PTC LiveWorx Europe

Das Internet of Things wird erwachsen

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Jim Heppelmann, President und CEO von PTC
Jim Heppelmann, President und CEO von PTC (Bild: PTC)

In Stuttgart präsentierte das Unternehmen PTC auf seiner Anwenderkonferenz „LiveWorx Europe 2015“ die vielfältige Welt des Internet of Things (IoT). ThingWorx ist die entsprechende IoT-Plattform von PTC, die seit neuestem auch das Augmented-Reality-Modul des angekauften Herstellers Vuforia umfasst.

Über 2.600 Besucher pilgerten aus ganz Europa und den USA nach Stuttgart. „Das bedeutete einen Anstieg um die 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als rund 1.800 Besucher kamen“, wie PTC-Sprecherin Libby Fink sagte. Der Anstieg signalisiert ein deutlich gewachsenes Interesse an realen Anwendungen im Bereich des IoT. Eine beträchtliche Anzahl von Partnern aus den USA und Europa präsentierte in der Vorhalle des Konferenzsaals handfeste, alltagstaugliche Anwendungen.

Die ThingWorx-IoT-Plattform

PTCs President und CEO Jim Heppelmann konnte auf ein rasch wachsendes Unternehmen verweisen, das sich im Bereich IoT eine tragfähige IoT-Plattform zusammengekauft hat. PTC Creo ist die CAD-Plattform für das Design von Dingen, die sowohl in der physischen wie auch in der digitalen Welt existieren. Axeda liefert die Konnektivität, um IT, Dinge und Daten zu verbinden; mit ColdLight lassen sich die diese Big-Data-Informationen auswerten und visualisieren; schließlich stellt Vuforia eine Plattform für Virtual und Augmented Reality bereit. Durch ihre Kombination sollen diese Technologien eine zentrale Plattform für Konnektivität, Gerätemanagement, Rapid Application Development sowie Big Data und Predictive Analytics bieten.

Ein Beispiel für Augmented Reality: Das Tablet zeigt das reale Bike wie eine Kamera, aber ergänzt um zusätzliche Informationen – mithilfe von Vuforia.
Ein Beispiel für Augmented Reality: Das Tablet zeigt das reale Bike wie eine Kamera, aber ergänzt um zusätzliche Informationen – mithilfe von Vuforia. (Bild: PTC)

In einer Welt, in der intelligente, mit Sensoren und SIM-Karten ausgestattete Geräte mit der IT kommunizieren, müssen Netzwerke eine viel größere Last transportieren können. Ebenso müssen Analyse-Anwendungen in der Lage sein, Big Data schnell und effizient sowie handlungsorientiert zu verarbeiten, darzustellen und den Fachkräften die Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen. Diese breite Plattform wird komplett in der Cloud betrieben, denn nur dort ist die nötige Skalierbarkeit, die Vernetzung und die effiziente Integration der Daten realisierbar.

Der Wettbewerb

In der IoT-Technologiepyramide, die IDC veröffentlicht hat, stehen Analytik und Apps ganz oben, M2M-Connectivity hingegen gehört zu den Fundamenten des ganzen Technikstapels. Dies werde den Wettbewerb durcheinanderwirbeln, prophezeite Heppelmann. Dieser Wettbewerb besteht derzeit aus den IoT-Plattformen von IBM, HP, Microsoft und ThingWorx. Oracle und SAP befinden sich in einer Aufholjagd.

Diese IDC-Infografik zeigt die Komponenten, die zum Funktionieren des Internet of Things notwendig sind. Erst ganz oben sind die Apps zu finden. Zu beachten ist auch die Implementierung von IT-Security.
Diese IDC-Infografik zeigt die Komponenten, die zum Funktionieren des Internet of Things notwendig sind. Erst ganz oben sind die Apps zu finden. Zu beachten ist auch die Implementierung von IT-Security. (Bild: IDC)

Zugleich warnte der Topmanager vor Sicherheitsrisiken: „Es geht nicht nur um Datensicherheit und -schutz, um Berechtigung und Identität, sondern letzten Endes um die Kontrolle über die Maschinen und Dinge.“ Man kann sich leicht ein Szenario ausmalen, in dem sich Hacker Zugriff auf riskante oder lebenswichtige Geräte wie Kraftwerksanlagen oder Herz-Kreislauf-Maschinen verschaffen. Aber schon die Manipulation von Massenprodukten wie etwa einem Fahrzeugkatalysator kann erheblichen Schaden anrichten, sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich. Der Produktion von billigen Fakes wäre Tür und Tor geöffnet.

Der digitale Zwilling

Das reale Bike wird sowohl im Dashboard als auch in der CAD-Software PTC Creo gespiegelt.
Das reale Bike wird sowohl im Dashboard als auch in der CAD-Software PTC Creo gespiegelt. (Bild: M. Matzer)

In einer Bühnen-Demo zeigte PTC ein scheinbar normales Mountainbike, das mit Sensoren gespickt war, die per WLAN Sensordaten von Federung, Bremse und Verschleißteilen lieferten. Diese Daten wurden beim realen Fahren des Bikes in Echtzeit an das digitale CAD-Modell des Fahrrads weitergegeben. Sämtliche Leistungsdaten dieses „digital twin“ ließen sich auf einem mobilen Endgerät wie etwa einem Tablet abrufen, um so die Performance zu beobachten. Die Vuforia-App ermöglichte eine „Augmented Reality“-Ansicht des Fahrrads, die Leistungsdaten wurden dazu in das Kamerabild des Tablets eingeblendet.

