Auch im IoT kommt es auf die User Experience an

Application Intelligence im Internet of Things

| Autor / Redakteur: Karsten Flott / Andreas Donner

Ob eine IoT-Lösung akzeptiert wird, hängt von ihrer User Experience ab – ein Schlüssel auf dem Weg zu optimaler UX ist Application Intelligence.
Ob eine IoT-Lösung akzeptiert wird, hängt von ihrer User Experience ab – ein Schlüssel auf dem Weg zu optimaler UX ist Application Intelligence. (Bild: © metamorworks - stock.adobe.com)

Das Internet of Things (IoT) etabliert sich in immer mehr Lebensbereichen, vom Smart Home über Fitness-Tracker bis hin zum vernetzten Auto. Das eröffnet Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle und Lösungen auf Basis von IoT zu entwickeln. Damit solche neuen Angebote erfolgreich sind, ist es allerdings notwendig, die Nutzer "mitzunehmen".

In Deutschland wird das Internet der Dinge oft mit der Vernetzung von Systemen in der Industrie oder von Fahrzeugen gleichgesetzt. Doch mittlerweile gibt es viele Projekte, die über Industrie 4.0 und Connected Car hinausreichen. So dreht sich nach Angaben des Hamburger Marktforschungshauses IoT Analytics ein Drittel der IoT-Projekte in Europa um den Bereich Smart Home und vernetzte Gebäude. Fast 30 Prozent sind im Bereich Connected Health angesiedelt. Dazu zählen Apps und Systeme wie Smart Watches, die Gesundheits- und Fitnessdaten erfassen und auswerten. So verfügen mittlerweile 60 Prozent der Deutschen über mindestens ein smartes Gerät.

Diese Zahlen belegen, dass IoT-Lösungen bei Konsumenten und Unternehmenskunden auf positive Resonanz stoßen. Für die Anbieter entsprechender Produkte eröffnen sich dadurch Optionen, um Nutzern ergänzende Services anzubieten. Ein Beispiel ist die proaktive Wartung von Maschinen und Fahrzeugen (Predictive Maintenance). Sensoren an einem Auto oder einer Werkzeugmaschine erfassen kontinuierlich Daten und übermitteln diese an den Hersteller oder einen Servicepartner. Dieser kann anhand der Informationen abschätzen, wann eine Maschine gewartet oder mit neuen Werkzeugen bestückt werden muss. Solche Wartungsarbeiten lassen sich somit besser planen zeitlich und dann vornehmen, wenn der Produktionsablauf nicht beeinträchtig wird.

Anbieter und Kunde bleiben in Kontakt

Vergleichbare Services kann ein Autohändler anbieten. Müssen die Bremsscheiben erneuert werden oder bahnt sich ein Problem mit der Lichtmaschine an, erhält der Fahrzeugbesitzer einen Hinweis seiner Werkstatt. Die kann dem Kunden parallel dazu Vorschläge für einen Wartungstermin unterbreiten und ihm für die Dauer der Reparatur einen Leihwagen anbieten.

Solche Zusatzservices, die auf IoT aufsetzen, haben für beide Seiten Vorteile: Der Kunde fühlt sich optimal betreut und er hat die Gewähr, dass es zu keinen Problemen mit der Maschine oder seinem Fahrzeug kommt. Der Anbieter wiederum kann anhand der Daten der IoT-Komponenten besser abschätzen, welche ergänzenden Funktionen er in seine Produkte integrierten sollte und welche neuen Services für Kunden interessant sind. Auf diese Weise kann ein Anbieter neue Einnahmequellen erschließen.

Mindestens ebenso wichtig ist ein weiterer Faktor: Der Anbieter und der Nutzer bleiben in Kontakt und tauschen sich aus: Der Hersteller erfährt, wo den Nutzer „der Schuh drückt“. Der Kunde wiederum kann dem Anbieter Hinweise geben, wie dieser seine Produkte und Services weiter optimieren und noch besser auf die Anforderungen der Nutzer zuschneiden kann.

