Analystenmeinungen zu Big Data Big Data: Ein Milliarden-Dollar-Markt kann kein Fehler sein

Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Selbst die großen Analystenhäuser tun sich mit dem Thema Big Data/Analytics schwer. Das eine kämpft sich durch multidimensionale Funktionalitäten, das andere weiß nicht genau, ob es ein Speicher- oder Compute-Problem ist. Und wieder ein anderes fragt sich, ob in den großen Datenmengen noch unbekanntes Wissen der Menschheit begraben liegt. Eine langsame Annäherung an ein polarisierendes Thema.

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Big-Data-Marktvolumen nach Segmenten in Deutschland in Millionen Euro.
Big-Data-Marktvolumen nach Segmenten in Deutschland in Millionen Euro.
(Bild: Experton Group)

2012 tauchte das Schlagwort Big Data erstmals in den Top-Ten-Listen der Analysten auf. Techniken zur Bewältigung der gewaltigen aus unterschiedlichen Quellen stammenden Datenberge stehen bei ihnen eigentlich schon lange auf den Agenden, wenngleich mit einem anderen Etikett versehen. Next-Gen, Advanced, Business oder Actionable Analytics und Business Intelligence lauten die hierfür von ihnen in der Vergangenheit verwandten Begriffe, hinter denen sich im Wesentlichen eines verbirgt: aus der immer größeren Menge an Informationen geschäftlichen Nutzen zu ziehen.

Weltweites Marktvolumen von Big Data in Milliarden Dollar.
Weltweites Marktvolumen von Big Data in Milliarden Dollar.
(Bild: Wikibon)

Einigkeit herrscht, dass die Flut an auswertbaren Daten künftig zunimmt. Die Omnipräsenz mobiler Anwendungen und standortgebundener Dienste, Informationen von Sensoren und Messgeräten (Maschine-zu-Maschine-Daten) oder vernetzte, mit dem Internet verbundene Geräte – Stichwort „Das Internet der Dinge“ – leisten dieser Entwicklung Vorschub. Dementsprechend rosig fallen die Marktaussichten einschließlich der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate aus, die sich bis 2017 stets um die 30-Prozent-Marke bewegen soll.

Die Verlockungen großer Wachstumsraten

IDC, Wikibon, Experton, Gartner, Ovum, Forrester und Pierre Audoin Consultants – sie alle stoßen ins gleiche Horn: Big Data und Analytics sind Kernthemen der Informationstechnik, mit denen sich Unternehmen befassen müssen. IDC rechnet damit, dass sich der Gesamtumsatz in diesem Jahr auf 16,1 Milliarden Dollar belaufen wird. 45 Prozent davon sollen auf Infrastrukturlösungen wie Server und Storage entfallen, Dienstleistungen 29 Prozent und Software 24 Prozent des Kuchens ausmachen. Die Analysten von Wikibon und Gartner gehen sogar einen großen Schritt weiter und beziffern das Volumen auf 27,9 Milliarden respektive 34 Milliarden Dollar.

Gemäß einer Experton-Studie eine Tendenz, die sich auch in Deutschland abzeichnet. Big-Data- und Analytics-Lösungen sollen den Anbietern hierzulande bis zum Ablauf 2014 knapp eine Milliarde, 2016 bereits 1,7 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Doch trotz vielversprechender Zahlen handelt es sich bei dem Geschäft bislang um keinen gefestigten, etablierten Mainstream-Markt. Wohl sind sich Unternehmen durchaus bewusst, dass Daten ein kostbarer Schatz sind, den es zu heben gilt. Doch die Umsetzung entsprechender Projekte stellt aufgrund der Vielschichtigkeit der Lösungsansätze, Technologien und verfügbaren Produkte in vielen Fällen nach wie vor eine Herausforderung für sie dar.

Dies bestätigt die Gartner-Analystin Debra Logan, nach deren Auffassung sich Firmen zwar bemühen, aus ihren Datensilos wertvolle Einsichten zu gewinnen, und zudem dabei sind, neue Techniken zu erproben. Das alles befinde sich jedoch in einer sehr frühen Phase. Ihr Kollege Frank Buytendijk teilt diese Position. Nach seiner Einschätzung befindet sich die überwiegende Mehrheit an Unternehmen bis dato in der Vorbereitung, experimentiert und sammelt Know-how.

