EFI-Jahresgutachten 2016

Deutschland verpasst den Anschluss an die Digitalisierung

| Autor: Heidemarie Schuster

Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei der Digitalisierung das Schlusslicht.
Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei der Digitalisierung das Schlusslicht. (Bild: www.pixabay.com)

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) stellt Deutschland kein gutes Zeugnis aus, was die Digitalisierung betrifft. Besonders der Mittelstand sei wenig innovativ.

Die EFI übergab ihr neues Jahresgutachten am 17. Februar der Bundeskanzlerin. In diesem Jahr stand das Thema Digitalisierung im Vordergrund. Der Vorsitzende der Kommission, Professor Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, betont eingangs: „Durch die wachsende Vernetzung von Personen und Objekten sowie deren Einbeziehung in das Internet entstehen gänzlich neue Handlungsräume. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden durch diese Entwicklung vor große Herausforderungen gestellt.“

Die Expertenkommission hebt hervor, dass sich das Internet in vielen Lebensbereichen nicht direkt als neue Technologie, sondern vielmehr als Grundlage für neue „digitale Geschäftsmodelle“ bemerkbar macht, deren wirtschaftliche Bedeutung erheblich zugenommen hat. Hier bieten sich Chancen für junge Unternehmen: Software- und internetbasierte Technologien wie „Cloud Computing“ und „Big Data“ ermöglichen disruptive Innovationen mit weitreichenden Folgen. Neue Anbieter – vor allem aus den USA – dominieren zunehmend den strategisch wichtigen Zugang zum Endkunden und bedrohen die Positionen etablierter Anbieter.

Die Expertenkommission kritisiert, dass „die deutsche Politik derzeit insgesamt zu sehr auf Anpassung und Verteidigung etablierter deutscher Stärken ausgerichtet ist“. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung würden nicht ausreichend berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund erneuert die Expertenkommission ihre Empfehlung, auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Wagniskapital und die Einrichtung eines Börsensegments für wachstumsorientierte junge Unternehmen hinzuwirken. Zudem müssten sich Schulen und Universitäten auf die mit Internet und Digitalisierung verbundenen Herausforderungen einstellen.

„Informatik ist als neue Schlüsseldisziplin zu begreifen; Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und Geschäftsmodellen sind in allen Ausbildungs- und Weiterbildungssegmenten zu fördern“, betont Harhoff.

Mittelstand nur wenig innovativ

Die Expertenkommission weist außerdem darauf hin, dass sich etablierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft besonders schwer tun. Im Durchschnitt gelte: Je kleiner das Unternehmen, desto weniger Bedeutung misst es digitalen Technologien bei. Die Expertenkommission ist daher besorgt, dass ein Großteil der KMU die Bedeutung des digitalen Wandels unterschätzt.

Ergänzendes zum Thema
 
Über die EFI

Robotik

Die EFI beschäftigt sich in ihrem Jahresgutachten zudem mit der durch die Digitalisierung getriebenen Robotik. „Deutschland ist im internationalen Vergleich beim industriellen Robotereinsatz derzeit noch gut aufgestellt, bei der schnell wachsenden Service-Robotik außerhalb von Fabrikhallen gibt es in Forschung und Innovation aber Defizite“, so Harhoff. Nach Ansicht der Expertenkommission müsse die Bundesregierung eine explizite Robotik-Strategie entwickeln, die insbesondere der wachsenden Bedeutung der Service-Robotik Rechnung trage.

E-Government

Genauer untersucht die Expertenkommission zudem die Situation des E-Governments in Deutschland. „Das im Jahr 2010 in der nationalen E-Government-Strategie von Bund, Ländern und Kommunen formulierte Ziel, bis zum Jahr 2015 deutsches E-Government zum internationalen Maßstab für effektive und effiziente Verwaltung zu machen, ist verfehlt worden. Deutschland liegt in diesem Bereich deutlich zurück“, sagt Harhoff. Damit lasse Deutschland wichtige Innovations- und Wertschöpfungspotenziale brachliegen – Bürgern würden Qualitätsverbesserungen in staatlichen Dienstleistungen vorenthalten und die Wirtschaft müsse auf wichtige Nachfrageimpulse verzichten.

Umdenken ist nötig

Harhoff zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass Deutschland angesichts der Erfahrungen mit der Digitalisierungswelle in den achtziger Jahren, bei den erforderlichen Anpassungen des Arbeitsmarktes gut abschneiden könne und mahnt: „Deutschland muss in Zukunft verstärkt an der Erschließung neuer Quellen für Wertschöpfung und Arbeitsplätze beteiligt sein – dazu bedarf es auch eines Umdenkens in der Politik.“

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