SAP Medical Insight

SAP erhält Award „Land der Ideen“

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Dominik Bertram erhält den Award „Land der Ideen“ für die Medical Insights App. Von links nach rechts: Thorsten Schlegel, Deutsche Bank; Dominik Bertram, Leiter Entwicklungsbereich Healthcare & Life Science, SAP Deutschland SE & Co. KG; Katrin Hennig, Deutschland – Land der Ideen.
Dominik Bertram erhält den Award „Land der Ideen“ für die Medical Insights App. Von links nach rechts: Thorsten Schlegel, Deutsche Bank; Dominik Bertram, Leiter Entwicklungsbereich Healthcare & Life Science, SAP Deutschland SE & Co. KG; Katrin Hennig, Deutschland – Land der Ideen. (Bild: Deutschland – Land der Ideen/Sebastian Widmann)

Big Data schickt sich an, die Krebsforschung auf eine neue Stufe zu heben. Eine Veranstaltung in München gab Einblick in die entsprechenden Aktivitäten und den Forschungsstand. Von der Kampagne „Land der Ideen“ gab es einen Award für die SAP-App „Medical Insights“.

Die Bekämpfung von Krebserkrankungen war bisher oft ein Schuss ins Blaue. Wirkt ein Medikament, wirkt es nicht? Wie stark sind die Nebenwirkungen? Das könnte sich jetzt aufgrund neuer biomedizinischer und technologischer Entwicklungen ändern. Wichtige Beiträge der Technologie dazu sind Hochdurchsatzverfahren zur schnellen Genomanalyse und die inzwischen verfügbaren Verfahren zur In-Memory-Analyse großer, heterogener Datenbestände in sehr kurzer Zeit bis hin zur Echtzeit.

Maßgeschneiderte Therapien und Medikamente

Beides zusammen eröffnet das Versprechen einer Krebstherapie, die für genetisch ähnliche Patientengruppen maßgeschneiderte Therapiepläne und Medikamente bereithält. Das erhöht die Erfolgsaussichten und erspart Patienten Behandlungsversuche mit Mitteln, die bei der individuellen Gruppe oder Person aufgrund der genetischen Konstitution nichts bewirken können, wobei die in der Regel erheblichen Nebenwirkungen aber trotzdem zu ertragen sind.

Das NCT (National Center for Tumor Diseases) ist eine der deutschland- und weltweit führenden Einrichtungen in der Tumorforschung und -behandlung, in der 15 bis 20 Prozent der hierzulande am schwersten an Krebs erkrankten Patienten behandelt werden. Jährlich hat das NCT 500.000 Patienten und eine Million Besucher.

An dem Zentrum wird von Anfang an versucht, Forschung und innovative Behandlungsansätze so weit wie möglich aneinander anzunähern. „Was nützt ein Forschungsergebnis, das den Patienten nicht hilft?“, fragt Prof. Dr. med. Christof von Kalle, Direktor der Abteilung Translationale Therapie am NCT.

Forschungsergebnisse schnell in die Praxis umsetzen

Das NCT gehört zum Deutschen Konsortium für Translationale Medizin, dessen Ziel es ist, Forschungsergebnisse möglichst schnell in für Kranke heilsame oder hilfreiche Therapien umzusetzen. Knapp 20 Prozent der Patienten, die in der Regel unter besonders schweren oder komplizierten und sonst unheilbaren Krebserkrankungen leiden, haben dort die Chance, an den ersten Studien am Menschen zu neuen, innovativen Medikamenten teilzunehmen.

Genetische Analysen („Omics“) gehören am NCT zu den Standardverfahren, um herauszufinden, ob es genetisch ähnliche Gruppen bei den an einer bestimmten Krebsform Erkrankten gibt. Von Kalle: „So wie man heute davon ausgeht, dass das höher auflösende bildgebende Verfahren per se besser ist, setzt sich auch die Einsicht durch, dass detailliertere genetische Analysen besser sind als ungenauere.“

Mit Big Data Analytics gegen Krebs

Natürlich entstehen dabei auch riesige Datenmengen. Doch um Wirkzusammenhänge zwischen Medikamenten und bestimmten Genomtypen aufzudecken und das richtige Medikament herauszufinden, braucht man nicht nur die Genomdaten. Vielmehr gilt es, möglichst viele Daten zusammenzuführen und gemeinsam zu analysieren. Das sind nicht nur die Daten eines jeden individuellen Patienten und sein Krankheitsverlauf, sondern auch beispielsweise Daten weiterer Patienten, die an dieser speziellen Krebsform leiden, Daten zu den bisher verabreichten Medikamente, Befunde und Vieles mehr: „Deshalb ist gute Medizin an dieser Stelle ein Problem der IT“, sagt Stefan Fischer, Vertriebsleiter Healthcare bei SAP Deutschland SE & Co.KG.