Erst kommt die Pflicht, dann die Kür

Trotz der generell positiven Marktbeurteilung vertritt auch IDC den Standpunkt, dass sich Big Data einschließlich Analytics nicht in der erhofften Geschwindigkeit in Vorhaben und Initiativen mit Leuchtturmcharakter widerspiegelt. Als Grund führen die Analysten an, dass bei vielen Unternehmen – insbesondere in Deutschland – Grundfragen rund um die Speicherung, das Management, die Absicherung und Bereitstellung von Daten ungelöst sind.

Weltweites Marktvolumen von Big Data in Milliarden Dollar.
Weltweites Marktvolumen von Big Data in Milliarden Dollar.
(Bild: Wikibon)

Dies geht aus einer Studie hervor, in der IT-Verantwortliche zu langsame Zugriffszeiten, unzureichende Schutzmaßnahmen, Speicherknappheit und einen zu hohen Anteil an veralteten Informationen beklagen. Laut Matthias Zacher, der als Senior Consultant bei der Frankfurter IDC-Dependance tätig ist, „ist das Daten-Management in vielen Unternehmen eine Dauerbaustelle“. Ihm zu Folge steht daher zunächst auf der Tagesordnung, „das Fundament in Ordnung zu bringen, um über eine saubere Basis für Analysen und die Entscheidungsunterstützung zu verfügen“.

Eine Hürde stellt für die Analysten zudem der Engpass an erfahrenen Experten dar. Hierbei berufen sie sich auf eine 2013 durchgeführte Untersuchung, in deren Rahmen 33 Prozent der Befragten den Mangel an ausreichend ausgebildeten Big-Data- und Analytics-Fachkräften monierte.

Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sieht IDC allenfalls in vier bis fünf Jahren, erst dann greifen aus ihrer Warte die an den Universitäten in jüngster Zeit rund um das Thema Data Sciences ins Leben gerufenen Studiengänge. Zwischenzeitlich schließen aus ihrer Perspektive spezialisierte Dienstleister die Lücke, deren Umsatz in diesem Jahr 4,5 Millarden US-Dollar betragen und deren Zahl sich bis 2017 verdreifachen soll.

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Neue Big-Data-Technik soll als Katalysator wirken

Die Adaption aktueller Technologien seitens der Unternehmen entscheidet für die Analysten von Ovum und Wikibon darüber, wie schnell sich der Big-Data-Markt tatsächlich in die gewünschte Richtung entwickelt. Einen besonderen Stellenwert messen sie dabei neuen Datenbanksystemen sowie Analytics- und Business-Intelligence-Werkzeugen bei.

Ovum ist beispielsweise davon überzeugt, dass die Verbreitung von Hadoop- und NoSQL-Plattformen auf der einen und siliziumbasierender Speicher (DRAMs, SSDs und Flash) auf der anderen Seite den Nährboden für weitere Big- und Fast-Data-Anwendungen bereitet.

Hadoop- und NoSQL-Software und -Services sind auch künftig gleichermaßen gefragt.
Hadoop- und NoSQL-Software und -Services sind auch künftig gleichermaßen gefragt.
(Bild: Wikibon)

Fraglich ist allerdings, ob schon 2014, wie gerne behauptet wird, die Early-Adopter-Phase beendet und der Markt in ein gereifteres Stadium eintreten wird. Die Äußerung des bei dem Analystenhaus tätigen Principal Analyst Software Enterprise Solutions Tony Baer, dass einige der Ansätze noch im Frühstadium sind und es sich teilweise um proprietäre Implementierungen handelt, lässt daran zweifeln.

Ähnlich verhält es sich mit den Vorhersagen von Wikibon. Die Verfügbarkeit ausgereifter Hadoop- oder NoSQL-Software, In-Memory-Techniken und Analytik-Dienste erachten die Marktbeobachter zwar ebenso wie ihre Kollegen als Wachstumslokomotive. Gleichwohl glauben sie wie IDC, dass das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter dem rasanten Aufschwung einen Dämpfer verleihen könnte.

Für kontraproduktiv halten sie zudem, dass die überwiegende Zahl an Herstellern sich darauf beschränkt, die technischen Leistungsmerkmale ihrer Produkte herauszustellen, anstelle Unternehmen die durch ihren Einsatz entstehenden greifbaren Vorteile aufzuzeigen. Ebenfalls kritisieren sie, dass die Anbieter in sich geschlossenen Lösungen den Vorzug geben, anstelle auf offenen Frameworks aufzubauen. Insofern bleibt abzuwarten, ob das Jahr 2016, wie von Gartner vorhergesagt, den Wendepunkt markiert und sich die Wachstumsprognosen in der Realität bewahrheiten.

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