence – mit geteiltem Wissen gemeinsam profitieren

Autor / Redakteur: Frank Cappel / Nico Litzel

Um in unserer global vernetzten Welt erfolgreich sein zu können, sind Daten nicht nur wichtig – sie sind das neue Öl. Umso höher sind die Mauern, die Unternehmen aller Branchen um ihr Heiligtum ziehen. Nichts widerstrebt ihnen mehr, als ihr Wissen mit anderen zu teilen. Paradoxerweise ist es aber genau das, was sie tun müssen, um auch auf lange Sicht konkurrenzfähig zu bleiben. Und mehr noch als das: Community Intelligence eröffnet völlig neue Möglichkeiten, die weit über die traditionellen Geschäftsmodelle hinausgehen.

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Der Autor: Frank Cappel ist Regional Vice President, Value Solutions Consulting EMEA bei Coupa Software
Der Autor: Frank Cappel ist Regional Vice President, Value Solutions Consulting EMEA bei Coupa Software
(Bild: Kevin Holding Photography Surrey Photo)

Egal ob Google Maps, Amazon oder AirBnB: All diese Unternehmen haben verstanden, dass es längst nicht mehr darauf ankommt, Daten in großen Mengen anzuhäufen. Viel wichtiger ist es, die richtigen Schlüsse daraus ziehen und darauf basierende Entscheidungen zu treffen. Doch anstatt selbst Kosten und Zeit in den Aufbau einer Datenbank zu investieren, stützen sie sich auf die Informationen, die andere bereitstellen. Während Google Maps beispielsweise passiv gesammelte Verbraucherdaten analysiert, um den Verkehr auf verschiedenen Reiserouten zu bewerten, verlassen Amazon und AirBnB sich auf die Bewertungen ihrer Nutzer, die potenziellen Käufern dabei helfen sollen, ebenfalls eine Kaufentscheidung zu fällen. So wurde aus Ideen innerhalb kürzester Zeit ein Milliardengeschäft, welches ohne die Nutzung extern gesammelter Daten niemals vorstellbar gewesen wäre. Allein Amazon hat sich innerhalb von gerade einmal 25 Jahren zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt gemausert.

Das, was in verbraucherorientierten Branchen längst gang und gäbe ist, gehört im B2B-Bereich noch immer eher zur Ausnahme. Dabei können vor allem junge Unternehmen profitieren, da sie häufig nicht die notwendigen Ressourcen besitzen, um sich einen eigenen Datenpool aufzubauen. Informationen, die andere bereits vor ihnen gesammelt haben und immer wieder in aktualisierter Form zur Verfügung stellen, bieten ihnen deshalb völlig neue Wachstumsmöglichkeiten.

Aber auch für Unternehmen, die bereits seit Längerem bestehen, bietet das viele Chancen. Der wohl größte Vorteil besteht dabei im Benchmarking. Für Unternehmen ist es äußerst wichtig, zu wissen, welche Rolle sie genau im Wettbewerb spielen. Bisher ziehen sie zur Analyse dessen jedoch häufig Drittdaten und externe Berater hinzu, deren Grundlage sie nicht durchschauen können. Im schlimmsten Fall stützen sie sich hier auf Informationen, die nicht vollständig oder nicht mehr aktuell sind – und alle Bemühungen waren umsonst. Community Intelligence kann genau dieses Problem lösen. Das Prinzip ermöglicht es, den Blick nach außen zu wenden und Milliarden anonymer Transaktionen zu verfolgen. So können sie im Vergleich mit den eigenen Konkurrenten interne Probleme identifizieren, die erst in einem größeren Kontext überhaupt sichtbar werden.

Community Intelligence in der Praxis

Vor allem was die Lieferanten betrifft, lohnt es sich für Unternehmen, einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu werfen. Denn häufig arbeiten sie über Jahre hinweg mit denselben Partnern zusammen, ohne jedoch jemals die Qualität zu hinterfragen. Dass Kosten unverhältnismäßig hoch oder Lieferzeiten zu lang sind, lässt sich aber erst dann erkennen, wenn sie mit denen anderer Unternehmen verglichen werden. Ein Beispiel: Mithilfe von Community Intelligence lässt sich feststellen, dass ein Lieferant allen anderen Unternehmen bereits automatisch eine elektronische Rechnung zukommen lässt, während das eigene immer noch ein manuell erstelltes Dokument erhält. Dieses ist jedoch nicht so leicht zu verarbeiten, was mehr Aufwand und damit auch mehr Geld kostet. Ohne das Wissen, was außerhalb des eigenen Unternehmens passiert, wäre es nicht möglich, solche Optimierungen zu erkennen.

Auch im Kontext der Pandemie stellte sich das als äußerst hilfreich heraus. Alltägliche Produkte wie Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmittel waren und sind nach wie vor essentiell, um die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Gerade im Frühjahr, also kurz nach dem Ausbruch des Coronavirus, war es aber alles andere als einfach, diese stets in ausreichendem Maße zu beschaffen. An dieser Stelle auf das anonyme Wissen anderer zurückgreifen zu können, hat für viele den entscheidenden Unterschied gemacht. Denn so war es Unternehmen möglich, sich datenbasiert für den richtigen Lieferanten zu entscheiden, anstatt deren Vertrauenswürdigkeit zuerst selbst testen oder sich auf subjektive Empfehlungen verlassen zu müssen. So war es ihnen möglich, schneller Entscheidungen zu treffen und alle damit zusammenhängenden Prozesse möglichst effizient zu halten.

Die Zukunft beginnt jetzt

Bis vor nicht allzu langer Zeit war der Status Quo noch ein völlig anderer. Es profitierte vor allem der, der mehr wusste als seine Konkurrenz und dem es zusätzlich gelang, dieses Wissen gut unter Verschluss zu halten. Sensible Informationen, die geleakt wurden, kamen zu dieser Zeit einer Katastrophe gleich. Dabei ist das Prinzip der Schwarmintelligenz längst kein Neues. Schon in der Steinzeit war der Mensch erfolgreicher, wenn er sich mit anderen zusammentat und in der Gruppe auf die Jagd ging. Wieso ist die Entwicklung also erst jetzt im B2B-Geschäft zu beobachten? Die Antwort darauf ist so kurz wie simpel: Einfach, weil es jetzt erst möglich ist. Machine Learning, Künstliche Intelligenz und moderne Cloud-Technologien haben die Spielregeln völlig neu definiert. Sie erlauben es, gigantische Datensätze intelligent zu sortieren und anschließend Erkenntnisse daraus zu generieren, die fürs menschliche Auge kaum sichtbar wären – und das alles in Echtzeit.

Die Fähigkeit, sich mit anderen auch über große Entfernungen hinweg zu verbinden und private Einblicke mit anderen zu teilen, ist vor allem für jüngere Generationen längst selbstverständlich. Sie haben das Internet und die Möglichkeiten, die es bietet, quasi mit der Muttermilch aufgesogen und werden heute nicht umsonst als „Digital Natives“ bezeichnet. Eine ähnliche Haltung auch im Unternehmenskontext zu etablieren, erfordert einen tiefgreifenden Kulturwandel. Unternehmen müssen endlich von dem bisherigen Konkurrenzdenken abrücken. Stattdessen ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, das durch den gemeinsamen Zugriff auf Community-Daten der Wirtschaft als Ganzes geholfen wird – und zwar ganz ohne dabei die eigenen Geschäftsgeheimnisse oder -strategien zu beschädigen.

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