Kommentar von Werner Rieche, Software AG Deutschland

So bauen Unternehmen ihre digitale Fähigkeiten aus

| Autor / Redakteur: Werner Rieche / Nico Litzel

Der Autor: Werner Rieche ist Geschäftsführer der Software AG Deutschland
Der Autor: Werner Rieche ist Geschäftsführer der Software AG Deutschland (Bild: Software AG)

Das Internet der Dinge ist der Dreh- und Angelpunkt der digitalen Transformation. Zum digitalen Akteur steigt ein Unternehmen auf, wenn es seine IT-Landschaft in eine plattformbasierte und skalierbare Architektur für das Verarbeiten von Big Data umgestaltet. Um ihr Business innovativ und flexibel zu gestalten, müssen Unternehmen selber Software für Anwendungsszenarien entwickeln.

Schnelle und fundierte Entscheidungen sind Kern einer jeden digitalen Unternehmensstrategie – im Mittelpunkt steht dabei eine ereignisgesteuerte Echtzeit-Plattform. Sie wird in nahezu allen Bereichen des Business benötigt, auch im Kontakt mit Kunden und Konsumenten.

Die Begriffe Internet of Things (IoT), Industrie 4.0 und Industrielles Internet sind allesamt Synonyme für diesen digitalen Paradigmenwechsel. Diesem muss sich jedes Unternehmen stellen. Etablierte Marktteilnehmer geraten vor allem dann unter Handlungsdruck, wenn nativ-digitale Firmen in ihrem Geschäftsfeld aufgetaucht sind. Die Newcomer setzen in der Regel auf Softwareplattformen, um riesen Datenströme in Echtzeit zu managen. Über ihre digitalen Technologien schaffen viele Start-ups neue Wege der Kundeninteraktion. Für Kunden, Konsumenten und Bürger sind die digitalgeprägten Kundenerlebnisse hoch attraktiv.

Die Gefahr, von Kunden abgeschnitten und zu einem reinen Anlagenbetreiber oder Gerätelieferanten reduziert zu werden, besteht für jedes traditionelle Unternehmen – im Business-to-Consumer-Markt ebenso wie in der Business-to-Business-Welt. Sie müssen digital werden. Die Stärken nativ-digitaler Firmen können sich auch etablierte Unternehmen zu Eigen machen. Alles, was sie benötigen, ist eine Verbindung zwischen digitaler und physischer Welt, und zwar über digitale Geschäftsmodelle, abgebildet durch Software.

Im ersten Schritt den IT-Wissensrückstand aufholen

Viele Unternehmen haben jedoch in den vergangenen Jahren zentrale IT-Fähigkeiten eingebüßt. Durch Auslagerung der IT-Infrastruktur ging das entsprechende Architektur-Know-how verloren. Dies gilt es zu ändern. Klassische Unternehmen müssen die volle Zuständigkeit für ihre IT ins Unternehmen zurückholen. Sie müssen in der Lage sein, ihre IT-Architektur und deren Fortentwicklung selbst zu gestalten.

Neben der IT-Expertise entscheidet vor allem Software-Kompetenz darüber, ob der digitale Wandel gelingt. Wenn es darum geht, den aktuellen Herausforderern zu begegnen, müssen Software-basierte Innovationen an erster Stelle kommen. Lösungen von der Stange greifen dabei zu kurz. Um in der digitalen Welt erfolgreich zu sein, brauchen Unternehmen die Fähigkeiten eigenentwickelter Software. Nur so können sie innovative Softwarefunktionen in ihre zentralen Geschäftsbereiche integrieren und Daten aus ihren smarten Produkten analysieren.

Fünf Bausteine für die digitale Architektur

Dazu muss jedoch die vorhandene IT-Landschaft umgewandelt werden in eine digitale, plattformbasierte und skalierbare Architektur zur Verarbeitung von Big Data – eine Architektur, die jede benötigte Fähigkeit unterstützt und alle digitalen Anwendungsfälle zuverlässig abdeckt.

Um die benötigten digitalen Fähigkeiten darzustellen, sind fünf digitale Bausteine notwendig: In-Memory Data, Integration, Process, Analytics & Decisions sowie Business- & IT-Transformation. Sie bieten die zentralen digitalen Funktionen, die jedes Unternehmen braucht. Alle digitalen Fähigkeiten sind Microservices-orientiert (modular), API-fähig (erweiterte Integrationsfunktionalität) und ereignisbasiert (Datenströme).

Nur Webanwendungen mit In-Memory-Technologie können die Arbeitslast aus Multi-Channel-Szenarien bewältigen, in denen Millionen Benutzer auf Daten zugreifen und kurze Reaktionszeiten erwarten. Auf der Grundlage der Microservices werden große, monolithische Anwendungen in kleine Komponenten zerlegt und in Betriebssystem-Containern gekapselt. Daraus ergibt sich eine agilere Entwicklung und eine flexiblere Implementierung der Software.