Herausforderung: Bedienung und Nutzererfahrung

Wenn es um die größten Herausforderungen geht, mit denen sich smarte Konsum- und Industriegeräte konfrontiert sehen, kommt die Rede häufig auf die Anbindung an das Internet. Dies ist sicherlich ein wichtiger Punkt, wie die aktuelle Debatte um die „weißen Flecken“ in den Mobilfunk- und Breitbandnetzen in Deutschland zeigt. Doch eine noch wichtigere Rolle spielen zwei Faktoren: die Benutzerschnittstelle einer IoT-Anwendung und die User Experience (UX), also wie sich eine IoT-Applikation aus Sicht der Nutzer präsentiert. Beide Elemente entscheiden darüber, ob eine IoT-Applikation intuitiv zu bedienen ist und dem User den erhofften Nutzen bringt. Die Hard- und Software von IoT-Komponenten sollten somit entsprechend optimiert werden.

Basis: Sicherheit, Relevanz und Performance

User Experience und Benutzerfreundlichkeit sind mit weiteren Punkten verknüpft. Dazu zählen die Sicherheit und die Relevanz eines IoT-Produkts. Hinzu kommt die Performance. Diese muss auch dann „stimmen", wenn große Datenmengen verarbeitet werden.

Schlüsselthema Sicherheit

Zunächst ein Blick auf das Thema Sicherheit. Es gewinnt an Bedeutung, je mehr Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens miteinander und mit dem Internet verknüpft werden: Autos, TV-Systeme, Küchengeräte, Wohnungstüren und Smart Watches. Denn dadurch werden solche Systeme auch für Cyber-Kriminelle interessant.

Für Verbraucher hat daher der Faktor Sicherheit bei IoT-Produkten einen hohen Stellenwert. Ein Beispiel sind IoT-Lösungen im Bereich Smart Home. Für Anbieter und Entwickler von IoT-Lösungen bedeutet dies, dass sie ihre Apps und Hardware-Komponenten mit Sicherheitsmechanismen ausstatten müssen. Zudem sollte der User nachvollziehen können, was mit den Daten passiert, die solche Systeme erfassen und verarbeiten. Das gilt im Übrigen nicht nur für IoT-Produkte, die im Privatbereich Verwendung finden. Mindestens ebenso wichtig ist der Aspekt Sicherheit bei IoT-Lösungen, die in der Industrie, im Handel oder in Kraftwerken eingesetzt werden. Denn wenn eine Fertigungsstraße „verrücktspielt“ oder der Strom ausfällt, weil Hacker IoT-Komponenten manipuliert haben, kann dies erhebliche Schäden verursachen.

Interesse an IoT-Produkten hochhalten

Die Hersteller von smarten Produkten für Konsumenten benötigen zudem verlässliche Daten, mit denen sie ermitteln können, auf welche Weise Nutzer Smart Watches und Fitness-Tracker verwenden. Denn schließlich sollen solche Systeme den Besitzern möglichst lange Zeit Freude bereiten und ihnen helfen, ihre Fitness zu verbessern.

Eine Studie von Deloitte und des Digitalverbandes Bitkom zum Einsatz von Smart Watches, Fitness-Armbändern und Gesundheits-Apps in Deutschland hat beispielsweise ergeben, dass 85 Prozent der Besitzer mit ihren Fitness-Trackern zufrieden sind. Doch immerhin 15 Prozent legen die Tracker nach einiger Zeit in die Schublade.

Für Anbieter solcher Systeme ist es daher hilfreich, wenn anhand von Datenanalysen ermittelt werden kann, warum ein Nutzer den Spaß an seiner Smart Watch oder einer App verliert. Vielleicht hat er nur einfach keine Lust mehr, sich auf dem Laufband oder auf der Hantelbank zu quälen. Oder aber er wünscht sich eine App, die einfacher zu handhaben ist und die Daten auf einfachere Weise mit seinem Online-Account beim Anbieter der Uhr synchronisiert.

