Cognitive Computing

München wird weltweites IBM-Zentrum für Watson IoT

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Video-Grußadresse von Horst Seehofer
Video-Grußadresse von Horst Seehofer (Bild: Rüdiger)

Mit Investitionen von knapp drei Milliarden US-Dollar steigt IBM in die Entwicklung von IoT-Lösungen ein. In München wurde jetzt das weltweite Entwicklungszentrum für diesen Sektor gegründet. Zusammen mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen sollen hier innovative Lösungen für das Zeitalter der vernetzten Dinge entstehen.

„Kognitives Computing“ soll in den nächsten Jahren sämtliche Branchen und alle Geschäftsmodelle gründlich revolutionieren, wenn es nach IBM geht. Gemeint ist damit eine Kombination aus Modellbildung, der Überlagerung unterschiedlicher Modelle für denselben Sachverhalt und dem gleichzeitigen Abgleich mit Echtzeitdaten, sodass die Rechner „lernen“, welche Modelle unter welchen Konditionen am besten funktionieren.

Basis entsprechender Lösungen wird IBM Watson, dessen Rechenleistungen IBM über vier unterschiedliche Schnittstellen (Textverstehen, Sprachverstehen, Bild-/Videoanalyse und Maschinenlernen) in der Cloud zur Verfügung stellt. Die zweite Grundlage der neuen Applikationen sind die Daten, die in Zukunft Milliarden von Sensoren in den vernetzten Dingen weltweit in Watson-basierende Applikationen einspeisen sollen.

Für wie wichtig IBM den IoT-Markt hält, belegt die Tatsache, dass man einem der größten Dienstleister für die Bereitstellung von Wetterdaten, The Weather Channel, ein Kaufangebot unterbreitet hat. Wetterdaten beeinflussen viele gesellschaftliche Abläufe gravierend, sie zu kennen und in Applikationen integrieren zu können, sei von großer Bedeutung, betonte geschlossen das IBM-Management. „Rund 70 Prozent aller Verkehrsbehinderungen gehen auf das Wetter zurück“, erklärte David Kenny, CEO von The Weather Company, in München.

Acht weitere IoT-Zentren

Entstehen sollen die neuen IoT-Applikationen außer in München in acht weiteren IoT-Zentren, die im Lauf der Zeit weltweit errichtet werden, wobei München die Zentrale bleibt. „Die Stadt bietet dafür mit seiner Universitätslandschaft, dem wirtschaftsfreundlichen Umfeld und den vielen Branchen wie Elektronik, Versicherungen, Automotive oder Bioengineering, die hier ansässig sind, beste Voraussetzungen“, betonte Harriet Green, die als General Manager Internet of Things and Education bei IBM das neue Geschäftsfeld weltweit leitet.

Um das zu bestätigen, ließ sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer via Video-Grußbotschaft zuschalten. IBM habe sich den richtigen Ort ausgewählt, schließlich sei München die führende EU-weite Leuchtturm-Region für die IT-Industrie. „Big Blue und Weiß-Blau passen optimal zusammen“, sagte Seehofer. Die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft, Medien, Energie und Technologie, Ilse Aigner, war sogar persönlich anwesend, um IBM in München zu begrüßen. „In Bayern gehen 26 Prozent der Wirtschaftsleistung auf das Konto der produzierenden Industrie – das sucht seinesgleichen“, sagte sie.

Die Landesregierung investiere 200 Millionen Euro in ihre Digitalisierungsstrategie. Auch Eric Clementi, Senior Vice President und Vorstand von IBM Europa, und damit für rund 30 Prozent des weltweiten IBM-Umsatzes verantwortlich, betonte die Bedeutung des Standortes. „München ist das Zentrum vieler Industrien. In 400 bis 500 Kilometern Umkreis werden rund 65 Prozent des europäischen Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Hier wollen wir der Transformationspartner der Unternehmen sein – München wird die Nabe, um die sich im IoT-Geschäft bei IBM alles dreht.“

