Nachbericht Qlik-Roadshow

Qlik investiert in Cloud und Datenservices

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Wolfgang Kobek Managing Director und Regional Vice President bei Qlik: „Am Ende entscheidet immer der Mensch“
Wolfgang Kobek Managing Director und Regional Vice President bei Qlik: „Am Ende entscheidet immer der Mensch“ (Bild: Rüdiger)

In München trafen sich Kunden, Partner und Interessenten des Datenvisualisierungsspezialisten Qlik zur Roadshow. Im Mittelpunkt stand Qlik Sense, das aktuelle, zur Selbstbedienung geeignete Visualisierungs- und Analysetool des Herstellers.

„Oft dauert es sechs Wochen, bis die benötigten Daten da sind, aber laut einer Erhebung von EMC müssen viele Verantwortliche innerhalb eines Tages entscheiden“, begründete Hermann Obeling, Vertriebsleiter Qlik für den deutschsprachigen Raum, warum die Nachfrage nach der Visualisierungssoftware um 37 Prozent jährlich steigt. Der Softwareanbieter, der 1993 in Schweden gegründet wurde und inzwischen rund 556 Millionen US-Dollar umsetzt und 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat seine Zentrale mittlerweile in den USA und ist dort seit 2010 an der Börse gelistet.

Rund 15 Prozent der etwa 37.000 Kunden weltweit kommen aus Deutschland, so Wolfgang Kobek, Management Director und Regional Vice President im Gespräch mit BigData-Insider. Die Nachfrage steige, weil der Druck durch den Wettbewerb zunehme. „Besonders Kunden, deren wirtschaftliche Situation aktuell nicht rosig ist, wollten plötzlich alles ganz genau wissen.“

Alleinstellungsmerkmale

Qliks Alleinstellungsmerkmale sind laut Kobek erstens die umfassende Integration des Governance-Themas, zweitens einige patentierte Algorithmen. So lassen sich etwa die Berechtigungsstrukturen von SAP oder Microsoft (Active Directory) für die daraus generierten Reports in Qlik übernehmen. Ein Governance Dashboard zeigt, wer wann auf welche Analysen und Daten zugegriffen hat. Ein Algorithmus komprimiert die zu analysierenden Datenmengen, die im Terabyte-Bereich liegen können, um rund 80 Prozent zum Qlik-proprietären Datenformat, ehe sie auf Server oder in die Cloud geladen werden.

Ein weiterer Algorithmus gestattet die Suche nach Begriffen im gesamten Dokumentenbestand und Kontext. Dies, so Kobek, sei unter den vergleichbaren Tools einmalig. Wer etwa „Japan“ eingebe, finde, ähnlich der Google-Suche, alle Daten im Zusammenhang mit Japan. Normalerweise müsse man, um beispielsweise japanische Kunden zu finden, die Begriffe „Japan“ und „Kunde“ verknüpfen.

Das Qlik-Produktportfolio umfasst inzwischen neben dem servergebundenen Produkt Qlik View, das inzwischen um den Formatgenerator NPrinting ergänzt wurde, auch die webbasierende Lösung Qlik Sense. Deren Software basiert durchgängig auf HTLM5, was bedeutet, dass die generierten Visualisierungen auch auf mobilen Geräten sinnvoll darstellbar sind („Responsive Design“). Die Bedienung erfolgt durchgängig über eine Web-Schnittstelle.

Kostenfrei für bis zu fünf Nutzer

Sense kann auf einem Unternehmensserver, der Private oder auch in der Qlik-Cloud laufen. Der Cloud-Service Qlik Sense Cloud erlaubt den Upload von Daten und deren kostenlose Analyse durch bis zu fünf Nutzer. Erst bei mehr Anwendern wird das System kostenpflichtig. Das proprietäre, durch Kompression verschlüsselte Datenformat macht die überwiegend durch Point-and-Click generierbaren „Datenstories“ und „Sheets“ parallel berechtigten Endanwendern weltweit zugänglich. Sie können dann weiter mit den Daten in der Cloud arbeiten, wobei die Originale unverändert bleiben, egal, welche Auswertungen oder Drill-Downs die jeweiligen Anwender generieren.

Ein deutscher Automobilbauer, der einige Spezialisten zur Qlik-Roadshow entsandt hatte, kommt damit allerdings nicht zurande. Ein Vertreter des Unternehmens, der seinen Namen nicht in einem online lesen möchte, meinte dazu: „Um die komplexen analytischen Aufgaben, die sich uns stellen, zu lösen, schreiben wir längere Skripte mit der Qlik-Skriptsprache.“

Neu im Programm des Anbieters ist auch ein Datendienst aus der Cloud (Data-as-a-Service). Qlik-Kunden können damit statistische Daten, etwa BIP-Zeitreihen, Wetterdaten, Wechselkurse oder Firmendaten, die Qlik bereits für die Integration in Analysen mittels seiner Produkte aufbereitet hat, in ihre Reports auf Basis firmeninternen Datenmaterials integrieren. Dabei sind relativ unspezifische Daten wie das BIP oder Wetterdaten kostenlos. Wer hochwertigere und spezifischere Daten braucht, muss zahlen – monatlich „20 bis 25 Euro“ (Kubek). Der Datenbestand wird sukzessive weiter ausgebaut.

