Pentaho User Meeting 2016

Immer mehr Anwender bauen auf Pentaho

| Autor / Redakteur: Stefan Müller* / Nico Litzel

Beim Pentaho User Meeting 2016 lauschten rund 70 Teilnehmer den Vorträgen der Referenten.
Beim Pentaho User Meeting 2016 lauschten rund 70 Teilnehmer den Vorträgen der Referenten. (Bild: IT-Novum)

Das Pentaho User Meeting ist das zentrale Treffen für alle Pentaho-Anwender aus dem deutschsprachigen Raum. Mehr als 70 Teilnehmer und zwölf Referenten belegen, wie stark das Interesse an der flexiblen Business-Intelligence-Plattform ist: Pentaho ist modular aufgebaut und besitzt eine offene Architektur, die sich mit einer großen Anzahl von Schnittstellen einfach in bestehende IT-Landschaften eingliedern lässt.

Der Grundgedanke des Pentaho User Meeting (PUM) ist es, Anwendern von Pentaho eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und zum Kontaktknüpfen zu bieten. Für den Big-Data-Spezialisten Pentaho ist das Treffen eine gute Gelegenheit, um die neuesten Entwicklungen bei der Software vorzustellen und mit den Usern zu diskutieren. Startete das erste PUM noch mit 40 Personen, waren es beim dritten Treffen bereits fast doppelt so viele Teilnehmer.

Nach der Begrüßung durch Stefan Müller, Director Business Intelligence & Big Data IT-Novum GmbH, einem der führenden IT-Beratungsunternehmen für Business Open Source, stellten gleich fünf Anwender ihre Datenintegrations-, Data Warehouse- und Dashboard-Projekte vor.

Data Lineage in Pentaho 6.0

Von Pentaho waren Matt Casters und Jens Bleuel vertreten. Beide arbeiten an der Datenintegrationskomponente Pentaho Data Integration (PDI) und gehören zu den „Urgesteinen“ bei Pentaho. Jens Bleuel stellte die neuen Funktionen für Data Lineage in der neuen Version 6 von Pentaho vor. Über Data Lineage lassen sich in Pentaho Data Integration die Datenflüsse aus externen Datenquellen in Steps/Entries und weitere externe Ziele nachverfolgen. Auch Beziehungen zwischen Jobs und Transformationen lassen sich so abbilden. Data Lineage ermöglicht es, den Datenfluss von Anfang bis Ende mitzuverfolgen und nachzuvollziehen.

Model Driven Data Integration

Die Weiterentwicklung von Kettle stand im Mittelpunkt des Vortrags von Matt Casters. Unter der Überschrift „Evolving Kettle: Model-Driven Data Integration“ informierte Casters über neue Entwicklungen im Bereich Datenintegration. Casters Entwicklungen im Bereich Model Driven Data Integration sind auf Github zu finden.

RASG: Data Warehouse für ein Entsorgungsunternehmen

Die Rhein-Sieg Abfallwirtschaftsgesellschaft ist für die Wert- und Abfallstoffe im Rhein-Siegburg-Kreis zuständig. Jürgen Sluyterman von der RSAG berichtete über das Datenprojekt des Unternehmens (PDF): „Jeder im Unternehmen handelte auf Grundlage anderer Daten.“ Inkonsistente Datenbestände und Datenlieferungen aus verschiedenen Systemen, auf die jede Abteilung andere Berichte fuhr, stellten die Ausgangssituation bei der RSAG dar. Ziel war es daher, einen zentralen, validen und qualitativ hochwertigen Datenpool mit einem automatisierten Berichtswesen zu schaffen.

Im Bereich Wertstoffmanagement kommen die Daten hauptsächlich aus der Branchenlösung TRAS. Hier benötigte das Unternehmen ein offizielles Berichtswesen für die Mengenmeldungen an die Bezirksregierung, für die Rechnungskontrolle bei der Absteuerung und die mengenmäßige Aufteilung der Stoffströme auf die Herkunftsgemeinden. Dazu wurde ein Data Warehouse auf der Grundlage von Pentaho implementiert. Neben SAP und der Branchenlösung wurden noch weitere Datenquellen an das Data Warehouse angebunden. Auch wenn die Plattform Pentaho ist, erstellt das Controlling Berichte jetzt mit Jedox (PDF). Die Entscheidung für die Kombination von Pentaho mit Jedox fiel laut Sluyterman relativ schnell, denn Jedox ermöglicht es dem Controlling, weiterhin in der gewohnten Arbeitsumgebung zu arbeiten.

Jedox: Self-Service-BI für Excel-affine User

Rolf Wallrabenstein von Jedox stellte die gleichnamige Lösung vor und welche Möglichkeiten sich aus der Kombination mit Pentaho ergeben. Jedox ist eine BI-Suite, die sich an den Endanwender, vor allem im Controlling, wendet. Das Excel-Frontend ermöglicht es, Auswertungen und Berichte in Excel zu erstellen, auch auf einer Weboberfläche. Bei seiner Einführung in die Jedox Suite legte Rolf Wallrabenstein besonderes Augenmerk auf die umfangreichen Planungsfunktionen von Jedox, mit denen sich Pentaho optimal erweitern lässt. Anhand einer Jedox-Best-Practice-Lösung im Bereich der Finanz- und Vertriebsplanung demonstrierte er das Zurückschreiben von Plandaten in den OLAP-Würfel und den Excel-Ansatz im Praxiseinsatz.

