Hortonworks auf dem DataWorks Summit 2017

Hortonworks bringt HDP 2.6 und vorintegrierte Warehouse-Lösung

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

„Offener Software gehört die Zukunft“, Raj Verma, President und COO von Hortonworks, anlässlich des Münchner DataWork Summit 2017
„Offener Software gehört die Zukunft“, Raj Verma, President und COO von Hortonworks, anlässlich des Münchner DataWork Summit 2017 (Bild: Rüdiger)

Neben den bei solchen Anlässen üblichen Erfolgsmeldungen präsentierte Hortonworks auf dem DataWorks Summit 2017 auch neue Versionen und Produkte sowie einen Einblick in die Expansionspläne.

Highlight der Münchner Hortonworks-Tagung „DataWorks Summit 2017“ vom 4. bis zum 6. April 2017 war zweifellos die Ankündigung der nächsten Version eines der Leitprodukte: Die Hortonworks DataPlatform (HDP), Hortonworks‘ Engine zur Verarbeitung und Analyse von ruhenden Daten, kommt in Version 2.6 auf den Markt. Die neue Variante integriert unter anderem den Clustermanager Spark 2.1 und Zeppelin, ein Browser-basierendes Online-Notizbuch, das die gemeinsame, interaktive Code-Entwicklung erleichtern soll.

Spark 2.1 ermöglicht bei der Analyse von Streaming-Event-Daten, verspätet eintreffende Ereignisse nachträglich an der Stelle in die Tabellen einzupflegen, an der sie sich tatsächlich ereignet haben (sog. Event Watermarking) und unterstützt mit Kafka 0.10 auch verteilte Streaming-Plattformen.

Verbessert wurde die Sicherheit durch neue Funktionen in Ranger, Apaches Framework zum Management der Datensicherheit in Hadoop-Umgebungen, und neue Funktionen des vor allem auf der Nutzung von Metadaten basierenden Governance Tool Atlas. Vorteile ergeben sich daraus für Anwender mit umfangreichen Nutzerbasen und für Anwendungen, bei denen umfängliche Regelwerke von einer Umgebung in eine andere übertragen werden sollen. Dies geschieht durch erweiterte Unterstützung Tagging-basierender Regelwerke für Spark, Zeppelin, HDFS, Kafka and Hbase.

Dabei können Regeln für jedes einzelne Datenfeld spezifiziert werden, was gerade im Zusammenhang mit der ab Mai 2018 gültigen Europäischen Datenschutzverordnung wichtig ist. Muss ein Knoten in einem Hadoop-Cluster neu gestartet werden, gestattet die aktuelle Version des Clustermanagement-Tools Ambari, Services und Konfigurationen schnell und mit wenig Aufwand neu aufzubauen. HDP 2.6 ist auch über Hortonworks‘ Azure-basierenden Service HDInsight nutzbar. Außerdem gibt es eine Version für IBMs Power-Architektur.

Apache Minifi

Ebenfalls ins HDP-2.6-Umfeld gehört Apache Minifi, eine Spezialversion von Apache Nifi, einer Lösung, mit der sich Datenströme in IoT-Umgebungen definieren und steuern lassen. Minifi ist eine aus Nifi entwickelte Lösung für Edge-Gateways, die hilft, Daten erzeugungsnah zu sammeln und einer Verarbeitung am Edge zugänglich zu machen.

Eine weitere Neuerung ist ein erstes komplettes Lösungspaket für ein optimiertes Data Warehouse. Denn, so der erst drei Monate amtierende neue Präsident und COO Raj Verma, der von Tibco zu Hortonworks kam: „90 Prozent der Datenmanagementstrukturen von Unternehmen werden nicht überleben.“ Die Idee hinter dem neuen vorintegrierten Produkt, das nur sieben Wochen nach Bestellung einsatzfertig beim Kunden sein soll: Funktionen, die über den Kern eines Data Warehouse hinausreichen wie der Aufbau von Data Marts oder Cubes, die Datenvorbereitung oder tiefe Archivierung, werden aus der eigentlichen Warehouse-Lösung herausgenommen und als eigenständige Funktionsblocks realisiert, die aber von Hortonworks schon zu einer Lösung zusammengestellt wurden. Zu der tragen neben einem Hadoop-Fundament Hive LLDP für schnelle SQL-basierende Data-Marts auch verteilter Ressourcen externe Softwarepartner bei. Von Syncsort stammt das Modul für Datenvorbereitung und -integration in Analyseumgebungen, Atscale steuert seine Intelligent Platform für den Aufbau von Datacubes bei.

Investitionen in Forschung und Entwicklung

Ansonsten gab es die bei solchen Veranstaltungen gern breit präsentierten Erfolgsmeldungen: Schon drei Jahre lang durchschnittliche jährliche Wachstumszahlen von weit über 50 Prozent, ein dickes Auftragspolster, der Umsatz 2016 betrug 184,5 Millionen US-Dollar und soll rasant weiter steigen. Investieren will Hortonworks in R&D, beispielsweise in die Sicherheit seiner Plattform, und die weitere Expansion vor allem im deutschsprachigen Raum, Frankreich und Großbritannien. Auch in Japan und Südkorea expandiert das Geschäft.

