Tableau Software

Unsichtbares sichtbar machen

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Jan Skorczyk, Vertriebsleiter DACH bei Tableau Deutschland, begrüßt die Besucher des Informationstages in München.
Jan Skorczyk, Vertriebsleiter DACH bei Tableau Deutschland, begrüßt die Besucher des Informationstages in München. (Bild: Rüdiger)

Der Visualisierungsspezialist für Ergebnisse von Datenanalysen, Tableau, präsentierte sich selbstbewusst vor Interessenten in München. Mit im Gepäck: einige News.

„Einer unserer Gründer, der Visualisierungsspezialist Pat Hanrahan, hat zwei Oscars für seine Animationen gewonnen“, verkündete Jan Skorczyk, Vertriebsleiter DACH des Visualisierungsspezialisten Tableau bei der Vorstellung des Unternehmens-Managements anlässlich einer Interessenten-Veranstaltung, zu der der Hersteller nach München geladen hatte. Hanrahan arbeitete einige Jahre bei Pixar und entwickelte dort unter anderem die Rendering-Software des Unternehmens mit.

Will sagen: Visualisierung bisher schwer anschaulich zu machender Inhalte ist die Kernkompetenz des Anbieters aus Seattle. Derzeit gehört Tableau neben Qlik und Microsoft in die Spitzengruppe der Softwarefirmen, die sich mit Datenvisualisierung befassen. Das Unternehmen hat inzwischen weltweit rund 36.000 Kunden und beschäftigt etwa 3.000 Mitarbeiter.

Die deutsche Niederlassung befindet sich in Frankfurt. Tableau vertreibt seine Produkte, Tableau Desktop und Tableau Server, in Deutschland über mehrere Partner, die häufig nicht nur Lizenzen anbieten, sondern auch Visualisierungen und Dashboards für ihre Kunden designen oder anderweitig mit Unterstützung und Hilfe zum Thema Analytik bereitstehen.

200 Besucher und Partner

Auf der angelagerten Ausstellung präsentierten sich den gut 200 Besuchern Partner wie Multibase oder Alexander Thamm, ein unabhängiges Softwarehaus, das sich auf neuartige Analytik spezialisiert hat und erst kürzlich mit einem Start-up-Preis ausgezeichnet wurde.

Ganz billig ist tieferer Daten-Durchblick mit Tableau nicht: Ein Desktop, also eine Analyselösung für den Arbeitsplatz, kostet etwa 2.000 Euro in der Anschaffung, ab dem zweiten Jahr sind 20 Prozent Wartungs- und Supportgebühr, also rund 400 Euro pro Desktop, fällig. Tableau Server kostet beispielsweise bei zehn Usern 1.000 Euro per User, mithin 10.000 Euro, wobei die Wartung fürs erste Jahr (200 Euro pro User) bereits eingeschlossen ist. Über den Server lassen sich komplexe Berechtigungsstrukturen aufbauen und vorformatierte Analysen, die in Echtzeit mit neuen Inputs in die angeschlossenen Datenquellen aktualisiert werden, an die berechtigten Mitarbeiter verteilen.

Der Charme der Tools: Man kann relativ schnell und einfach Daten aus verschiedenen Quellen – seien dies nun Excel-Sheets, Inhouse- oder Web-Datenbanken in konventionellen oder No-SQL-Formaten, sozialen Medien oder sonstigen Ressourcen – über einen Konnektor miteinander verbinden und die Daten nach den vom Anwender gewählten Kriterien anschaulich darstellen. Werden in Analysen eingebundene Datenquellen aktualisiert, spiegelt sich das sofort auch in den Analysen wider. Eine Big-Data-Infrastruktur braucht man also keineswegs, um aus der Lösung Nutzen zu ziehen.

ROI ist nicht alles

Der Return on Investment eines Tableau-Einstiegs liegt trotzdem oft nicht glasklar auf der Hand, denn die Vorteile zeigen sich in besseren, schnelleren Analysen. Doch welche Umsätze genau darauf zurückzuführen sind, ist oft nicht klar. Die analytische Not in den Unternehmen, die für Wettbewerbsvorteile darauf angewiesen sind, ihre Daten besser auszuwerten, scheint aber so groß zu sein, dass ein komplett durchgerechneter Business Case weniger als bei anderen IT-Invests bedeutet. Zudem sind die Funktionen, die Tableau bei den regelmäßigen Updates hinzufügt, sehr attraktiv. Skorczyk: „Bei uns ist es anders als bei Microsoft: Unsere Kunden wollen immer so schnell wie möglich die aktuelle Version.“

Die demnächst folgende heißt Tableau 9.2. Verbessert werden darin unter anderem die Geocodierungs-Funktionen, die Vereinheitlichung uneinheitlich formatierter Daten und die Lokalisierung vordefinierter Analysen (Workbooks), sodass etwa Workbooks in einem deutschen Browser immer auf Deutsch angezeigt werden. In späteren Versionen sind etwa verbesserte ETL-Funktionen geplant. Es soll beispielsweise möglich werden, mehrere Datentöpfe anzuzapfen und die Daten in einem gemeinsamen Extrakt zu speichern.

