In München

IBM eröffnet globalen Watson-IoT-Hauptsitz

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Das IBM Watson IoT Center in München ragt mit zwei Türmen in den bajuwarischen Himmel.
Das IBM Watson IoT Center in München ragt mit zwei Türmen in den bajuwarischen Himmel. (Bild: IBM)

Die IBM hat am 16. Februar offiziell die Türen des neuen globalen Hauptsitzes für ihren neuen Geschäftsbereich Watson IoT in München geöffnet. Ziel der 200-Millionen-US-Dollar-Investition ist es, die technischen und wirtschaftlichen IoT-Potenziale weiter auszuloten. Zudem gab IBM den offiziellen Startschuss für den Aufbau eines neuen, weltweiten Innovationsökosystems rund um künstliche Intelligenz (AI) und IoT. Mitglied dieses Ökosystems ist unter anderem BMW. Weitere Partnerschaften betreffen Bosch und Visa.

BMW will einen Teil der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in eines der neu geschaffenen „IBM Industry-Collaboratories“ im IoT-Center verlagern. In „Collaboratories“ – eine Zusammensetzung aus den Worten „Collaboration“ und „Laboratories“ – arbeiten IBM-Experten gemeinsam mit Kunden, Partnern und Forschungseinrichtungen an neuen kognitiven Technologien und Lösungen. Diese offene, unternehmens- und grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll gleichzeitig zur Keimzelle eines neuen Ökosystems für Innovation werden.

Insgesamt werden in München rund 1.000 IoT-Experten von IBM gemeinsam mit Partnern und Kunden zusammenarbeiten. Dazu gehören ab sofort auch die europäische Technologie-Initiative EEBus, BNP Paribas, Capgemini, Tech Mahindra und Avnet. „Wir haben mittlerweile in unserem Geschäftsbereich weltweit über 6.000 Kunden und Partner, von denen sehr viele sehr gerne mit uns im Watson IoT Center zusammenarbeiten wollen“, sagt Harriet Green, General Manager, IBM Watson IoT, Cognitive Engagement and Education.

Die Partner

EEBus ist eine von der Bundesregierung ins Leben gerufene europäische IoT-Initiative für die Standardisierung und technologieübergreifende Interoperabilität im Bereich „Smart Home“. Die Initiative hat über 60 Mitglieder, darunter Bosch, ABB, SMA, Miele, Schneider und Vaillant sowie große europäische Automobilunternehmen.

Consorsbank, Teil der BNP Paribas Group in Deutschland, wird mit einem Team von IT-Architekten, IT- und Business Development-Entwicklern in das Watson IoT Center einziehen, um herauszufinden, wie sich die Bankenbranche mit IoT transformieren und sich neue Finanzprodukte entwickeln lassen.

IBM und Avnet, ein IT-Distributor und globaler IBM-Partner, haben über ihre Cloud-Plattformen IoT-Starterkits einen umfangreichen Softwarekatalog für Entwickler sowie Analyse-Tools und Lösungen für mobile Endgeräte und Desktops bereitgestellt. Die mit IBM gemeinsamen Arbeitsgebiete reichen von Smart Buildings über das Transportwesen bis hin zur Medizin.

Capgemini will für seine Kunden die Potenziale von Industrie 4.0 erschließen und Sektor-spezifische kognitive IoT-Lösungen entwickeln. Darüber hinaus plant das Unternehmen mittels eines interaktiven Environments den engen Austausch zwischen ihrer Münchner Applied Innovation Exchange und dem Center.

Der indische, multinationale Anbieter von IT- und Netzwerktechnologie-Lösungen Tech Mahindra ist mit über 3.000 Spezialisten einer der weltweit tätigen Systemintegratoren von IBM. Ziel des Tech-Mahindra-Teams im IBM Watson Center ist es nach IBM-Angaben, bis 2020 etwa 100 Millionen US-Dollar Umsatz über die IBM-Watson-IoT-Plattform zu realisieren. Auf Basis der Plattform sollen spezielle IoT-Lösungen für Industrie 4.0, Fertigung, Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Versicherungen und Banken sowie Automobil angeboten werden. Tech Mahindras Mutterkonzern stellt unter anderem Traktoren her.

