Big Data – der neue Rohstoff der Wirtschaft

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Nico Litzel

(Bild: Bosch)

Maschinen und Fertigung steuern und überwachen sich selbst. Der Mensch wird zum Dirigenten dieses großen Industrie-4.0-Konzerts. Die Partitur: gigantische Datenmengen aus Sensoren, Aktoren, Steuerungen und MDE-Systemen – Big Data. Doch die „großen Daten“ gewinnen erst an Wert, wenn aus ihnen Wissen wird, Basis für vorausschauende Informationsmodelle.

La vache qui rit – die Kuh, die lacht: So labelt der französische Käseproduzent Bel (bekannt für den beliebten Klassiker Bonbel) seine Milchprodukte. Heute ist die Kuh schon ein ganzes Stück weiter. Den sie lacht nicht nur (wenn sie denn im Zeitalter der Massentierhaltung überhaupt noch etwas zu lachen hat), sondern sendet als Akteurin auf dem „Bauernhof 4.0“ auch schon mal eine SMS. Sensoren, GPS oder Big-Data-Analysen werden die Landwirtschaft von morgen effizienter machen und tiefgreifend verändern.

Und so wird die Frau, die der Bauer in der gleichnamigen Fernsehserie sucht (und selten findet), schon bald keine mehr sein, die dem üblichen „Landfrauenklischee“ entspricht. Statt zu melken, den Stall auszumisten oder den Hühnern die Eier trickreich „abzuluchsen“, hat die digitale Bäuerin über ihr Tablet oder Smartphone stets im Blick, was im Stall oder auf der Weide so geschieht: Sensoren an verschiedenen Stellen des Hofes senden einen Alarm auf das Mobilgerät, wenn Tore, Türen oder Gatter unbefugt geöffnet werden, Brandmelder warnen rechtzeitig bei Rauchbildung.

Immer fitter für Industrie 4.0

Schon heute gibt es in der Landwirtschaft Ansätze analog zu „Industrie 4.0“: Hightech-Mähdrescher und -Traktoren, die satellitengesteuert über das Feld navigieren, oder Drohnen, die Herbizide oder Düngemittel punktgenau ausbringen. Aktuellstes Beispiel ist eine Nachrüstlösung, die von der Deutschen Telekom gemeinsam mit Leica Geosystems und Sensor-Technik Wiedemann entwickelt wurde.

Sie steuert GPS-Korrekturdaten direkt über das Mobilfunknetz in das Lenksystem von Landmaschinen ein. Dazu sendet die Maschine ihre Position über das Mobilfunknetz in die Telekom-Cloud. Ein Korrekturdatensystem errechnet die präzisen Positionsdaten und „beamt“ sie sofort zurück an die Maschine. Und diese wiederum passt Fahrspur, Düngemittel- oder Saatguteinsatz automatisch an und optimiert zusätzlich den Spritverbrauch.

Fazit: Nicht nur die Techniken, auch die Ziele sind auf dem „digitalen Bauernhof“ nahezu die gleichen wie in der smarten Fabrik. Die Landwirte, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbandes Bitkom, erwarten von solchen Technologien verbesserte Abläufe, geringere Herstellungskosten durch eine höhere Effizienz und verbesserte Kapazitätsauslastung. Aber auch die Wartung und Instandhaltung der Maschinen und Geräte könnte mithilfe vorausschauender Analyseverfahren besser geplant werden als heute. Hightech-Anwendungen und Big Data werden auf dem Bauernhof von morgen ganz selbstverständlich sein, ist man beim Bitkom überzeugt.

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Big-Data-Readiness nimmt zu

Auch das produzierende Gewerbe setzt zunehmend mehr Big-Data-Lösungen ein. Das geht aus dem aktuellen „IT Innovation Readiness Index“ von Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT hervor. So nutzt die mittelständische Fertigungsindustrie Big Data insbesondere zur Auswertung kaufmännischer Unternehmenskennzahlen sowie zur Absatzdatenanalyse.

Denn laut Umfrage wird das Thema Internationalisierung und Globalisierung in der Zielgruppe derzeit als eine der größten Herausforderungen wahrgenommen. PAC geht deshalb davon aus, dass Big-Data-Analysen von Absatzdaten, die auf immer komplexeren Vertriebswegen global generiert werden, in der mittelständischen Fertigungsindustrie langfristig zunehmen werden.

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