Big Data Analytics Suite „Magellan“

OpenText erweitert Analytik um Künstliche Intelligenz

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Eine Ein-Server-Architektur der Analytics Suite 16 für Big Data Analytics. Sie basiert auf der OpenText-Datenbank FastDB.
Eine Ein-Server-Architektur der Analytics Suite 16 für Big Data Analytics. Sie basiert auf der OpenText-Datenbank FastDB. (Bild: OpenText)

OpenText, ein führender Hersteller im Markt für Enterprise Information Management (EIM), baut sein Analytics-Portfolio mit dem Release der Big Data Analytics Suite „Magellan“ aus. Nach dem BI-Tool BIRT und Content Analytics für die Analyse unstrukturierter Texte stellt „Magellan“ OpenTexts Vorstoß in den umkämpften Big-Data-Markt dar.

CEO Mark Barrenechea hat in seinem Blog „Magellan“ als „kognitive Plattform der nächsten Generation“ angekündigt. Damit würde sich OpenText, bisher vor allem im EIM- und DMS-Markt tätig, mit einem Schlag in die Liga von IBM, Oracle, SAP und Microsoft katapultieren. Er will diese Suite in der zweiten Jahreshälfte 2017 verfügbar machen.

Mark Barrenechea, CEO und CTO von OpenText, plant mit „Magellan“ das nächste Release seiner Analytics-Plattform.
Mark Barrenechea, CEO und CTO von OpenText, plant mit „Magellan“ das nächste Release seiner Analytics-Plattform. (Bild: OpenText)

Den hohen Anforderungen entsprechend soll der Funktionsumfang von „Magellan“ recht umfangreich werden. Auf der Basis der bestehenden OpenText-Analytics-Plattform im Release 16 soll die neue Suite Datenvisualisierung, Stimmerkennung, Videoerkennung, intelligente semantische Suche, Text Mining und Sprachverarbeitung integrieren sowie semantische und numerische Engines umfassen, mit denen diese Vielfalt von Informationsformen zu verarbeiten sind.

Die Analyse-Plattform der Wahl ist Apache Spark, das zunehmend an Beliebtheit gewinnt und von Herstellern wie IBM stark gefördert wird. Apache Spark umfasst Verarbeitungsmöglichkeiten für SQL-, Streaming- und Graph-Daten, stellt derzeit rund tausend Algorithmen für Machine Learning zur Verfügung und lässt sich mit Apache Hadoop integrieren. Die Plattform für verteilte In-memory-Datenverarbeitung basiert auf offenen Standards wie Java, HTML5, SQL und den zahlreichen Komponenten des Hadoop-Ökosystems. Laut Barrenechea „werden Entwickler in der Lage sein, auf dieser Plattform Anwendungen und Services zu erstellen, um ihr reichhaltiges Ökosystem zu erweitern“. Es dürften vor allem Open-Source-Entwickler angesprochen sein.

Magellan und EIM

Weil auch Magellan auf solchen offenen Standards aufbaut, so der CEO, lasse es sich in andere Anwendungen und Plattformen einbetten. Dadurch würden die Kundenanwendungen von all diesen Algorithmen profitieren, etwa für Klassifizierung und Weiterleitung von Dokumenten. Magellan soll einfach zu programmieren und zu bedienen sein; Spark lässt sich mit Java und Python programmieren. Damit wäre Magellan eine der ersten Lösungen, mit denen sich Analyse-Anwendungen durch Künstliche Intelligenz erweitern und dennoch einfach bedienen ließen.

Die Kombination aus Magellan und Apache Sparks Machine Learning mit OpenTexts EIM soll es den OpenText-Kunden erlauben, ihr Enterprise Information Management um die Fähigkeit zu Predictive Analytics zu erweitern. Barrenechea sieht Anwendungsbereiche im Finanzsektor, in der Genomforschung wie auch in Gebäuden, wo Gasometer in Echtzeit abgelesen werden könnten.

Das Fundament R16

Indem OpenText den Funktionsumfang von Release 16 mit den Erweiterungen in „Magellan“ vereine, so der CEO, könne OpenText künftig die komplette Wertschöpfungskette abdecken und vollständig automatisieren: Kontaktaufnahme, Erfassung, Inhalt, Verarbeitung, Kollaboration, Entdecken, Austausch und schließlich Erkenntnis. Barrenechea vergleicht die Bedeutung mit der Fähigkeit eines ERP-Systems, das alle Funktionen von der Kampagne bis zur Bezahlung abdecken könne, nur eben angewendet auf die Informationsverarbeitung. „Von der Kontaktaufnahme bis zur Erkenntnis können Kunden künftig die schwierigsten Wirtschaftsfragen beantworten, indem sie den Wert ihrer Daten durch die Nutzung von Magellan erschließen“, so Barrenechea.

