Kommentar von David Rosen, Tibco

Smarte Digitalisierung – zehn Tipps für den erfolgreichen Wandel

| Autor / Redakteur: David Rosen / Nico Litzel

Der Autor: David Rosen ist Digital Transformation Technologist and Strategist bei Tibco Software
Der Autor: David Rosen ist Digital Transformation Technologist and Strategist bei Tibco Software (Bild: Tibco Software)

Digitale Transformation: ein Thema, das die Wirtschaftswelt fordert und aufwühlt. Man fasst darunter den extrem schnellen technologischen Aufschwung und die außerordentlich große Ansammlung an Daten zusammen. Der Markt funktioniert jetzt nach anderen Regeln, die durch die digitale Transformation neu geschrieben wurden, denn im 21. Jahrhundert haben sich auch die Verbraucher verändert.

Die heutigen Zielgruppen zeichnen sich dadurch aus, dass sie vernetzt, informiert, meinungsfreudig und sprunghaft sind. Kapital wird längst nicht mehr in Geldwerten gemessen, sondern vielmehr in Daten. Die Kompetenz auf diese – verfügbaren – Daten zugreifen zu können, zeichnet ein Unternehmen heute aus und nimmt daher einen höheren Stellenwert ein.

Dieser Weg des Wandels war für die Wirtschaft mit diversen Hindernissen gespickt: Konzentrierte man sich in einem Jahr auf die Realisierung einer mobilen App, verschob sich der Fokus im Jahr darauf schon wieder. Die Entwicklung der letzten fünf Jahre war also geprägt von stetigen Verschiebungen der unternehmerischen Schwerpunkte sowie den Bekanntmachungen innovativer Technologien. Big Data Cluster gingen online, kurz darauf folgten bereits komplizierte IT-Toolkits. Damit sollten Schätze, die in der Datenansammlung versteckt sind, gehoben werden. Firmen steckten zwar viele Ressourcen in die Business Transformation, setzten diese aber leider oft ineffizient ein. Dabei wurde es verfehlt eine allumfassende Strategie einzubauen, was zum Schwund des Unternehmensleitbilds führte.

Ein Abwärtskurs beim Marktwert und der Aktionärsrendite kann die Folge davon sein, wenn Unternehmen den Wandel der Zeit nicht angehen und es nicht schaffen, sich anzupassen. Denn sie werden in dieser Welt, die sich fortlaufend verändert, etwa im Hinblick auf schwankende Erwartungen von Kunden und Märkten, früher oder später unweigerlich den festgelegten Pfad aus den Augen verlieren. Dabei ist der Schlüssel zum Erfolg und der Wegbereiter für den Wandel zur Stelle: Daten sind der Treibstoff eines jeden Unternehmens. Ohne sie kann heutzutage längst keines mehr agieren. Allerdings nutzen nur sehr wenige das zugrundeliegende Kapital, um nachhaltig digitale Gewinne zu generieren.

Ziel: „smart“ werden

Im hart umkämpften Wettbewerb sollte die oberste Priorität der Unternehmen darin bestehen, smart zu werden. Bleibt die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts weiterhin so hoch und stürmen die Innovationen an vielen Fronten gleichzeitig auf ein Unternehmen ein, ist es ein umso wichtigeres Ziel. Dann muss gehandelt werden, um einer atemraubenden Entwicklung nicht mehr mühsam hinterherhecheln zu müssen. Stattdessen sollte beharrlich der Erfolg angestrebt werden. Wenn nicht jetzt, wann dann das intelligente Kapital im Unternehmen einsetzen und den Lohn der digitalen Mühen einfahren?

Zehn Erfolgskriterien für die smarte digitale Welt

1. Kontinuierliche Weiterentwicklung als Motor für Optimierung

Offen sein für Neues. Statistiken führen. Daten vergleichen und Alternativen ausarbeiten. Das waren bereits weit vor der digitalen Revolution die bewährten Mittel, um geschäftlich erfolgreich zu sein. Die enorme Menge an vorhandenen Daten führt einem jedoch schnell vor Augen, dass mit den althergebrachten Methoden nicht mehr gearbeitet werden kann. Experimente, Analysen und die zeitnahe Umsetzung von Resultaten erfordern eine andere Herangehensweise. Hier wird deutlich, dass maschinelles Lernen dabei eine tragende Rolle spielt. Unternehmen, die Versuche in ihren Reihen laufen lassen und sie automatisieren, verkürzen Beobachtungszyklen, erfassen Auswirkungen und wenden vielversprechende Kombinationen direkt auf Segment- oder Kundenbasis an.