Mit Vizable gibt es nun auch eine Tableau-App für den Privatgebrauch. Die bisherige Tableau-App hat nun Offline-Funktionen, sodass wichtige Daten immer auf dem Smartphone-Screen verfügbar sind.

Soziale Spielregeln müssen im praktischen Einsatz beachtet werden

Freilich sind die Möglichkeiten, die die Analyse von Daten bieten, zum Teil auch abschreckend. Das demonstrierte ein Tableau-Mitarbeiter anhand der von einem australischen Journalisten freizügig zur Verfügung gestellten persönlichen Anrufdetails (Call Detail Records) aus etwa zwei Jahren. Ruck-zuck ließ sich aus den Daten auf Wohnort, wesentlichen Aufenthaltsort, Ferienzeit, Reiseform, Lebensrhythmus und so weiter des Journalisten schließen. Interessant war eine Umfrage unter den Teilnehmern der Veranstaltung vor und nach dieser Präsentation. Während zuvor doch einige Besucher durch Handzeichen zu erkennen gaben, sie hätten nichts zu verbergen, hob sich nach der Präsentation keine Hand mehr.

Henning von Kielpinski, Consol: „Wir analysieren nicht tiefer als bis auf Teamebene, alles andere würde die Atmosphäre verschlechtern.“
Henning von Kielpinski, Consol: „Wir analysieren nicht tiefer als bis auf Teamebene, alles andere würde die Atmosphäre verschlechtern.“ (Bild: Rüdiger)

Wie man Tableau im Unternehmen einsetzen kann, ohne die einzelnen Mitarbeiter ins Visier zu nehmen, demonstrierte vor Ort Henning von Kielpinski, beim Softwarehaus Consol für den Bereich Geschäftsentwicklung zuständig. Consol ist ein mittelständisches Münchner Softwarehaus, das seit rund 30 Jahren sowohl Produkte als auch Beratung anbietet und über die Jahre organisch auf rund 250 Mitarbeiter gewachsen ist.

In dieser Größenordnung ist es nicht mehr möglich, dass die Geschäftsleitung alle Vorgänge im Auge behält. „Also bekamen wir irgendwann Abteilungsleiter mit eigener Ergebnisverantwortung“, berichtete Kielpinski. Diese sollten ihre Reports vor allem mithilfe von durch die IT bereitgestellten Excel-Auswertungen erstellen, was sich jedoch gerade bei Veränderungswünschen als schwierig herausstellte. Oft genug lagen die Daten erst vor, wenn die Entscheidung bereits längst getroffen sein musste.

Tableau auf eigene Faust

Zudem förderte die Projektstruktur des Geschäfts Intransparenz hinsichtlich der Profitabilität. „Die Entwickler haben nicht immer nur den Stundenzettel im Blick, sondern wollen in erster Linie gute Arbeit machen“, erklärt Kielpinski. Da komme es durchaus vor, dass im Rahmen der Auftragserledigung noch kleinere Aufgaben für den Kunden erledigt würden, die den eigentlichen Projektrahmen sprengen. Dies sei auch für die Projektverantwortlichen nicht immer auf den ersten Blick transparent. Weil ihm die vorhandene Excel-Analytik zu wenig aussagekräftige Analysen lieferte, beschloss Kielpinski irgendwann, auf eigene Faust in Tableau einzusteigen und konnte mithilfe des Tools schnell transparent machen, wo Schwachstellen lagen, deren Ursachen man dann konkret auf den Grund gehen konnte. Die anschaulichen grafischen Ergebnisse der Analysen eigneten sich bestens, um vor- oder nachgeordnete Mitarbeiter von der Relevanz eines Anliegens zu überzeugen.

Inzwischen gehört Tableau bei Consol zum Standard-Handwerkszeug. Allerdings weist von Kielpinski auch darauf hin, wie wichtig die Einhaltung sozialer Spielregeln beim Einsatz von Analytics ist. „Wir analysieren nicht bis auf die Ebene einzelner Mitarbeiter, sondern nur bis auf Team-Ebene. Weiter zu gehen, brächte mehr Detailerkenntnisse, würde aber wohl die Atmosphäre im Unternehmen verschlechtern.“

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