Haushaltsrobotik

„Roomba“, der Big-Data-Sauger

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Nico Litzel

Dieser Staubsaugerveteran ist unter Datenschutzgesichtspunkten harmlos, weil "strohdumm".
Dieser Staubsaugerveteran ist unter Datenschutzgesichtspunkten harmlos, weil "strohdumm". (Bild: Pixabay / CC0)

Selbst kochen? Nö, das erledigt Thermomix. Auch die Teppichpflege überlässt der Technik-Nerd lieber seinem Staubsaugroboter. Topmodelle wie die von iRobot sind netzwerkfähig und saugen neben Staub auch Orientierungsdaten. Bei iRobot denkt man inzwischen darüber nach, diese Datenflut zu kommerzialisieren.

Normale Staubsauger wie der gute alte „Kobold“ sind in hightech-verliebten Haushalte tabu. Ein Staubsaugroboter muss her. Der Markt bietet mittlerweile ein Fülle von Geräten mit unterschiedlichster Ausstattung zu unterschiedlichsten Preisen. Auch die Saugleistung variiert spürbar, wie Tests zeigen. „Doofe“ Basisgeräte sind ebenso zu haben, wie richtige Superroboter, die immer ganz genau wissen, wo sie sich im Raum befinden. Sie können sich selbst zur Ladestation manövrieren und dadurch selbstständig die Reinigung der gesamten Wohnung „planen“. Der Roomba von Heimroboterpionier iRobot gehört zu dieser Gattung und ist zu einem Synonym für die Gattung Staubsaugroboter geworden.

„Slam“ macht den Saugroboter intelligent

Um einwandfrei zu funktionieren, kartiert die Luxus-Variante des Roomba beim Saugen die gesamte Wohnung. Zum Einsatz kommt allerlei Sensorik – Infrarot, Laser und anderes. „Slam“ nennt iRobot diese Technik, was für „Simultaneous localization and mapping“ steht. Dank Slam weiß der Roboter immer, welche Stellen er bereits gesaugt hat und wo er nach der nächsten Ladepause seine Tour fortsetzen. Und wo Sensoren sind, das weiß jeder IoT-ler, entstehen Datensätze, die auch von anderen smarten Geräten genutzt werden könnten – theoretisch wenigstens. Aktuell dienen sie dem Roomba lediglich zur Orientierung.

Doch Datensätze wie die des Roomba machen „sinnlich“, zumindest einen gestanden IoT-ler. So auch iRobot-Chef Colin Angle, der nach einem Bericht des in Neustadt an der Weinstraße ansässigen IT-Security- Spezialisten 8com GmbH & Co. KG überlegt, ob man diese Daten nicht Gewinn bringend verkaufen könnte. Die Anwendungsmöglichkeiten wären vielfältig, so Angle. Richtig Geld verdienen könnte Hersteller iRobot, wenn er die Roomba-Daten an Werbetreibende verkauft. Voraussetzung wäre die Einbindung des Saugers in eine Smart-Home-Ökosystem, das mit einer Kommandozentrale wie Amazon Echo, Google Home oder dem Apple HomePod gesteuert wird .

Die Top-Sauger sind bereits netzwerkfähig

iRobot-Chef Angle hat bereits angekündigt, mit einem dieser drei Anbieter in Verhandlungen über den Kauf der Datensätze treten zu wollen. Ein erster Schritt dafür ist auch schon getan, denn der Roomba lässt sich über Echo und Google Home steuern.

Allerdings will iRobot die Daten nach eigenen Bekunden nur mit Einwilligung der Nutzer weiterverkaufen. Doch das Unternehmen hat sich eine Hintertür für solche lukrativen Deals offen gelassen. In seiner Privacy Policy hat es eine Klausel versteckt, die ihm erlaubt, die Daten der Nutzer auch für Werbezwecke an verbundene Unternehmen weiterzugeben. Auch andere Firmen dürfen die Daten des Roomba mit Einverständnis der Nutzer für Werbung nutzen. Wer dem nicht zustimmen mag, darf die firmeneigene App nicht nutzen.

Kunden in Europa könnten sich auf die EU-Datenschutzgrundverordnung berufen, die im Juni 2018 in Kraft tritt: Diese besagt, dass Nutzer eine freiwillige und vor allem auf den Fall bezogene informierte Einwilligung geben müssen. Die bisherige Privacy Policy von iRobot wäre damit nicht mehr ausreichend.

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