Content Analytics

Katharina Streater aus dem Produktmarketing von OpenText kündigt für das nächste Release von BIRT weitere Konnektoren an.
Katharina Streater aus dem Produktmarketing von OpenText kündigt für das nächste Release von BIRT weitere Konnektoren an. (Bild: OpenText)

Wie Katharina Streater aus dem Produktmarketing von OpenText Analytics angab, gibt es in Asien bereits mehrere Pilotprojekte. Dazu gehört eine Regierung, die über soziale Medien das Stimmungsbild ihrer Bürger auswertet, um herauszufinden, welche Themen sie bewegen und um eventuell bei Notfällen schneller reagieren zu können. Dies erfolgt unter Nutzung von Text Mining von sozialen Medien und Netzwerken.

Dieser „Big Content“ kann strukturierte und unstrukturierte Daten verwerten, um den Kontext eines Textes mit Schlüsselbegriffen und Metadaten anzureichern. Diese Keywords wiederum dienen dazu, den Text zu klassifizieren und an den geeigneten Mitarbeiter weiterzuleiten – dies erfolgt mit OpenText InfoFusion und dessen Modul „Content Analytics“. Da OpenText im Januar 2017 mit Documentum einen Mitbewerber gekauft hat, verfügt das Unternehmen nun nicht nur über mehr EIM-Kunden, sondern auch über umfassende EIM- und DMS-Technologie.

Außerdem werden damit semantische Taxonomien angelegt – zehn werden schon mitgeliefert. Mit ihnen ist beispielsweise Sentiment Analysis möglich, die es etwa dem Marketing erlaubt, die emotionale Reaktion der Zielgruppe zu erfassen und zu beurteilen, etwa über soziale Medien und Netzwerke.

BIRT und iHub

OpenText Analytics umfasst die spaltenorientierte Datenbank FastDB, die in-memory arbeitet. SQL-Unterstützung ist optional, wird aber nach Streaters Angaben nicht wirklich gebraucht, weil das Tool wie Qlik und Tableau für Data Discovery und Datenvisualisierung gebaut wurde. Es funktioniert mit OpenText BIRT iHub 3.1 und erlaubt es, Data Lakes anzulegen.

Zu OpenText Analytics gehört auch das quelloffene BI-Werkzeug BIRT, mit dem eine weltweite Entwicklergemeinde bereits zahlreiche, eingebettete Anwendungen für Datenvisualisierung und Reporting geschrieben hat. Dieses Prinzip der Einbettung soll „Magellan“ fortsetzen. „Von BIRT wird es Mitte des Jahres eine neue Version geben, die mit zahlreichen weiteren Datenkonnektoren aufwartet“, kündigte Streater an. Für das Internet der Dinge (IoT) stellen die Komponenten der Analytics Suite, besonders das iHub, bereits zahlreiche Konnektoren zur Verfügung. BIRT-Datenobjekte bilden die Datenschicht von iHub. Neben zehn Konnektoren zu Content Server stehen auch Konnektoren wie MQTT bereit, um so beispielsweise Sensordaten zu importieren.

Ein deutscher Anwender

Wie sich OpenText Analytics bereits heute im Umfeld des Internet of Things (IoT) einsetzen lässt, demonstriert der deutsche Bremsenhersteller Knorr-Bremse. Das Münchner Unternehmen mit 5,5 Milliarden Euro Jahresumsatz (2016) hat OpenText Analytics in seinem Plattform iCOM (intelligent Condition Oriented Maintenance) eingebettet, mit deren Hilfe die Kunden des Unternehmens datengetriebene Vorhersagen über das Verhalten bestimmter Bauteile treffen können.

Da sich so Reparatur- und Ersatzvorgänge in einem Fuhrpark von LKW oder Zügen leicht erfassen lassen, können sie auch besser gesteuert und geplant werden, was den Kunden letzten Endes Kosten spart. Mit den Berichts- und Abfragewerkzeugen aus OpenText Analytics können die Betreuer solche Daten leicht herausfinden und dementsprechend Maßnahmen ergreifen.

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