Dem Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge führt der beste Weg zum digitalen Erfolg über eine auf Integration ausgerichtete, modulare Architektur digitaler Services, die Datenerkenntnisse in Echtzeit liefert. Wie wichtig Integration ist, zeigt sich daran, wie sich IT-Landschaften der Unternehmen entwickelt haben: Es sind drei Schichten entstanden – von punktuell verknüpften Standardanwendungen über Middleware und Anwendungsinfrastruktur bis zu digitalen Innovationen. Diese Schichten werden koexistieren und bedürfen folglich einer ganzheitlichen Integration.

Fokus auf die IoT-Anwendungen

Unternehmen können neue digitale Dienstleistungen mit einer Streaming-Analytics-Plattform schaffen. Die Software AG bietet hierzu die Streaming-Plattformen Apama an.
Unternehmen können neue digitale Dienstleistungen mit einer Streaming-Analytics-Plattform schaffen. Die Software AG bietet hierzu die Streaming-Plattformen Apama an. (Bild: Software AG)

Bei den angestrebten digitalen Services dürfen Entscheidungen nicht auf sich warten lassen, nur weil Daten erfasst, gespeichert, ausgewertet und visualisiert werden müssen. Hier kommt eine sogenannte Streaming-Analytics-Plattform ins Spiel, die über die Funktion verfügt, Ereignisströme in Echtzeit zu verarbeiten. Die Plattform kann Daten aus einer beliebigen internen oder externen Datenquelle nutzen und bereitstellen. Die Streaming-Engine sendet Daten an die Prozess-Engine und stößt Prozesse an. Ebenso lässt sich auch die Integrations-Engine aktivieren. Das veranschaulicht, wie vernetzt eine digitale Architektur sein muss.

Die Streaming-Analytics-Plattform legt die Basis, um IoT-Anwendungen zu entwickeln, die physische Endpunkte wie Maschinen, Fahrzeuge und Vieles mehr verwalten. Dank der Möglichkeit, Daten von physischen Geräten in Echtzeit zu erfassen und auszuwerten, können Unternehmen neue digitale Dienstleistungen für ihre Kunden schaffen und die Nutzung ihrer Produkte optimieren. Außerdem lassen sich mithilfe der IoT-Daten das Design und die Funktionen von Produkten verbessern, was zu einer positiveren Customer-Experience führt.

In der Praxis ergibt sich ein weites Feld an Anwendungsmöglichkeiten. Steht beispielsweise eine Produktionsanlage kurz vor der Überhitzung, müssen die betreffenden Ereignisdaten sofort verarbeitet werden, um eine Störung zu vermeiden. Wenn die Herzfrequenz oder der Blutdruck einen Schwellenwert überschreitet, muss das Krankenhaus unverzüglich diese Patienteninformation erhalten. Vorausschauende Instandhaltung, Smart Insurance und intelligente Fertigung sind typische IoT-Use-Cases.

Technische Entwicklungshilfe

Das Entwickeln von IoT-Diensten und Industrie-4.0-Lösungen setzt voraus, dass Unternehmen wieder die notwendige IT-Expertise und das Software-Know-how aufbauen. Für die technische Basis können sie sich Co-Innovatoren suchen. Beispielsweise bietet Bosch seine IoT-Cloud für eine breite Anwender- und Entwicklergruppe an. In diese Inkfrasturktur haben wir bei Software AG unsere Digital Business Platform als eine hoch-skalierbare Komponente integriert. Vor allem Anwenderfirmen aus den Geschäftsfeldern Fertigung, Logistik und Handel finden in der IoT-Cloud Lösungen, die Echtzeitanalyse von Daten aus Umgebungssensoren oder Risikoanalyse-Systeme mit Vorhersage-Tools kombinieren. Ihr Einsatz verspricht Liefer-, Fertigungs- oder Logistikprozesse schneller, effizienter und sicherer zu machen .

Auf den Plattform-Nenner gebracht

Erfolgreiche Unternehmen veranschaulichen, dass digitale Geschäftsmodelle nicht auf Produkten, sondern auf Plattformen und Software basieren. Nur Plattformen bieten die Flexibilität und Agilität, die für rasche und kontinuierliche Veränderungen nötig sind. Digitale Technologien wie die Cloud, mobile Geräte, soziale Netzwerke, das IoT und Big Data bilden die Grundlage. Mit der Digitalisierung verändert sich grundlegend die Art und Weise, wie Unternehmen für ihre Kunden Produkte und Dienstleistungen konzipieren, entwickeln, bereitstellen und vertreiben sowie durch den Aufbau von Partnernetzen Mehrwert schaffen. Digitale Unternehmen gestalten die Kundeninteraktion neu und sorgen für eine einzigartige Customer-Experience. Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit sind entscheidende Faktoren für diese Veränderung, welche softwarebasierte Innovation antreibt.

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