Das Bike ist mit zahlreichen Sensoren und einem kleinen Computer versehen.
Das Bike ist mit zahlreichen Sensoren und einem kleinen Computer versehen. (Bild: M. Matzer)

Mit der CAD-Design-Software Creo von PTC kann man das Design des Bikes bearbeiten. Die Leistungsdaten konnten in ein Creo-Modell eingespielt werden. Man sieht: Ein Prototyping-Zyklus wird durch IoT erheblich verkürzt – von Monaten auf Wochen oder gar Tage. Dies entspricht einer der Vorhersagen, die IDC bereits zu IoT gemacht hat. Eingegrenzt auf Predictive Maintenance, war festzustellen, dass das Geld meistens in den Services steckt, die ein IoT-Dienstleister und ISV seinen Kunden bieten kann. Alle Plattformanbieter suchen deshalb nach Lösungs- und Service-Partnern, um ein Ecosystem aufzubauen.

In der CAD-Software PTC Creo existiert das Bike als digitaler Zwilling.
In der CAD-Software PTC Creo existiert das Bike als digitaler Zwilling. (Bild: PTC)

Partnerschaften und Integration

So stellt sich Bosch SI den Aufbau einer IoT-Lösung vor.
So stellt sich Bosch SI den Aufbau einer IoT-Lösung vor. (Bild: Bosch Software Innovations)

PTC und Bosch Software Innovations verkündeten auf der LiveWorx eine Technologiepartnerschaft. Die Zusammenarbeit beinhaltet die Integration der PTC IoT-Entwicklungsplattform ThingWorx mit der Bosch IoT Suite. Mit dieser Suite lassen sich Mitarbeiter, Werkzeuge verwalten und soweit möglich auch nachverfolgen. Der neue Bosch-IoT-Suite-M2M-Konnektor für ThingWorx ermöglicht das technische Zusammenspiel beider Plattformen und ist auf dem ThingWorx Marketplace erhältlich. Bosch SI ist derzeit mehr für intelligente Rasenmäher und Stromzähler bekannt.

Die Architektur der Bosch IoT Suite umfasst BPM von Inubis, eine Rules Engine von Visual Rules und eine Big-Data-Processing-Plattform. Nicht zu vergessen ist die M2M-Ebene. Der Aspekt der IT-Security wird durch eine IAM-Komponente berücksichtigt.
Die Architektur der Bosch IoT Suite umfasst BPM von Inubis, eine Rules Engine von Visual Rules und eine Big-Data-Processing-Plattform. Nicht zu vergessen ist die M2M-Ebene. Der Aspekt der IT-Security wird durch eine IAM-Komponente berücksichtigt. (Bild: Bosch Software Innovations)

Für den Erfolg von IoT-Lösungen könnte sich der gemeinsam unterstützte Integrationsstandard erweisen. „Zwischen PTC ThingWorx und Bosch SI kommt der Vorto-Standard zum Einsatz“, sagte Heppelmann. Dr. Rainer Kallenbach, Chairman of the Executive Board von Bosch SI, sagte, dass Vorto von der Eclipse-Community entwickelt werde, also offen sei. Neben Vorto existieren indes weitere Standards, so etwa MQTT.

So erfolgt die Anbindung von Geräten an die IoT Suite von Bosch SI.
So erfolgt die Anbindung von Geräten an die IoT Suite von Bosch SI. (Bild: Bosch Software Innovations)

Brilliant Factory

Eine weitere Partnerschaft ist PTC mit General Electric eingegangen. Beide Unternehmen werden eine neue Fertigungslösung auf den Markt bringen, die ThingWorx in die bestehende und erprobte GE Brilliant Manufacturing Suite einbindet und so Teil des Fertigungs-Software-Portfolios von GE wird. Die gemeinsame Lösung, die bereits an zahlreichen Standorten eingeführt wurde und weltweit auf alle Fabriken von GE ausgerollt werden soll, beschleunigt die Umsetzung der „Brilliant Factory“-Initiative von GE. Unter „Brilliant Factory“ verstehen GE und PTC das, was die deutsche Wirtschaft mit „Industrie 4.0“ und „Smart Factory“ ausdrücken möchte.

IoT Security

Um auch den Aspekt der IoT-Security abzudecken, stellte PTC seinen Partner Exceet vor, der auch in Deutschland vertreten ist. Die Tatsache, dass Exceet an der Lösung für die deutsche Gesundheitskarte beteiligt ist sowie an Smart Factory oder Smart Manufacturing mitarbeitet, weist auf die Bedeutung des Trust Centers hin, das Exceet anbietet.

Nun wird die IoT-Plattform ThingWorx um eine Art Sphäre des Vertrauens erweitert. Verschlüsselung, Zugangstechnik, IAM, Zugriffsrechte – all das von der Hard- bis zur Software in der Cloud umfasst das TrustCenter. Das gemeinsame „Trusted Ecosystem“ ist für alle wichtig, die mit Geräten wie Autos (Flotten, Versicherung, Autowerkstätten) Umsatz machen. Die IoT-Daten sollen so gegen Manipulation und Missbrauch geschützt werden. Rainer Kallenbach von Bosch SI betonte diesen Aspekt: „Die Sicherheit muss durchgängig realisiert sein, denn wenn die Nutzer kein Vertrauen zur gesamten IoT-Anwendung haben, dann wird diese Anwendung scheitern. Bosch SI entwickelt hierfür.“

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