Kommentar von Peter Wüst, NetApp

Bits & Bytes werden für die Automobilindustrie immer wichtiger

| Autor / Redakteur: Peter Wüst / Nico Litzel

Autonom fahrende Auto müssen in der Lage sein, Informationen aus verschiedenen Datenquellen in Echtzeit zu verarbeiten.
Autonom fahrende Auto müssen in der Lage sein, Informationen aus verschiedenen Datenquellen in Echtzeit zu verarbeiten. (Bild: Continental)

Traditionelle Automobilkonzerne blicken gespannt auf die Entwicklung ihrer Branche: Die Prinzipien der Sharing-Community haben die Hersteller erreicht und Anbieter mit disruptiven Geschäftsmodellen kapitalisieren den Trend zum Teilen. Nur wer jetzt neue Konzepte präsentiert, wird sich künftig auf der Siegerstraße wiederfinden.

Dinge zu teilen statt sie zu besitzen – dieser Trend ist Indikator für eine gewaltige Prioritätenverschiebung. Ein eigenes Auto, das noch vor zehn Jahren als Statussymbol galt, hat plötzlich einen ganz anderen Stellenwert. „Das Automobil besitzt bei den 18- bis 25-Jährigen nicht mehr den Emotionalisierungsgrad wie bei früheren Generationen“, urteilt Stefan Bratzel, Direktor des Autoinstituts an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Dafür gibt es vielerlei Gründe: Je mehr Megastädte entstehen, desto schwieriger wird die Parkplatz- und Emissionsproblematik. Dazu kommen hohe Anschaffungs- und Betriebskosten auf der einen, alternative Transportmittel und die sozialen Netzwerke auf der anderen Seite. Der Erfolg von Car-Sharing-Unternehmen und Fahrdienstvermittler wie Uber wirkt sich bereits auf die Automobilindustrie aus. Eine Studie der UC Berkley zeigt auf, dass sich der Besitz von Autos unter den Car-Sharing-Nutzern halbiert hat. Schließlich sinkt auch die Zahl der jungen Leute mit Fahrerlaubnis stetig, wie die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen.

Daten als Treibstoff für Innovationen

Mit Cloud-Unterstützung und selbstlernenden Algorithmen sind Fahrzeuge künftig in der Lage, den Fahrer bei einem unfallfreien und weitgehend automatisierten Fahren zu helfen.
Mit Cloud-Unterstützung und selbstlernenden Algorithmen sind Fahrzeuge künftig in der Lage, den Fahrer bei einem unfallfreien und weitgehend automatisierten Fahren zu helfen. (Bild: Bosch)

Ähnlich wie die Musikindustrie werden Autohersteller zukünftig ihr Geld nicht alleine mit dem Verkauf des Produktes generieren, sondern durch ergänzende Dienstleistungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Ein Beispiel sind die zahlreichen Service- und Mehrwertdienste in den Infotainmentsystemen, von einfachen Stauprognosen bis hin zur Vermittlung von Werkstätten und Leihwagen bei unterwegs auftretenden Notfällen oder persönlichen Concierge-Diensten. So schätzen die Analysten von Juniper Research, dass der Umsatz mit Telematiklösungen für Automobile alle anderen M2M-Märkte in den kommenden Jahren überholen wird. Im Jahr 2019 könnten demnach schon 20 Prozent aller Passagierfahrzeuge weltweit vernetzt sein.

Autohersteller werden zukünftig auch durch personalisierte Dienstleistungen Umsätze generieren und eine umfassende Vernetzung mit dem Internet bieten.
Autohersteller werden zukünftig auch durch personalisierte Dienstleistungen Umsätze generieren und eine umfassende Vernetzung mit dem Internet bieten. (Bild: Bosch)

Geld verdienen lässt sich weniger mit den klassischen Point-Of-Interest Informationen, denn die liegen schon heute in den Navigationssystemen vor. Interessanter ist die Frage, wie man personalisierte Angebote erstellen kann. Der Fahrer einer Mercedes S-Klasse sucht vielleicht andere Restaurants, als der Fahrer eines VW Golf. Also müssen Daten aus verschiedenen Bereichen vernetzt werden, um persönliche Angebote zu schaffen, die der Fahrer auch wirklich als einen wertvollen Mehrwert ansieht. „Die Kunden verlangen vernetze Dienste mit einem hohen Nutzwert“, sagt Axel Schmidt, Geschäftsführer im Bereich Automotive bei Accenture. „Vor allem im Premiumsegment sind sie bereit, dafür zusätzlich zu zahlen. Entscheidend ist jedoch, dass sie die richtigen Funktionen und Dienste anbieten und damit die konkreten Bedürfnisse der Kunden abdecken“, so Schmidt weiter.