Application Monitoring hilft weiter

Die Anbieter von IoT-Systemen sollten daher die Möglichkeit haben, in Echtzeit das Verhalten von IoT-Anwendungen zu erfassen und zu analysieren. Denn ein solches Application Monitoring gibt wertvolle Hinweise darauf, welche Performance eine Anwendung aufweist und ob sie beim Nutzer in der Qualität ankommt, die dieser sie erwartet.

Denn wenn beispielsweise eine Smart Watch eine Viertelstunde benötigt, um die Daten des letzten Workouts oder Jogginglaufs mit dem Online-Sporttagebuch zu synchronisieren, wird sich der Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer anderen Uhr umsehen. Application-Intelligence-Lösungen machen solche Schwachpunkte transparent und zeigen auf, wie sich die Mängel beseitigen lassen. IoT-Anbieter können daher mithilfe von Application Intelligence nicht nur die Qualität von IoT-Komponenten und darauf basierenden Services verbessern. Viel wichtiger ist, dass sie die Zufriedenheit der Kunden steigern. Und zufriedene Kunden bleiben nicht nur einer Marke treu. Sie empfehlen auch Produkte weiter, sei es beim Gespräch unter Kollegen oder in Beiträgen auf Social-Media-Plattformen und Bewertungsportalen.

Jederzeit optimale Performance sicherstellen

Allerdings muss ein IoT-System nicht nur sicher sein und eine aus Sicht der Nutzer hohe Relevanz aufweisen, damit es auf dem Markt Erfolg hat. Dazu muss eine dritte Voraussetzung erfüllt sein: eine hohe Leistungsfähigkeit (Performance) des IoT-Endgeräts und der dazu gehörigen Infrastruktur. Performance bedeutet, dass ein Smart-Home-System, ein Connected Car oder eine Smart Watch Daten schnell, exakt und zuverlässig verarbeitet und dem Nutzer zur Verfügung stellt. Das sollte auch dann der Fall sein, wenn die Endgeräte, IoT-Gateways und Backend-Systeme große Datenmengen verarbeiten müssen.

Eine Performance sicherzustellen, die den Nutzer zufriedenstellt, ist allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe. Zu den Hürden, die dabei zu überwinden sind, zählt die Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte, Datenformate und Übertragungsprotokolle. Das heißt, das Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten muss kontinuierlich und auf möglichst effiziente Weise überwacht werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es dafür eine Lösung gibt. Denn mit Application Intelligence steht eine Technologie zur Verfügung, mit der Anbieter alle Bestandteile ihres IoT-Angebotsspektrums perfekt aufeinander abstimmen können.

Fazit: Application Intelligence ist ein Schlüsselfaktor

Ob eine IoT-Lösung vom Verbraucher akzeptiert wird, hängt von deren User Experience ab. Die Nutzererfahrung wiederum wird maßgeblich von Faktoren wie Performance, Relevanz und Zuverlässigkeit bestimmt. Alle drei lassen sich mit einer Application-Intelligence-Lösung optimieren. Sie ermittelt beispielsweise, wie schnell und präzise sowie in welcher Qualität IoT-Services zur Verfügung stehen. Zudem stellt sie Informationen über die Verfügbarkeit von IoT-Services und potenzielle Schwachpunkte und Sicherheitsrisiken bereit. Diese Daten sind unverzichtbar, will ein Anbieter von IoT-Lösungen seine Produkte optimieren und den Kunden ein optimales Nutzererlebnis bieten. Somit profitieren beide Seiten von Application Intelligence im Zusammenspiel mit IoT: der Nutzer und der Anbieter.

Über den Autor

Karsten Flott ist CER Sales Engineer Manager bei AppDynamics.

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