Player in den Bereichen IoT und Big Data

Reply präsentiert sich in Münchens BMW-Welt

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

In Kooperation mit Reply realisierte Grenzebach, ein weltweit führenden Hersteller von Glasproduktionsmaschinen, eine Lagerlösung, mit der Teile per autonomem Fahrzeug zum Picker gebracht werden. Dabei „kennt“ das Fahrzeug den Bauplan und „weiß“, welches Teil als nächstes gebraucht wird.
In Kooperation mit Reply realisierte Grenzebach, ein weltweit führenden Hersteller von Glasproduktionsmaschinen, eine Lagerlösung, mit der Teile per autonomem Fahrzeug zum Picker gebracht werden. Dabei „kennt“ das Fahrzeug den Bauplan und „weiß“, welches Teil als nächstes gebraucht wird. (Bild: Rüdiger)

Die italienische Holding Reply ist ein Beleg dafür, dass durch das Internet der Dinge, die Cloud und Big Data Chancen für neue Unternehmen entstehen, an diesen Märkten zu partizipieren. Können sie mit den Großen mithalten?

Von Reply dürften in Deutschland viele IT-Spezialisten noch nichts gehört haben. Doch das Unternehmen ist höchst lebendig, seine Struktur allerdings sehr ungewöhnlich: Reply gliedert sich in eine Holding und mittelständische Spezialisten, in Deutschland allein existieren laut Clemens Weis, Geschäftsführer der Industrie Reply GmbH, 26 Tochterunternehmen. Diese Spezialfirmen haben mal 20, mal 120 Mitarbeiter, keine von ihnen ist jedoch bis heute größer als ein kleinerer Mittelständler.

Auf diese Weise kommen bei der 1996 in Italien gegründeten Reply-Gruppe unter der Leitung von CEO Tatjana Rizzante weltweit rund 6.000 Mitarbeiter zusammen, die gemeinsam rund 780 Millionen US-Dollar umsetzen. In Deutschland, dem nach Italien wichtigsten Markt, waren es 2016 rund 130 Millionen US-Dollar. Reply ist börsennotiert. Ein Teil der Aktien gehört den Gründern, der Rest wird frei gehandelt.

Jede der Tochterfirmen ist für ein spezielles Technologiethema oder eine sehr spezielle Aufgabe zuständig, beispielsweise die Beratung, das Coden von Apps, das Bauen von Portalen und so weiter. Aufträge werden jeweils federführend an ein Unternehmen aus der Gruppe vergeben, das sich dann die fehlenden Bausteine innerhalb der Gruppe zusammensucht.

Flexible Struktur

„Wir finden, dass diese Struktur sehr flexibel ist und dafür sorgt, dass unsere Mitarbeiter und Führungskräfte immer sehr nah am Kunden agieren“, erklärt Dr. Thomas Hartmann, Vorstand der deutschen Reply AG, unter der die deutschen Tochterunternehmen agieren. Bei Bedarf werden neue Tochterfirmen gegründet, aufgekauft oder in Start-ups investiert. Die generelle Richtung wird auf jährlichen Meetings diskutiert. Dass diese Struktur einmal zu komplex werden könnte, fürchtet der Manager nicht.

Die Marge, so Hartmann im Interview mit Journalisten auf der Reply Exchange in München, sei über alle Tochterunternehmen hinweg zweistellig. „Das ist nicht schlecht für eine Firma, die nichts herstellt“, meinte er. Freilich gäbe es von diesem Durchschnitt größere Abweichungen nach unten und nach oben.

Die Themen, mit denen sich Reply beschäftigt, sind zum Teil brandaktuell, zum Teil traditioneller. Wichtige Standbeine sind derzeit Industrie 4.0 (Industrie Reply), die auf Web-Services basierende Manufactoring-Operations-Management-Plattform Brick von Brick Reply und dem Venture-Unternehmen Breed Reply, das derzeit knapp zwanzig Start-ups rund um IoT fördert. Click Reply beschäftigt sich ausschließlich mit Supply Chain Fulfilment. Zum Verbund gehören auch Unternehmen, die Freelancer ausleihen, Webseiten bauen, sich der Optimierung des Einzelhandels widmen, auf Virtuelle Realität und Augmented Reality setzen und so weiter.

Eigenentwicklung

Auf der Münchner Kongressmesse Reply Exchange, die zeitgleich in London und Mailand durchgeführt wurde, konnte man anhand einiger Demoprojekte sehen, welche Art von Lösungen Reply für seine Kunden realisiert. Viele neue Lösungen entstehen aber mittlerweile nicht mehr aus Kundenprojekten, sondern werden selbst entwickelt und dann auf dem Markt angeboten.

Dies gilt beispielsweise für ein System für das Data Driven Marketing, das anhand der semantischen Analyse von rund 6.000 öffentlichen Quellen, darunter Patentanmeldungen und viele wissenschaftliche Publikationen, versucht, neue Trends nicht nur zu bemerken, sondern auch in ihrer Intensität und ihrer Ausbreitung zu quantifizieren und damit mit anderen Trends vergleichbar zu machen. Die Lösung wird als Softwareservice angeboten.