Wiener Wohnen Kundenservice: Callcenter-Controlling mit Pentaho

Dass das Pentaho User Meeting eine Veranstaltung mit überregionalem Anspruch ist, zeigte der Vortrag von Dr. Sonja Kabicher-Fuchs von Stadt Wien – Wiener Wohnen Kundenservice GmbH. Als eine der größten Hausverwaltungen Europas setzt das Unternehmen Pentaho als Data Warehouse für sein Callcenter ein.

Das Callcenter bearbeitet die Anliegen von Gemeindebaumietern in einem Ticketsystem mit CRM-Funktionalitäten. Die Prozesse werden kennzahlenbasiert überprüft, um daraus Verbesserungen abzuleiten. Das Data Warehouse integriert Daten aus der Telefonanlage des Callcenters und dem operativen Quellsystem pipe. Es enthält eine große Anzahl von Cubes, Kennzahlen, Dimensionen, sowie vordefinierte Reports (Analyzer Reports) und automatisch generierte Reports mit bestehenden Kennzahlen und Dimensionen in Alfresco.

Swisslos: Produktmanagement und Spielsuchtprävention

Die Swisslos Interkantonale Landeslotterie arbeitet seit 2009 mit Pentaho im Data-Warehouse-Bereich, um die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Spielsuchtprävention besser auswerten und überprüfen zu können und aussagekräftige Analysen für das Produktmarketing zu erstellen. Datengrundlage sind die Online-Spiele selbst, da anders als z. B. bei papierbasiertem Lottospiel die Daten auf der Stufe der Spieler vorliegen, was genauere Datenauswertungen ermöglicht.

Die Daten stammen aus verschiedenen Spielsystemen mit unterschiedlicher Granularität und Datenbasis. Auf der technischen Seite übernimmt Kettle das Laden und Aufbereiten der Daten, während der Report Designer für Standard-Managementberichte und Tableau für Auswertungen und Dashboards für das Marketing, den Vertrieb und den Spielerschutz eingesetzt werden. Das Data Warehouse umfasst 55 Cubes, 24 Dimensionen, 150 Kennzahlen und integriert sämtliche Swisslos-Produkte.

Die Entscheidung für Pentaho fiel aufgrund der offenen Standards in Pentaho, mit denen die diversen Quellsysteme über JDBC, Web Service, File Transfer, Excel oder CSV einfach angebunden werden konnten. Als weitere Vorteile nannte Swisslos die Wahlfreiheit bei der Basissoftware (Betriebssystem, RDBMS etc.) sowie die sehr intuitive und benutzerfreundliche Oberfläche von Pentaho.

Pentaho als Reporting-Lösung für Airlines

Die Inform GmbH setzt für ihre Kunden aus dem Luftfahrtbereich eine auf Pentaho basierende Reporting-Software ein. GroundSuite genannt, fungiert die Lösung dabei als Visualisierungsplattform: Sie stellt für Fluggesellschaften die momentane Situation auf dem Flughafen in einem Gant-Chart dar. Die dazu benötigten Daten werden in der Pentaho Reporting Suite dargestellt und über einen Server dem Kunden zur Verfügung gestellt. Inform nutzt dazu nicht die Datenintegrationskomponente von Pentaho, sondern nur die Reporting-Funktionalitäten. Die GS RealTime Database stellt dabei eine Metaschicht dar, über die der Kunde Reports abrufen kann, ohne sich mit dem Backend auseinander setzen zu müssen.

ITN Labs: Pentaho als Plattform für innovative Erweiterungen

Drei weitere Beiträge aus den ITN Labs rundeten das Pentaho User Meeting 2016 ab. Im Rahmen der ITN Labs entwickelt das IT-Beratungsunternehmen IT-Novum eigene Lösungen zu verschiedenen Aspekten von Pentaho. Mit Pentaho überprüft der Business-Open-Source-Spezialist intern den Rechnungseingangsprozess im Dokumentenmanagementsystem Alfresco. Ausgewertet werden dabei die kontinuierlich entstehenden Prozessdaten und die Prozessdurchlaufzeiten. Die Daten werden in einem übersichtlichen Management-Dashboard dargestellt.

Viele Use Cases – ein User Meeting

Auch das dritte Pentaho User Meeting in Frankfurt am Main überzeugte mit regem Teilnehmerinteresse sowie der hohen Qualität und Praxisrelevanz der vorgestellten Use Cases. Die Vorträge zeigten aber auch, dass zukünftig insbesondere die Einbindung unterschiedlicher Datenquellen sowie die nicht leicht zu erreichende Benutzerakzeptanz weiter eine Herausforderung darstellen.

* Stefan Müller ist Director Business Intelligence & Big Data bei IT-Novum.

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