2. Maximale Flexibilität beim Datenzugriff

Die Masse an Kunden- und Betriebsdaten steigt stetig. Performante Analysetools gehören also zur Pflichtausstattung für ein Unternehmen, das digital agieren will. Ohne diese können relevante Informationen nicht aus der Flut der firmeneigenen Daten gezogen werden und auf deren Basis schlussendlich auch keine übergeordnete Unternehmensstrategie entworfen werden. Somit ist das Unternehmen nicht fähig taktische Anpassungen an aktuelle Marktbedingungen vorzunehmen. Zudem hat es sich bewährt, Muster in der Vergangenheit zu suchen und anhand derer die Zukunft vorherzusagen und entsprechende Entscheidungen zu fällen bzw. Maßnahmen einzuleiten. Eine größere Herausforderung stellt das Treffen von Geschäftsentscheidungen auf Basis von Echtzeitdaten dar, die on the fly erfasst, eingeordnet und angewendet werden. Dazu ist eine anspruchsvollere Technik nötig, für die prädiktive Modelle nicht ausreichen, da sie eher ein allgemeines Bild der Lage zeichnen. Vielmehr benötigt man kontextbezogene Analysemodelle, die in Echtzeit aktualisiert werden. Dadurch entfalten sie eine größere Wirkung und verschaffen dem betreffenden Unternehmen signifikante Vorteile.

3. Aufspüren von Pfaden zu mehr Kundenloyalität

Die Customer Journey lässt sich durchaus als geschlossene Schleife sehen. Bei näherer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass das Konzept des Customer Journey Mapping (CJM) länger angelegte Pfade zu mehr Kundenloyalität aufdeckt. Ein Taxi rufen, eine günstige Reise buchen, Musik der Lieblingsband kaufen oder sich in einer unbekannten Gegend zurechtfinden: Unser Alltag stellt uns tagtäglich vor kleinere und größere Herausforderungen. Diese Berührungspunkte zeigen deutlich die Relevanz der digitalen Transformation. Weitergedacht ist es mit smarten digitalen Technologien möglich, punktgenau vorherzusagen, welche weiteren Schritte ein Kundentyp gehen wird. Zudem lassen sich KPIs an logischen Wendepunkten definieren und wenn nötig überwachen. Auch Änderungen werden erfasst, die auf eine andere Entscheidung des Kunden hindeuten oder eventuell sogar Maßnahmen erforderlich machen, um selbigen auf den gewollten Weg zurückzulenken.

4. Performancebeurteilung anhand weniger KPIs

Langfristig orientierte Mehrwerte können nur geschaffen werden, wenn die dazu notwendigen Mittel präzise definiert werden. Es ist nicht nötig eine große Anzahl an Kunden-KPIs festzusetzen. Natürlich ist es wichtig einige präzise zu definieren, um langfristig orientierte Mehrwerte zu schaffen, allerdings reichen drei bis fünf für den gewinnbringenden Einsatz digitaler Technologien völlig aus. Setzt man zu viele unterschiedliche Erfolgskennziffern fest, behindert man damit unter Umständen die Zielorientiertheit. Es kommt auf die Definition von Schlüsselmetriken und die Festlegung von Ausgangswerten für die Performancebeurteilung an. Smarte digitale Unternehmen richten ihre Strategien, Systeme, Prozesse und Unternehmenskultur an diesen KPIs aus.

5. Geschwindigkeit im Fokus

Von Zeit zu Zeit dürfen sich smarte Unternehmen einen Fehler leisten. Allerdings nur unter einer Bedingung: Wenn (und nur wenn) das Tempo der Innovation stabil bleibt, der Kurs bei Bedarf angepasst wird und gegenüber den Kunden Transparenz gezeigt wird. Aus Fehlern kann man lernen, das gilt auch für Unternehmen. Das konkrete Feedback des Marktes ist daher wertvoller als jede Information, die von immer neuen Fokusgruppen beigesteuert wird. Selbst wenn es so manchem Manager widerstrebt, aber Geschwindigkeit hat heute vor Perfektion eindeutig Vorrang. Vor allem vor dem Hintergrund steigender Kundenerwartungen und dem unaufhaltsamen technischen Fortschritt.