Zusammen mit Grenzebach, einem weltweit führenden Hersteller von Glasproduktionsmaschinen, realisierte die Reply-Gruppe eine neue Intralogistik, bei der die Teile mithilfe eines automatisierten Fahrzeugs (AGV, Automated Guided Vehicle) im richtigen Moment zum Picker gebracht werden. Das Fahrzeug ist mit der Produktionsdatenbank gekoppelt und „weiß“ daher, was als nächstes benötigt wird. Außerdem baut Reply für das Unternehmen derzeit an einem neuen App-Server, der auf Docker-Containern basiert.

Grenzebach, führend auch in der Forschung zum Thema Glas und Glashandhabung, will über diesen Server, der auf Microsoft Azure laufen wird, seinerseits Kunden Apps zur Nutzung bereitstellen und generiert damit für sich selbst einen neuen Umsatzstrom. Reply stellt dabei einerseits Kosten für die Erstellung von Software in Rechnung und teilt sich bei anderen Apps die Erlöse aus dem Kundengeschäft mit dem Glasspezialisten.

Clemens Weis, Geschäftsführer der Industrie Reply GmbH
Clemens Weis, Geschäftsführer der Industrie Reply GmbH (Bild: Rüdiger)

IoT-Services auf Basis von Azure & Co.

Reply setzt seine analytischen Lösungen grundsätzlich auf den IoT-Services von Azure oder anderen Cloud-Providern auf und erweitert diese durch eigene Module.„Wir glauben, dass diese Provider sehr gute Services anbieten und wollen uns lieber auf andere Themen konzentrieren“, sagt Weis.

Gemeinsam realisierten Syskoplan Reply, SAP, die Uni St. Gallen und ein Gabelstaplerhersteller eine intelligente Lösung fürs Gabelstapler-Flottenmanagement und einen verbesserten Service. Dabei werden Daten darüber erhoben und analysiert, welcher Gabelstapler wann, wo, wie lange und wie schwer beladen unterwegs ist. Daraus ergibt sich, welches Wartungsintervall für jeden Gabelstapler sinnvoll ist. Durch die Erfassung von Echtzeitdaten über die Auslastung der Flotte und die Zubuchung externer Ressourcen lässt sich beispielsweise erkennen, ob der Fuhrpark eventuell zu groß ist.

Für einen deutschen Automobilhersteller realisierte die Reply-Gruppe eine Lösung, die mit intelligenter Spracherkennungssoftware arbeitet. Die dazugehörige App, die über Geräte wie Google Home, Skype oder Messengerdienste wie Telegram arbeitet, gehört in die Kategorie „Conversational Commerce“. Ein Beispiel: Vielleicht möchte ein Fahrer die Rückbank seines PKW herausnehmen, weil er etwas Sperriges transportieren möchte. Falls man selbst nicht weiterkommt, kann man nun eine natürlichsprachige Anfrage an das System stellen, das sie versucht zu beantworten – gegebenenfalls, sofern es die Auswertung des im Detail vorhandenen Kundenprofils durch die dahinterliegende intelligente Software nahelegt, mit einem aus Sicht des Automobilherstellers passenden Serviceangebot wie dem, ein größeres Fahrzeug zu leasen. Ob Anwender freilich goutieren werden, dass im Hintergrund immer die „Verabreichung“ weiterer Serviceangebote statt des gewünschten Rats zur technischen Handhabung des eigenen Fahrzeugs lauert, darf getrost angezweifelt werden.

IoT für Endanwender

Auch im Bereich IoT für Endanwender ist Reply aktiv. Gezeigt wurde in München eine Lösung, die der Armaturenhersteller Grohe vor allem für den Einsatz in Einfamilienhäusern konzipiert hat. Sie soll größere Schäden durch Wasserrohrbrüche verhindern. Die Box wird in die externe Wasserzuleitung eingebaut. Sie misst ständig die Durchflussdaten und sendet sie in die Cloud, an die sie über das häusliche WLAN angebunden ist. Wird von den in der Cloud arbeitenden intelligenten Algorithmen festgestellt, dass wahrscheinlich ein Wasserrohrbruch besteht, erhält die Box einen Schaltimpuls und schaltet die gesamte Wasserzufuhr zum Haus ab. Gleichzeitig verständigt sie drahtlos über eine App auf dem Smartphone den Hausbesitzer.

Schwachstelle der Applikation ist zweifellos das zwangsweise Angewiesen-Sein auf das WLAN, denn drahtlose Heimnetze sind selten zuverlässig und Router können gerade bei größeren Wasserschäden in Mitleidenschaft gezogen werden. Dennoch zeigt das Beispiel, dass es im Bereich „IoT für den Privateinsatz“ auch Sinnvolleres gibt als sprechende Haar- oder an ein Online-Spiel gekoppelte Zahnbürsten, Gimmicks, die auf der CES 2017 zu sehen waren.

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