Kommentar von Anthony Bartolo, Tata Communications

Artificial Intelligence für die Hosentasche

| Autor / Redakteur: Anthony Bartolo / Nico Litzel

Der Autor: Anthony Bartolo ist President, Business Collaboration, Mobility und IoT Solutions bei ‎Tata Communications
Der Autor: Anthony Bartolo ist President, Business Collaboration, Mobility und IoT Solutions bei ‎Tata Communications (Bild: Tata Communications)

Der Aufstieg neuer Technologien wie preiswertes Highspeed-Internet, sichere Cloud-Speicher, mobile Lösungen und günstige Endgeräte haben dazu beigetragen, dass etwas, was in der Vergangenheit noch Science Fiction war, heute zur Wirklichkeit geworden ist. Eine dieser Technologien ist Artificial Intelligence (AI). Mithilfe von AI können Informationen schnell und im großen Maßstab verarbeitet werden, was viele neue Möglichkeiten und eine signifikante Verbesserung im Management von Prozessen, Systemen, Netzwerken und Informationen ermöglicht.

Spracherkennungssysteme, Testversuche von selbstfahrenden Autos und Roboter, die den Rezeptionisten in einem Hotel in Japan ersetzen – das war das Jahr 2016. Tatsächlich hat künstliche Intelligenz einen großen Einfluss auf alle Branchen, angefangen bei der Gesundheitsindustrie, über Finanz- und Tourismus-, bis zum Fashionbereich. Beispielsweise können mithilfe von AI-Technologien Verbraucher ihre nächste Reise einfacher planen, Ärzte den richtigen Behandlungsplan für ihre Patienten auswählen und Anwälte innerhalb kürzester Zeit wichtige juristische Informationen zusammentragen.

Doch die wohl am meisten von AI beeinflusste Branche ist zweifelsohne die Mobilfunkindustrie: Mobile Endgeräte machen AI wie zum Beispiel Siri, Cortana, Alexa oder Google Now für die Verbraucher erlebbar – als sogenannte Personal Digital Assistants (PDAs) auf ihrem Smartphone. Man darf aber nicht vergessen, dass persönliche Assistenten bisher auch nur genau das sind: Assistenten. Sie können selbstständig keine Verbindungen herstellen und daher die Muster unseres Alltags nicht vollständig verstehen. Zudem können sie im Gegensatz zu „echten“ AI-Anwendungen, die auf Plattformen von IBM, Facebook, Google und anderen Anbietern betrieben werden, nicht aus Interaktionen lernen.

Identifizierung auf allen Kanälen

Doch genau hier wird sich etwas verändern. Laut Gartner werden Personal Digital Assistants bis Ende 2018 in der Lage sein, Menschen mithilfe von Gesichts- oder Sprach-Erkennung auf allen Kanälen identifizieren zu können. Bis zum Jahr 2020 werden 40 Prozent der mobilen Interaktionen über diese Smart Agents abgewickelt. Eine weitere Prognose von Gartner lautet, dass virtuelle Personal Assistants die Inhalte und das Verhalten von Nutzern zusammen mit in der Cloud gehosteten neuronalen Netzwerken verfolgen. So können Datenmodelle erstellt werden, aus der die Technologie Rückschlüsse auf das Verhalten von Kunden, auf Inhalte und Zusammenhänge ziehen kann.

Auch wenn Assistenten wie Siri, Alexa und Cortana also nicht so schnell als künstliche Übermenschen in Erscheinung treten werden, zeigen die Prognosen von Gartner aber, dass sie sich zu einem riesigen Datenschatz für Unternehmen und auch Kunden herausbilden werden.

Persönliche Assistenten sind aber nicht die einzige Art und Weise, wie Endgeräte intelligenter werden. Die Grenzen zwischen Apps – also speziell für die mobile Nutzung entwickelten Programmen – und Endgeräten verschwimmen immer mehr. Anstatt nur die IP-Verbindung und grundlegende Eigenschaften des Gerätes zu prüfen, werden die Anwendungen der Zukunft tiefere Einblicke in die Geräte, auf denen sie laufen, und Erkenntnisse über die zu Grunde liegenden Netzwerke gewinnen können. So kann Nutzern eine nahtlose mobile Erfahrung geboten werden.