Die Europazentrale soll, Brexit hin oder her, in London bleiben – es sei denn, wichtige große Kunden, etwa aus Finanz- und Telekommunikationsbranche, verließen die britische Hauptstadt. Auch vor Trump'schen Protektionismus-Maßnahmen und möglichen Gegenreaktionen ist CEO Verma nicht bange. „Wir verkaufen nichts, also haben wir keine Angst vor Schutzzöllen oder Ähnlichem.“ Die diversen Services, die Hortonworks ergänzend zu seinen Lösungen anbietet, kämen ohnehin aus den Ländern, wo sie auch erbracht werden. Lediglich die undurchsichtige Visa- und Einwanderungspolitik des neuen Präsidenten sorge für mulmige Gefühle.

„Auch in Watson steckt viel offene Software“, Terri Virnig, Vice President Power Ecosystem Strategy bei IBM im Rahmen des Partner-Panels. Von links nach rechts: Dr. Thore Rabe, Dell EMC, Terri Virnig, IBM, Chad Meley, Teradata, Asif Abbasi, SAS
„Auch in Watson steckt viel offene Software“, Terri Virnig, Vice President Power Ecosystem Strategy bei IBM im Rahmen des Partner-Panels. Von links nach rechts: Dr. Thore Rabe, Dell EMC, Terri Virnig, IBM, Chad Meley, Teradata, Asif Abbasi, SAS (Bild: Rüdiger)

Das Partnerschafts-Umfeld von Hortonworks, schon heute mit 2.100 Partnern recht ausgedehnt, soll weiter wachsen, beispielsweise um unabhängige Softwareanbieter, die Hortonworks als Grundlage für eigene innovative Lösungen verwenden. Mit den wichtigsten Wirtschaftsberatungsunternehmen arbeitet der Analytik-Spezialist schon heute eng zusammen. Viel vom Umsatz – wie viel, will das Management nicht verraten – stammt von OEM-Partnern wie Dell/EMC, HPE, mit dem Hortonworks beispielsweise bei Edge-Lösungen kooperiert, oder Teradata. Hortonworks-Produkte gibt es jetzt auch auf IBM Power. Angesichts von IBM Watson wird es interessant, diese Kooperation zu beobachten. Terri Virnig, Vice President Power Ecosystem Strategy bei IBM, repräsentierte den Hortonworks-Partner auf der Münchner Veranstaltung. Sie betonte, auch in Watson stecke jede Menge offene Technologie.

„Offener Software gehört die Zukunft“

Von der Zukunftsfähigkeit des Open-Source-Ansatzes, den Hortonworks konsequent umsetzt, ist der neue Chef Verma fest überzeugt. „Open Source gehört die Zukunft, schon allein, weil der Entwicklungsaufwand von einem Unternehmen allein nicht zu stemmen ist“, meint er. Das Modell habe unschlagbare Vorteile auch für Anwender, weil es den Ausstieg aus einer Lösung ohne horrende Umstiegskosten aufgrund bereits bestellter oder bezahlter Lizenzen ermögliche. „Sie kosten oft das 15-Fache des Kaufpreises.“ Zu Fällen wie dem in München, wo die gesamte Stadtverwaltung die DV erst unter großem Getöse weg von Windows auf Linux migrierte und im vergangenen Jahr den Rückweg antrat, wollte sich Verma nicht äußern.

Schließlich vergab Hortonworks seine ersten „Data Heroe Awards“. Die Preisträger überraschten eher nicht, sondern stammten aus den üblichen Branchen: ABN Amro, wo man mit Hortonworks die Agilität verbesserte und die Kosten in drei Jahren um 100 Millionen Euro senkte, BMW, das an mehr als 100 Usecases – vom After-Sales-Service bis zu Forschung zum autonomen Fahren – arbeitet, Centrica, ein Konzern, der sich schon lange im Bereich Energie und im angrenzenden Dienstleistungssektor bewegt und mit Hortonworks‘ Software ein 250-Knoten-Deployment betreibt. Dort wurden unter anderem den Kundenkontakt und die Billing-Mechanismen verbessert.

Die Danske Bank konnte dank Hortonworks Analytik bei der Betrugsvorbeugung die Zahl falsch-positiver Resultate (jemand wird fälschlich des Betrugs verdächtigt) um 90 Prozent verringern und die Marketingansprache kundengerechter gestalten. „Mehr als 60 Prozent der Kunden reagieren heute schon auf die erste Kontaktaufnahme“, berichtete Nadeem Gulzar, Development Manager bei dem Bankunternehmen. Weitere Preisträger waren Telefonica und DNV-GL, letzteres wie Centrica ein Unternehmen aus der Energiebranche.

Das alles scheint aber die Börse bislang nicht so recht zu überzeugen. Den Einstiegskurs von Juni 2016 hat Hortonworks noch nicht wieder erreicht. Immerhin stellte das Management jetzt fürs dritte, spätestens das vierte Quartal des laufenden Jahres eine schwarze Null beim Betriebsgewinn in Aussicht. Das wäre ein Jahr früher als bisher geplant.

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