Kein Stau auf der Datenautobahn

Car-Sharing nur eine der Entwicklungen in der Automobilindustrie, die zur wachsenden Datenflut beitragen. Das fahrerlose und vernetzte Auto ist bereits in der Entwicklung und mit Google und Apple haben sich zwei Unternehmen auf dieses Terrain gewagt, die wenig Erfahrungen mit Fahrzeugen, dafür umso mehr mit dem Sammeln, Speichern und Analysieren von Daten haben. Mit Fiat Chrysler hat Google zudem einen Partner gefunden, welcher das Know-how und die Produktionsanlagen mitbringt, die für die eigene Serienproduktion bislang fehlte. Solche Kooperationen machen den Weg frei, um vollkommen neue Fahrzeuge zu entwickeln, die künftig fahrerlos unterwegs sein werden.

Wer ein autonomes Fahrzeug auf die Straße schickt, benötigt im Grunde ein Rechenzentrum auf vier Rädern. Die Automobile der Zukunft werden sich auch untereinander vernetzen. Statt einem Internet der Dinge erleben wir in einigen Jahren ein Internet des Autos. Die Warnung vor Unfällen oder Glatteis und Telemetriedaten zur Straßenbeschaffung sowie zum Schadstoffausstoß sind nur einige der Daten, die für andere Verkehrsteilnehmer ebenso interessant sind wie für die Planung neuer Verkehrswege.

Die Kommunikation mit anderen Fahrzeugen, mit Ampeln und mit intelligenten Verkehrsleitsystemen erzeugt künftig ein dichtes Netzwerk aus Informationen, die über heute schon verfügbare Internet-Technologien ausgetauscht werden können. Mit Cloud-Unterstützung und selbstlernenden Algorithmen sind Fahrzeuge künftig in der Lage, den Fahrer bei einem unfallfreien und weitgehend automatisierten Fahren zu unterstützen.

Investitionen in Straßenbau und IT

So warten beispielsweise auf Kommunen und Behörden künftig ganz neue Anforderungen. Diese werden in neue IT-Systeme ebenso investieren müssen wie in klassische Infrastrukturprojekte wie den Straßenbau. Versicherungen bieten heute schon spezielle Tarife an, die sich an dem Fahrerprofil orientieren. Auch Werkstätten und Kfz-Händler stehen künftig vor der Anforderung, wie sie die Vielzahl der neuen Informationen über die Fahrzeuge und die Fahrer verarbeiten wollen: Sind eigene IT-Systeme sinnvoller oder lassen sich alle Datendienste bequem aus der Cloud beziehen? Die Antwort wird vermutlich lauten: beides. Denn es zeigt sich in vielen Industrien, dass Unternehmen dazu übergehen, die hybride Cloud als das wirtschaftlich sinnvollste Betreibermodell umsetzen.

Auf die IT-Manager wartet also eine Menge Arbeit. Die eigene IT-Umgebung ist schrittweise um neue Kapazitäten zu erweitern, denn es werden künftig deutlich mehr Informationen zu verarbeiten und zu analysieren sein. Hierfür sind neue Cloud-Ressourcen in die bestehende IT-Infrastruktur zu integrieren, um beispielsweise Big-Data-Analysen effizient durchzuführen. Die Unternehmen müssen hierbei sicherstellen, dass sensible Kundendaten unter den entsprechenden Datenschutzrichtlinien verarbeitet werden.

Wie geht die Fahrt weiter?

Die Kombination aus privaten und öffentlichen Cloud-Ressourcen sowie das eigene Rechenzentrum lassen sich dann nur noch mit einem übergreifenden Datenmanagementsystem effizient betreiben. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat NetApp das Data Fabric-Konzept entwickelt. Darin enthalten sind Technologien zum Aufbau und Betrieb von hybriden Cloud-Umgebungen. Große Datenmengen und die anfallenden Workloads lassen sich mit diesen Technologien über Cloud-Ressourcen und eigene Speicher-Systeme hinweg verschieben. Der CIO behält so stets die Kontrolle über die Unternehmensdaten, unabhängig vom Speicherort. Mit den hierbei eingesetzten Software-defined Storage-Systemen kann die IT schneller auf wechselnde Geschäftsanforderungen reagieren, Innovationen rascher umsetzen und Datensilos beseitigen.

Unternehmen der Automobilbranche müssen sich also auf die zunehmende Bedeutung der Daten als Produktionsfaktor vorbereiten und die digitale Transformation des Automobils starten. Die Cloud wird unter anderem benötigt, um möglichst flexible IT-Umgebungen zu realisieren, die mit Daten unterschiedlicher Hersteller und Dienstleister umgehen können. So sind einheitliche Datenformate dringend notwendig, denn in einem Auto können nicht auch noch Daten unterschiedlicher Systeme konvertiert und verarbeitet werden.

Passend dazu hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) in diesem Jahr mit dem Berliner Unternehmen ATS Advanced Telematic Systems erstmals einen Anbieter von Cloud-Services in den Industrieverband aufgenommen, der sonst nur von Kfz-Herstellern und den Zulieferunternehmen besetzt ist. Der Wandel hat also begonnen und es könnten technisch versierte Neukunden ihren Verkäufer schon bald danach fragen, welche Cloud-Provider, Schnittstellen und Übertragungsstandards das Auto unterstützt.

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