Studie von IDC

Industrie 4.0 ist in Deutschland mehr Vision denn Wirklichkeit

| Redakteur: Nico Litzel

Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC
Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC (Bild: IDC)

Industrie 4.0 will die Prinzipien des Internets der Dinge auf das verarbeitende Gewerbe übertragen. Ein Anwendungsbeispiel ist die vorausschauende Wartung von Maschinen und Anlagen auf Basis von Echtzeitdaten. Das klingt in der Theorie gut, ist aber laut der IDC-Studie „Industrie 4.0 – Startschuss für die ITK-basierte vierte industrielle Revolution“ noch nicht in der Breite der deutschen Industrie angekommen.

Durch das Konzept der Industrie 4.0 wachsen in der Fertigung die physische und die virtuelle Welt zusammen. Grundlage hierfür sind sogenannte Cyber-physische Systeme (CPS). Das sind Objekte, Maschinen und Anlagen, die mit Sensoren und einer dezentralen Steuerungseinheit ausgestattet sind und über eine Funk- oder Kabelverbindung Informationen untereinander und mit Softwareplattformen austauschen können.

In der Industrie 4.0, so die Vision, besteht die Produktionsumgebung aus intelligenten, vernetzten Objekten, die ihren Fertigungsprozess weit gehend autonom durchlaufen und deren Daten die Basis für Analysen, ein durchgängiges Engineering und intelligente Wertschöpfungsketten bilden.

Erste Studie von IDC zu Industrie 4.0

Der Marktanalyst IDC hat im Juni dieses Jahres 211 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland befragt. Nach Angaben von IDC war das Ziel der Befragung, ein besseres Verständnis über die Wahrnehmung von Industrie 4.0, bestehende Umsetzungspläne sowie mit dem Konzept einhergehende Chancen und Risiken zu erhalten.

Die Befragung ergab, dass der Terminus „Industrie 4.0“ nur 57 Prozent der Teilnehmer bekannt ist. Deutlich zeigt sich dabei eine Kluft zwischen Anlagen- und Maschinenbauern auf der einen Seite und den Betreibern von Anlagen- und Maschinen auf der anderen. 54 Prozent der Betreiber von Anlagen und Maschinen haben von „Industrie 4.0“ noch nichts gehört. Etwas bekannter ist das Konzept den Anlagen- und Maschinenbauern. Hier haben 26 Prozent der Teilnehmer angegeben, von diesem Begriff noch nicht gehört zu haben.

Weitere 28 Prozent der befragten Maschinenbauer und ein Viertel der Maschinenbetreiber haben von Industrie 4.0 zwar bereits gehört, haben sich damit aber nicht weiter befasst. Die Frage „Ich habe mich sporadisch mit dem Konzept auseinandergesetzt“ hat weniger ein Drittel der Anlagenbauer mit Ja beantwortet (31 Prozent) und nur 17 Prozent der Betreiber. Intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 haben sich schließlich 15 Prozent der Maschinenbauer und fünf Prozent der befragten Maschinenbetreiber.

Ergänzendes zum Thema
 
Fazit und Link zur Studie

Neue Geschäftsfelder erschließen

Hersteller von Maschinen, so die Zusammenfassung von IDC, setzten sich deutlich häufiger und intensiver mit Industrie 4.0 auseinander als Produktionsunternehmen. Das bestätige die Einschätzung, wonach Maschinenbauer ihr Produkt- und Serviceangebot ausweiten, neue Geschäftsfelder erschließen und sich frühzeitig in einem Wachstumsmarkt positionieren wollen.

Der Marktforscher weist zudem darauf hin, dass das Ergebnis stark von der Hierarchieebene der Befragten abhängig ist. Ein Großteil der Fach- und Führungskräfte setze sich derzeit sporadisch oder gar intensiv mit den Chancen und Risiken der vierten industriellen Revolution auseinander. Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Verwirklichung des Konzeptes, da die leitenden Angestellten die zukünftige Strategie eines Unternehmens prägten und Entscheidungen über Investitionen in neue Techniken träfen.

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