Mobile Endgeräte werden zu unabdingbaren Helfern

Mithilfe dieser smarten Anwendungen werden sich mobile Endgeräte von einem einfachen Assistenten zu einem unabdingbaren Helfer wandeln, besonders in neuen Situationen oder fremden Umgebungen. Wenn man hier das Beispiel von oben wieder aufgreift, bei dem AI-Anwendungen Verbrauchern helfen, Reisen zu planen oder Empfehlungen für Hotels und Restaurants abzugeben, zeigt sich schnell: Es ist ein großer Unterschied, ob das Smartphone lediglich durch AI unterstützt oder ob eine wirklich vernetzte AI auf dem Smartphone genutzt wird. Erst recht, wenn man sich in einem fremden Land (und einem fremden Netzwerk) bewegt. Grenzüberschreitende Mobilität wird eine grundlegende Erwartungshaltung der Verbraucher werden. Denn die Kunden werden es nicht mehr hinnehmen, dass ihr intelligentes Endgerät aufgrund von veralteten Netzwerkansätzen beim Roaming ausgebremst wird. AI könnte somit das Ende der Roaming-Ära einläuten und bietet damit auch für die Mobilfunkbetreiber großes Potenzial.

Mit der Möglichkeit, schnell eine große Menge an Daten und das Kundenverhalten zu analysieren, können mobile Endgeräte mit AI-Anwendungen Personen – ähnlich wie in zwischenmenschlichen Beziehungen – anhand von bestimmten Merkmalen erkennen. So können verschiedene Facetten einer Person erkannt und analysiert werden, um so ein ganzheitliches Nutzerbild dieser Person zu erstellen, welches über eine einfache Sprach- oder Gesichtserkennung hinausgeht. Beispielsweise wird bei einigen Videospielen AI genutzt, um die Art und Weise, wie eine Person spricht oder sich bewegt, zu analysieren. Mithilfe von künstlicher Intelligenz können aber auch in der realen Welt beispielsweise wild lebende Tiere durch eine Smartphone-Kamera erkannt und von anderen unterschieden werden. Auf Basis des Bildes kann die Anwendung weitere Informationen wie den wissenschaftlichen Namen des Tieres und andere Dinge, die den Nutzer interessieren könnten, bereitstellen.

Dynamische Anpassung von Bandbreite und Geschwindigkeit

Letztlich wird AI auch Netzwerken ermöglichen, sich an den Bedürfnissen der Endverbraucher zu orientieren und so die Bandbreite und Geschwindigkeit dynamisch anzupassen, während die Nutzer sich in verschiedenen Netzwerken bewegen. Somit stellen sie sicher, dass Verbrauchern alle verfügbaren Kommunikationswege nahtlos zur Verfügung stehen. Beispielsweise müssten Verbraucher nicht mehr darauf achten, ob sie sich mit ihrem Smartphone gerade im WLAN oder im Mobilfunknetz befinden, wenn sie Facetime auf ihrem Smartphone nutzen – es funktioniert einfach. Dies geht über die bestehenden Netzwerkparadigmen hinaus. Man stelle sich ein mobiles Endgerät vor, bei dem der Nutzer noch nicht einmal mehr über Netzabdeckung oder WLAN-Verfügbarkeit nachdenken muss – es funktioniert einfach mit jedem verfügbaren Netzwerk, darunter IoT-Netzwerke, Bluetooth und anderen.

Aus Verbrauchersicht ist die wohl vielversprechendste Funktion von AI, dass ein mobiles Endgerät einfache Aufgaben im Alltag selbstständig erledigt. Für Unternehmen hingegen bedeuten die aus AI gewonnenen Daten eine radikale Veränderung in der Art und Weise, wie sie mit Informationen arbeiten und diese nutzen. Diese riesigen Datenmengen können Unternehmen wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten ihrer Kunden bieten und darüber, wie sie ihre Geschäftsprozesse an die Wünsche und Anforderungen der Verbraucher am besten anpassen.

Es ist klar, dass AI die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und sich verhalten, verändern wird. Dagegen bleibt abzuwarten, ob die heutige Ära der „Data Operators“ tatsächlich der Treiber dieses Wandels ist. Um erfolgreich zu sein, muss AI viel wichtiger werden. Der erste Mobilfunkbetreiber, der das Potenzial von AI – die zu einer grundlegenden Erwartung an das Smartphone und kein bloßes Gimmick mehr wird – erkennt und nutzt, wird einen Markt mit schier endlosen Möglichkeiten eröffnen.

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