Am NCT arbeitet man, um dieses Problem zu lösen, inzwischen mit SAP zusammen und nutzt eine spezielle Variante des SAP-HANA-Systems, die „SAP HANA Platform for Healthcare“, eine Lösung, die neben allgemeinen Funktionen mit speziellen Softwaremodulen für den Medizinbereich ausgerüstet ist. So werden mit dem HPH Clinical Data Warehouse die gesamte Plattform und die in ihr enthaltenen Daten verwaltet.

Auf den unteren Ebenen der Lösung, die etwa die Datenlogistik und andere relativ anwendungsunabhängige Grundfunktionen bereitstellen, lagern diverse Middleware-Applikationen, von denen einige spezifisch für den Bereich Medizin sind, beispielsweise der Master Patient Index, Genomics, eine Clinical Measure Library, klinische und genomische Daten. Auf diesen liegen wiederum Applikationen auf, die Endanwender nutzen, wenn sie Erkenntnisse erzielen wollen.

Korrelationsanalysen

Eine von ihnen ist die Medical Insights App, die SAP am Innovationszentrum Potsdam entwickelt hat. Sie ist seit Ende 2014 fertiggestellt und im Echtbetrieb. Noch im November soll Version 2 folgen. Die App ermöglicht es, aufgrund der an das System angeschlossenen heterogenen Datenquellen komplett neuartige Korrelationsanalysen zu fahren. Dabei sorgt ein abgestuftes Berechtigungskonzept für Datenschutz: Behandelnde Ärzte haben beispielsweise auf die vollständigen personalisierten Daten lediglich „ihrer“ Patienten Zugriff, nicht aber auf die Daten anderer Patienten.

Wissenschaftler dagegen sehen nur pseudonymisierte Daten, aber von allen Patienten, die ein gesuchtes Merkmal aufweisen. In dem Sicherheits-Fokus sieht SAP eine besondere Stärke seines Produkts. So können die Forscher ihre Korrelations- und andere Analysen ungestört durchführen, während die Ärzte plötzlich konsolidierten Zugriff auf alle Daten haben, die es irgendwo im Haus über einen speziellen Fall gibt. „Früher mussten wir Daten häufig mehrfach aufnehmen, wobei immer wieder Fehler vorkamen“, erklärt von Kalle. 15 bis 20 Systeme sind an das System angebunden, darunter Pathologie, Tumor- und Patientendatenbank, Patientendaten, Biobanks, Radiologie, „Omics“ und Biobank, die vorher nicht miteinander kommunizierten, und es können jederzeit weitere hinzukommen.

Neu in Version 2 ist die Integration der gesamten Genomanalyse. „Wir können jetzt für bestimmte Befunde herausfinden, ob diese mit bestimmten genetischen Konstellationen zusammenhängen, können mittels Drill-Down feststellen, welche einzelnen Gene von den Veränderungen betroffen sind, welches die Patienten sind, die eine bestimmte Variante aufweisen, welche Merkmale diese Patienten eventuell zusätzlich gemeinsam haben bis hin zu einem detaillierten Blick auf Krankheits- und Therapieverlauf sowie individuelle Merkmale jedes einzelnen Betroffenen“, erklärt Dominik Bertram, Leiter des Entwicklungsbereichs Healthcare des Potsdamer SAP-Innovationszentrums.

Der Award „Land der Ideen

Weil diese Leistung möglicherweise ganz neue Möglichkeiten einer Individualisierung der Krebstherapie eröffnet, erhielt Bertram in München jetzt einen von 100 in diesem Jahr vergebenen Award „Land der Ideen“. In jedem Jahr gibt es andere Schwerpunktthemen, dieses Jahr stand das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt. Beworben hatten sich 1.000 Projekte aus unterschiedlichen Bereichen (Kultur, Wirtschaft, Umwelt etc.). Die Kampagne „Land der Ideen“ läuft seit neun Jahren und ist eine Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.

Thorsten Schlegel vom Sponsor Deutsche Bank sagte in seiner Laudatio: „SAP bekommt für die Medical Insights App einen Award als Beispiel für den digitalen Wandel im Gesundheitswesen: kreativ, an der Praxis und am Patienten orientiert.“ Für SAP dürfte die Auszeichnung gelegen kommen: Der Softwareriese hat erst vor kurzem einem Jahr einen neuen Bereich Healthcare gegründet, für den mehrere tausend Mitarbeiter weltweit aktiv sind.

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