6. Entwicklung einer umfassenden Interkonnektivität

Ohne Interkonnektivität geht es nicht. Sie hält das digitale Unternehmen zusammen. Die digitale Intelligenz erfordert eine allumfassende Vernetzung ohne Barrieren von ganz Innen bis zu den äußersten Kontaktpunkten, an denen Mitarbeiter, Lieferanten, Partner und Kunden miteinander interagieren. Unternehmen, die eine smarte Digitalisierung anstreben, entwickeln ihr Ökosystem auf Basis bestehender Investitionen in Enterprise-Applikationen und erweitern es dann durch Open-Source-Software, Cloud-Anwendungen, leistungsfähige Analytics-Software und ähnliches mehr. Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit stehen dabei stets im Vordergrund.

7. Gewinnung und Bindung digitaler Talente

Ein smartes digitales Unternehmen sollte auf digital versierte Mitarbeiter setzen. Warum? Weil sie vier entscheidende Fähigkeiten in sich vereinen, die sie besonders beliebt und wertvoll machen: Sie sind vertraut mit den Grundlagen der Technologien, mit denen sich überzeugende Lösungen entwickeln lassen und die sie auch selbst anwenden können. Sie verfügen über einen ausgeprägten Geschäftssinn, mit dem sie Chancen in einen größeren Kontext einordnen und den Effekt einer Aktion auf KPIs abschätzen können. Sie können datengestützte Erkenntnisse auf Entscheidungen anwenden und dabei analytisch vorgehen. Zu guter Letzt kommen sie mit komplexen Organisationen zurecht, kommunizieren effektiv und tragen so zu einer produktiven Arbeitskultur bei.

8. Kombination aus menschlicher Intelligenz und Technologien

Mensch und Maschine steht nicht in Konkurrenz zueinander. Der Mensch mit seiner Neugierde und Offenheit für andere Verhaltensweisen ist in der Lage, kreative Hypothesen zu entwickeln und weltbewegende Experimente zu wagen. Bei dem Hype um Digitalisierung, maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz muss es daher darum gehen, die Intelligenz und Fähigkeiten der Menschen durch moderne Technologien zu erweitern. Ein menschlicher Anwender kann Daten abfragen und so zu neuen Erkenntnissen gelangen. Dazu müssen die nötigen Werkzeuge aber für ihn gemacht werden. Augmented Intelligence bedeutet in diesem Zusammenhang, dass menschliche Einsichten in komplexen, datenintensiven Umgebungen innerhalb kürzester Zeit in relevante Aktionen zu verwandelt werden.

9. Erfolgskontrolle über digitale Investitionen

Datenanalyse geht weit über kunden- und betriebsbezogene Daten hinaus. Ein smartes Unternehmen geht längst weiter und entwickelt ein Schema zur Messung seiner finanziellen Erträge und definiert und erfasst Daten, mit denen sich der Erfolg der digitalen Investitionen kontrollieren lässt. Außerdem kommuniziert es die erarbeiteten Einsichten gegenüber zentralen Stakeholdern, um dauerhafte Voraussetzungen für Erfolg zu schaffen und Mittel für künftige Investitionen zu erlangen. Transparenz ist hier das Stichwort, vor allem wenn es um Fehlschläge geht. Es ist wichtig, dass Unternehmen offen und ehrlich kommunizieren, welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen. Nicht nur extern gegenüber den Kunden, auch intern ist Transparenz wichtig. Ein unverzichtbares Merkmal eines smarten, digitalen Unternehmens ist es, gegenüber den Mitarbeitern zu kommunizieren, wenn es positive Nachrichten gibt. Das bildet Vertrauen in diesen Erfolg. Die mit diesem Zeitpunkt verbundene positive Stimmung bietet zusätzlich eine solide Grundlage für weitere Innovationen.

10. Engagierte Führungsregie mit einer Vision

Ohne engagierte Führungsmannschaft ist ein erfolgreiches Unternehmen in einer smarten digitalisierten Welt nicht möglich. Ohne Vision und kompromisslosem Einsatz für die unter Punkt eins bis neun genannten Kriterien kann die digitale Transformation nicht nachhaltig vollzogen werden. Ein smartes, digitales Unternehmen benötigt eine clevere Führung oder es wird auf dem Weg des Wandels ins Straucheln kommen.

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