Kontroverser Wachstumsmarkt

Advanced Analytics – ein Markt, den man nicht sieht

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Nico Litzel

Datenanalyse kennt vier Unterstützungsebenen. Die profundeste (im Bild ganz unten), Prescriptive Analytics, die letztlich zu automatisierten Entscheidungen führt, ist die Domäne von Advanced Analytics.
Datenanalyse kennt vier Unterstützungsebenen. Die profundeste (im Bild ganz unten), Prescriptive Analytics, die letztlich zu automatisierten Entscheidungen führt, ist die Domäne von Advanced Analytics. (Bild: Gartner)

Der Markt für Advanced Analytics wächst stark. Doch die meisten Applikationen aus diesem Bereich bleiben unsichtbar, weil sie sich in größeren Anwendungspaketen verstecken, die bestimmte Funktionen übernehmen.

Gartner schätzt den Markt für Advanced Analytics derzeit auf rund eine Milliarde US-Dollar jährlich und seine Wachstumsrate auf 13 bis 14 Prozent. Fachlich führend sind derzeit laut Gartner Unternehmen wie SAS (Enterprise Miner) und IBM (Watson Analytics). Das ist mehr als beim Analytics-Lieblingskind der vergangenen Jahre, der Data Discovery, deren Wachstum Alexander Linden, ein auf Advanced Analytics spezialisierter Gartner-Analyst, auf derzeit nur noch acht bis neun Prozent jährlich schätzt, freilich bei vierfachem Marktvolumen.

Doch gerade das Marktvolumen könnte bei Advanced Analytics erheblich höher sein als in diesen Zahlen sichtbar wird, denn sie umfassen nur die Programmierumgebungen für die Technologie, mit denen sich Anwender ihre eigenen Lösungen stricken.

Viele komplexe Analytik-Funktionen stecken heute tief in einer Unzahl von Applikationen, die sehr spezifische Zwecke bedienen: autonome Fahrzeuge, Anwendungen zur Verringerung der Kundenwechselraten, Software für vorbeugende Wartung, Qualitätssicherung oder Risikomanagement. „Wir wissen von 120 bis 130 analytischen Apps“, sagt Linden. Verfolgen lasse sich dieser Markt nicht wirklich, dazu sei er zu heterogen und verändere sich zu rasch. Schließlich kommen ständig neue Anwendungen hinzu.

Handeln wird automatisiert

„Mit Advanced Analytics bewegen wir uns auf die Ebene der Handlungs- und Entscheidungsunterstützung und eine Stufe weiter der automatischen Entscheidungsfindung mit anschließendem automatischen Handeln“, erklärt Linden.

Was das bedeuten kann, macht der Analyst an einem Beispiel aus Australien deutlich: Dort ersetzen gerade autonome Zugfahrzeuge die bisherigen bemannten Lokomotiven der Minenbahnen. „Das ist natürlich für die Lokführer, die bisher im Jahr um die 250.000 australische Dollar verdient haben, keine gute Nachricht“, meint er. Das Beispiel lässt auch an die aktuellen Streiks bei Bahn und Fluggesellschaften denken.

Advanced Analytics wird also zweifellos für jede Menge gesellschaftlichen Disput sorgen: individuelle Preisfindung bei Gütern und Dienstleistungen – etwa Versicherungen – oder die datenbasierende Vorhersage darüber, wo vielleicht demnächst das nächste Verbrechen geschieht und wer es begehen könnte, gefolgt von entsprechenden vorbeugenden Maßnahmen (Predictive Policing) dürften zumindest hierzulande vielen zu weit gehen. Sie werden aber anderswo schon selbstverständlich eingesetzt.

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