Kooperation mit Bosch SI

Zusammen mit IBM will Bosch SI Kunden Software-basierte Services der Bosch IoT Suite über die auf offenen Standards basierenden Plattformen IBM BlueMix und IBM Watson IoT-Platform zur Verfügung stellen. Damit sollen Millionen von vernetzten IoT-Geräten effizient aktualisiert werden können. Deren Nutzer erwarten, dass diese Geräte ständig up to date sind.

Ganz konkret bedeutet das bei Bosch SI: Bosch führt den „Bosch IoT Rollouts“-Service für professionelles Gerätemanagement und Cloud-basierte Software-Updates auf BlueMix und der IBM-Watson-IoT-Plattform ein. Die Kunden profitieren demnach von Skalierbarkeit, Flexibilität, Datenschutz und Sicherheit. Diese Aspekte entscheiden über die Akzeptanz der neuen IoT-Technologien, auch in der Industrie 4.0.

Die Entwicklerplattform (PaaS) IBM BlueMix dient Bosch SI als Steigbügelhalter, um „gemeinsam mit IBM die Entwicklung neuer IoT-Lösungen für unsere Kunden einfacher und schneller zu machen“, sagte Rainer Kallenbach, CEO von Bosch Software Innovations (SI). „Das dient unter anderem der kundenspezifischen Anwendungsentwicklung und Laufzeitzwecken.“ Entwickler von IoT-Lösungen sollen zudem von der nahtlosen Integration der Watson-IoT-Funktionalitäten von IBM profitieren.

Beide Unternehmen wollen sich auch künftig aktiv in der Eclipse Foundation und dem IIC (Industrial Internet Consortium) engagieren, um die Verbreitung des Internets der Dinge in wichtigen Bereichen zu fördern. Schließlich ist auch die Interoperabilität der Geräte-Plattformen ein Erfolgsfaktor. Hier favorisiert IBM noch das MQTT-Protokoll, Bosch SI aber den Eclipse-Standard Vorto.

Kooperation mit Visa

Wenn es nach IBM und dem Kreditkartenunternehmen Visa geht, sollen künftig alle IoT-Endgeräte, vom Connected Car bis zum Fitness-Armband, Endpunkte für Internet-Zahlungen (Point of Sale, PoS) werden. IBM und Visa arbeiten künftig zusammen, um digitale Zahlungen für die Endverbraucher im gesamten Internet der Dinge sicher, einfach und schnell zu ermöglichen – jederzeit und überall. Ziel des gemeinsamen Projektes sei es, die kognitiven Fähigkeiten der IBM-Watson-IoT-Plattform für den Zahlungsverkehr nutzbar zu machen.

Besonders sichere Visa Token Services sollen dabei für Datensicherheit und Datenschutz sorgen. Der Visa Token Service ersetzt nämlich sensible Kontoinformationen, wie etwa die Kontonummer, das Gültigkeitsdatum oder den Sicherheitscode der Zahlungskarten durch eine eindeutige, digitale Kennung, die für Zahlungen verwendet wird – ohne die tatsächlichen Kontodaten des Inhabers sichtbar zu machen. Infolgedessen kann jedes vernetzte Gerät für Geldtransaktionen verwendet werden und wird somit zu einem eigenen, individuellen und vor allem sicheren Point of Sale (PoS).

Konkret bedeutet das:

  • 1. Durch die Verbindung zwischen dem Auto-Ökosystem und der Watson-IoT-Plattform wird beispielsweise der Fahrer benachrichtigt, wenn Garantien auslaufen oder bestimmte Teile ersetzt werden müssen. Ein Autobesitzer kann per Tastendruck gleich das passende Ersatzteil bestellen und bezahlen.
  • 2. Ein Läufer kann über einen Chip im Schuh benachrichtigt werden, wenn er seine Laufschuhe ersetzen sollte. Auch kann der Chip den neuen Schuh dann gleich direkt bestellen oder zum Beispiel auch empfehlen, welches Fitnessgetränk zur sportlichen Aktivität am besten passt und dies ebenfalls ordern.

„Unsere Zusammenarbeit mit den Visa-Zahlungsdiensten markiert einen neuen Meilenstein für den weltweiten Handel“, sagt Harriet Green von IBM. „Damit können Überweisungen nicht nur über ein Finanzinstitut abgewickelt werden, sondern über jedes vernetzte Objekt erfolgen.“ Zweifellos öffnet diese Kooperation auch Tür und Tor für den Einsatz der Blockchain-Technologie. Sie sorgt für fälschungssichere Handels- und Besitzdokumente sowie Zertifikate.

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