Interview mit Gregor Zeiler, Trivadis

„Big Data ist nicht automatisch eine Erfolgsstory“

| Redakteur: Nico Litzel

Gregor Zeiler, Senior Solution Manager BI/Big Data bei Trivadis
Gregor Zeiler, Senior Solution Manager BI/Big Data bei Trivadis (Bild: Trivadis)

Welche Chancen bieten Big-Data-Analysen und welche Tragweite hat die Digitale Transformation für Unternehmen? Darüber konnte BigData-Insider mit Gregor Zeiler sprechen, Senior Solution Manager BI/Big Data bei Trivadis.

BigData-Insider: Was verstehen Sie unter dem Begriff „Digitale Transformation“ und welche Bedeutung messen Sie diesem Thema bei?

Zeiler: Die Bedeutung des Themas ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dabei ist jedoch festzustellen, dass es keine einheitliche Definition oder Sichtweise gibt. Der Begriff Digitale Business-Transformation repräsentiert für mich einen großen Evolutionsschritt in der zukünftigen Geschäftsausrichtung der Unternehmen. Ähnlich wie Industrie 4.0 − die 4. industrielle Revolution − nur nicht so eng auf eine Branche bezogen. Das Schöne an diesem neuen Hype-Begriff ist aber, dass er mehr von der Bedarfsseite der Unternehmen ausgeht und nicht vorrangig von der Anbieterseite gepusht wird, wie im Falle von Big Data. Man könnte es auch so formulieren: „Digitale Business Transformation ist der sehnlich erwartete konkrete Anwendungsfall für Big-Data-, Analytics- und Cloud-Technologien.

Was fordern Ihre Kunden heute im Big-Data-Kontext? Haben sich die Ansprüche in den vergangenen Jahren verändert?

Zeiler: Kunden wissen heute viel mehr als früher, was mit Daten möglich ist. Zudem sind die Analyse- und Auswertungsmöglichkeiten schneller, umfassender und tiefgehender geworden. Business Intelligence entwickelt sich von der Spezialanwendung, mit der ab und zu aufwendige Recherchen für das Top-Management betrieben wurden, zu einer Standardanwendung für die meisten Geschäftsbereiche. Das beschreibt die Forderungen, die Kunden an uns stellen: „Zeigt uns, was mit unseren Daten möglich ist und helft uns dabei, die Analysen, die wir brauchen, schnell zugänglich zu machen.“

Welche Herausforderungen sehen sie für Big-Data-Anwendungen in den nächsten Jahren?

Zeiler: Big Data ist nicht automatisch eine Erfolgsstory. Das heißt, wir müssen schon genau hinsehen, wo sich der Aufwand lohnt, insbesondere, ob sich die Informationen, die wir für Kunden aus Big Data gewinnen, auch in Geschäftsvorteile umwandeln lassen. Neue Erkenntnisse erzielen keinen Nutzen, wenn sie nicht in einen Wettbewerbsvorteil oder womöglich sogar ein neues Geschäftsmodell münden. Wir müssen also immer den Nachweis führen, dass sich der Aufwand in puncto Big Data für Kunden lohnt. Auf der technischen Ebene gilt es sicher, die existierenden Datensilos zu konsolidieren und zu umfassenden analytischen Daten-Management-Lösungen zu verbinden. Hier wartet noch viel Arbeit auf uns.

Das Internet der Dinge fußt auf der massenhaften Erfassung von Daten. Wie bereiten Sie Ihre Kunden auf die Anforderung der Industrie 4.0 vor?

Zeiler: Die schiere Datenmenge einfach zu speichern und irgendwann zu irgendeinem Zweck auszuwerten, funktioniert nicht. Hier ist Erfahrung im Umgang mit Daten gefragt, um von Beginn an zu klären, wie Daten übermittelt, abgelegt, gefiltert und analysiert werden können – ein Geschäft, das wir schon seit über 20 Jahren betreiben. Unser Geschäftsmodell ist es dabei, alle unsere Angebote als Services bereitzustellen, sodass wir unsere Kunden an jeder Stelle des Prozesses unterstützen können; vom Betrieb der Lösung bis hin zum Angebot von Apps aus der Cloud oder Verwaltungs-Tools für Datenbanken.

Der Umgang mit großen Datenmengen bereitet insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen mit begrenzten Ressourcen große Schwierigkeiten. Wie profitieren auch sie von den Chancen der Digitalisierung?

Zeiler: Der Schlüssel zum Erfolg für Unternehmen jeder Größe, auch die mittleren und kleinen, ist die Cloud und sind Services. Wer seinen Bestand an IT-Infrastruktur nicht unnötig aufblähen will, nutzt Dienste aus der Cloud. Die Kunst ist es dann, Cloud Services mit der bestehenden Infrastruktur zu verbinden. Kein Unternehmen wird Tabula rasa in der IT machen und dann in der Cloud bei null anfangen. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre alten Systeme mit der neuen Welt zu verbinden und ihnen so den Weg in die Digitale Transformation zu ebnen – unabhängig von ihrer Größe oder ihrer Branche.

In welchen Bereichen sehen Sie das größte Potenzial für Big-Data-Analysen?

Zeiler: Das größte Potenzial ist sicher an der Schnittstelle zum Kunden zu finden. Das Zusammenführen aller Informationen aus den unterschiedlichen Interaktionskanälen mit dem Kunden und daraus Mehrwertangebote und -Services abzuleiten, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit massiv. Damit sind nicht nur die klassischen Kontaktpunkte aus Marketing und Vertrieb gemeint, sondern z. B. auch Nutzungsdaten aus IoT-angebundenen Produkten, wie Hausgeräten, Autos und Smartphones. Für Industrie- und anlagenorientierte Unternehmen sind aber auch große Potenziale aus den Zustandsdaten der Produktionsmittel zu Optimierungszwecken immens wichtig. Der Bogen lässt sich da sicher uneingeschränkt über alle Branchen spannen und in vielen Bereichen sind uns die Potenziale aus Big Data noch nicht einmal bekannt oder bewusst.

Welche Marktchancen tun sich dank komplexer Datenanalysen auf, wo liegen die Risiken?

Zeiler: Wenn die Vorüberlegungen bei Big-Data-Projekten stimmen, gibt es eigentlich keine Risiken. Data Analysten, Data Scientists und weitere Business-Intelligence-Experten verstehen üblicherweise, welche Informationen sie dem operativen Geschäftsbereichen bereitstellen müssen, damit das Business ihres Unternehmens weiter vorangebracht wird. Es kommt darauf an, eine gemeinsame Sprache zwischen Datenexperten und Business-Experten zu finden, damit die richtigen Analysen gefahren werden. Unsere Aufgabe ist es dabei, Systeme und Daten so zu organisieren, dass die richtigen Informationen mit angemessenem Aufwand bereitgestellt werden können. Es liegt also in der Kreativität und dem Ideenreichtum von Unternehmen – Top-Management, Business Development, Think Tanks – sich der verborgenen Informationsschätze im Datenmeer bewusst zu werden, um damit ihr Business voranzubringen. Wir helfen Kunden, ihre bestehenden IT-Systeme soweit zu modifizieren und mit neuen Technologien anzureichern, dass sie Big Data oder Cloud-basierte Technologien oder auch das Internet der Dinge, in ihre IT-Welt integrieren können.

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