„Vielen SAP-Kunden sind die BI-Tools des Anbieters zu komplex, sie greifen dann gern zu Qlik“, Ewald Schneider, Geschäftsführer Cellent Mittelstandsberatung
„Vielen SAP-Kunden sind die BI-Tools des Anbieters zu komplex, sie greifen dann gern zu Qlik“, Ewald Schneider, Geschäftsführer Cellent Mittelstandsberatung (Bild: Rüdiger)

1.700 Partner weltweit

Ewald Schneider, Geschäftsführer der Cellent Mittelstandsberatung, präsentierte sich ebenfalls auf der Roadshow. Der Dienstleister mit Schwerpunkt im SAP-Geschäft gehört seit 2014 zu den wenigen Premium-Partnern von Qlik im Raum DACH gehört. Weltweit hat Qlik 1.700 Partner, von denen nur knapp zwei Handvoll der höchstqualifizierten Partnerklasse angehören. 20 spezialisierte Berater kümmern sich bei der Cellent Mittelstandsberatung um das Qlik-Geschäft, dazu kommen vier Mitarbeiter, die sich mit Qlik-Managed-Services beschäftigen.

Besonders SAP-Kunden, denen die komplexe BI- und Analytik-Landschaft des Walldorfer ERP-Spezialisten zu komplex oder zu teuer ist, fragen Cellent, um sich in der Regel innerhalb weniger Wochen eine praxisreife Lösung aus ihren Datenbeständen stricken zu lassen. Schneider: „Wir sind 2011 in das Qlik-Geschäft eingestiegen, haben derzeit rund 120 Kunden im Raum DACH, und jedes Jahr kommen zwischen 20 und 30 neue hinzu.“ In der Regel gehe es dabei um die optisch ansprechende, schnelle und flexible Auswertung vorhandenen Datenmaterials, weniger um Social-Media-Analysen oder Big Data. „Für Big-Data-Aufgaben holen wir uns Unterstützung von darauf spezialisierten Dienstleistern“, erklärt Schneider.

Big-Data-Analyseergebnisse spielen eine geringe Rolle

Doch das derzeitige Hype-Thema Nummer 1 scheint bei den Qlik-Kunden ohnehin noch nicht die ganz große Rolle zu spielen, genau so wenig wie das aktuell geradezu fanatisch hochgejazzte IoT (Internet of Things). „Rund 15 Prozent unserer Kunden integrieren in ihre Reports auch Big-Data-Analyseergebnisse“, weiß Kobek. Daten aus den diversen für Hadoop-Analysen verwendeten Datenbankformaten lassen sich wie viele andere Datenquellen aber durchaus einlesen. Auch ein anderes Trendthema, Social Media, ist zumindest für Cellent-Kunden bisher relativ unwichtig.

Schneider: „Bisher haben wir nur eine Anwendung für einen Bekleidungs-Filialisten realisiert, die so etwas integriert.“ Für relevante Ergebnisse komme es ohnehin nicht darauf an, uferlos beliebige Datenmengen zu analysieren, sondern die relevanten Daten. Kobek: „Was relevant ist, ist in jedem Einzelfall unterschiedlich und hängt zum Beispiel von der Produktlebensdauer ab.“ Alles unterschiedslos aufzuheben, wie das manche Daten-Gurus empfehlen, rät Kobek jedenfalls nicht.

Bei den Demonstrationen von Qlik Sense wurde vorgeführt, wie schnell sich multidimensionale Analysen bestimmter Daten aus den zuvor eingelesenen Datenbeständen zusammenklicken lassen. Demonstriert wurde aber auch, dass Analytik der alten Softwareregel „Garbage in, Garbage out“ folgt. Kurz: Wer unsinnige Parameter korreliert, darf sich über unsinnige Analyseergebnisse nicht wundern. Fachkenntnisse der betroffenen Branche und intime Kenntnisse von Geschäftsmodell und Situation des eigenen Unternehmens seien unerlässlich, derlei zu vermeiden, vernünftige Analysen zu erstellen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen, so Qlik- und Cellent-Fachleute einhellig.

Auch irre sich, wer glaube, irgendwann könne man Entscheidungen vollständig an die Maschine delegieren und umfassende Vorhersagen machen. Analysiert würden ja immer Daten aus der Vergangenheit, die gerade unerwartete und außerordentliche Entwicklungen eben nicht prognostizieren würden. „Letztendlich glauben wir, dass am Ende immer der Mensch entscheiden muss“, betont Kobek.

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