Rund 1.000 Arbeitsplätze

Im Büroturm Mies-van-der-Rohe-Straße 4 mit einem phantastischen Rundblick über die Stadt und das Voralpenland schafft IBM auf rund 65.000 Quadratmetern rund 1.000 Arbeitsplätze der gesamten IoT-Wertschöpfungskette vom Entwickler bis zum Implementierungsspezialisten. Auch die Partner aus der Unternehmenslandschaft, die mit IBM zusammenarbeiten oder die Lösungen von Big Blue einsetzen wollen, sollen hier einen Platz finden. „Wenn wir irgendwo hinkommen, dann investieren wir groß und bleiben lange“, sagte Green. Man habe weltweit bereits über 4.000 IoT-Kunden, mehr als 1.600 Anwendungen und über 750 Patente in diesem Bereich.

Anwendungsmöglichkeiten in vielen Branchen

Einige dieser Kunden präsentierten sich anlässlich der Eröffnung. Matthias Rebellius von Siemens Building Technologies gab einen Ausblick auf die Chancen mit Sensoren gespickter, intelligenter und untereinander vernetzter Gebäude, die in Zukunft selbst Energie erzeugen und so von Energiekonsumenten zu Prosumern werden würden. Airbus berichtete von ersten Erfolgen bei der Nutzung der von den 300 Millionen Einzelteilen eines Jets erzeugten Datenmassen. Wichtige Anwendungen sind hier etwa die Routen- und Treibstoffoptimierung, vorausschauende Wartung und das intelligente Gepäckmanagement. Die Allianz will mit IBM-Technologie das Schadens- und Risikomanagement verbessern.

Präsentiert wurden außerdem in einem Showroom Lösungen zur Steuerung von Wind- und Solarfarmen, zur Überwachung der Luftqualität in Fahrzeugen, zur gezielten Emissionsverringerung bei Luftverschmutzung wie vor Kurzem in China, zur Verhinderung von Gesundheitsschäden am Arbeitsplatz und zur optimalen Beleuchtungssteuerung in Gebäuden.

Der Mittelstand soll mithilfe branchenbezogener Competence Center an den Segnungen des IoT-Zeitalters made by IBM teilhaben. „In meinen ersten 67 Tagen im Amt habe ich hier ständig mit Kunden gesprochen, und das Interesse ist bei Unternehmen aller Größenklassen sehr ausgeprägt“, betonte Green.

Den Mensch mit einbeziehen

Dass freilich der IoT-Einsatz auch mit Watson schwerlich funktioniert, wenn der Mensch übergangen wird oder die Umgebungsbedingungen nicht ausreichend berücksichtigt werden, belegten einige Beispiele aus dem Bereich „Vernetztes Fahrzeug“, die ein Vertreter des Peugeot-Managements in eine abschließende, von IBM-Deutschland-Chefin Martina Köderitz geleitete Podiumsdiskussion zur IoT-Anwendung einbrachte. So habe es bei den Werkstattbesitzern wenig Begeisterung erzeugt, wenn Fahrzeuge ihr Auto schon mit fertiger sensor- und Cloud-gestützter Fehlerdiagnose dort eingeliefert hätten. Die Werkstattbetreiber verlangten, dass die Diagnose der Fehler unter ihrer Regie vonstatten gehen solle, damit sie nicht zu bloßen Handlangern der Maschine degradiert würden und ihre Expertise behielten.

Eine Anwendung, die einem Kolbenfraß durch Alarm bei Öltiefstand im Motor vorbeugen soll, erzeugte zunächst zum Ärger der Nutzer extrem viele falsch-positive Alarme. Die Lösung: Man hatte nicht berücksichtigt, dass bei Bergauf-Fahrten das Messergebnis aufgrund des Schiefstandes der Flüssigkeitsoberfläche verfälscht ist. Nun wird bei alarmierenden Messwerten die Messung einfach nach fünf Minuten wiederholt und erst, wenn das Ergebnis immer noch problematisch ist, ein Alarm ausgelöst. Diese Beispiele unterstreichen eine Aussage von Allianz-Manager Dr. Ralf Schneider: „Nur das Zusammenspiel von menschlicher Intelligenz und Maschinen führt letztlich zu sinnvollen Lösungen.“

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